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Prof. Dr. Hermann Spellmann tritt in den Ruhestand.

Führungswechsel in der NW-FVA

Am 31. März ist der Direktor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, Prof. Dr. Hermann Spellmann, in den Ruhestand getreten. Niedersachsens Forstministerin Barbara Otte-Kinast verabschiedete den Chef der NW-FVA aus dem aktiven Berufsleben. Ihm folgt Dr. Thomas Böckmann.

„Mit der Pensionierung von Prof. Dr. Spellmann endet eine überaus erfolgreiche Ära“, fasste Ministerin Barbara Otte-Kinast die Leistung des scheidenden Direktors und des im In- und Ausland hoch geachteten Fachmanns für nachhaltige Forstwirtschaft zusammen. „Sein breites Wissen, seine Überzeugungskraft, sein Gestaltungswille und sein mitreißender Schwung werden uns fehlen.“

Hermann Spellmann begann 1987 seine wissenschaftliche Laufbahn in der damaligen Niedersächsischen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen. 2003 wurde er Leiter der „NFV“ und im Februar 2006 Gründungsdirektor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) als Vierländerkooperation. In seiner Amtszeit wurden die Gebäudeensemble in Göttingen und Hann. Münden bedeutend erweitert und modernisiert. Zudem hat sich die Belegschaft der NW-FVA unter der Führung von Hermann Spellmann nahezu verdreifacht. Als Mitglied in zahlreichen Fachgremien – unter anderem als Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik der Bundesregierung – entwickelte Spellmann bedeutende Analysen und Zukunftsperspektiven.

Das länderübergreifende Team der NW-FVA aus Wissenschaftlern und Praktikern erarbeitet für private Waldbesitzende, die Landesbetriebe und die Politik wichtige Ratschläge und Entscheidungshilfen. Mit ihren Arbeiten zu Klimaschutz und -anpassung ist die NW-FVA auf der Höhe der Zeit.

„Mit Prof. Dr. Spellmann geht der bisherige Lotse von Bord“, so Ministerin Barbara Otte-Kinast. „Doch ich freue mich, dass wir Dr. Thomas Böckmann als hochkompetenten Nachfolger begrüßen können.“

Thomas Böckmann konnte im Niedersächsischen Forstplanungsamt, das er über 13 Jahre erfolgreich leitete, einen großen Erfahrungsschatz sammeln. Als neuer Direktor der NW-FVA ist er für rund 200 Beschäftigte und für etwa ein Viertel des deutschen Waldes zuständig. Ganz oben auf seiner Agenda stehen nun die Klimaanpassung, der Erhalt der biologischen Vielfalt und die Sicherung des Rohholzangebotes.

Red./ML Niedersachsen

Würdigung aus Anlass des Eintritts von Direktor Prof. Dr. Hermann Spellmann in den Ruhestand

Am 1. April 2020 ist Direktor Prof. Dr. Hermann Spellmann, erster Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), in den Ruhestand getreten. Damit enden die dienstlichen Aktivitäten eines der profiliertesten deutschen Forstmänner der letzten Jahrzehnte. Seine Leistungen im forstlichen Versuchswesen sind gerade unter den Bedingungen des Klimawandels von enormen Wert und praktischer Relevanz.

Hermann Spellmann ist forstlicher Generalist im besten Sinne. Seine Arbeiten haben immer die Zusammenhänge, die in dem so komplexen Ökosystem Wald unter den mitteleuropäischen Bedingungen bei einer hohen Bevölkerungsdichte gelten, in eindrucksvoller Form aufgedeckt.
Für den praktischen Waldbau, für die Forstpolitik, für die Waldbesitzer und die Forstbetriebe hat das Versuchswesen unter der Leitung von Hermann Spellmann spürbare und konkrete Relevanz für die Forstwirtschaft und die Forstbetriebe aller Besitzarten in den Trägerländern und weit darüber hinaus erlangt.

Nach seinem erfolgreichen Wirken in seiner niedersächsischen Heimat wurde er 2006 erster Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt, der zunächst drei (Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt), seit 2011 vier Trägerländer (Schleswig-Holstein) angehören. Die NW-FVA kooperiert aber auch mit Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland in der Betreuung von Versuchsflächen. Durch die Gründung der Mehrländeranstalt gelang eine Bündelung der Kräfte des Versuchswesens, von dem alle Beteiligten profitieren. Zugleich war die NW-FVA seit ihrer Gründung überaus erfolgreich in der „Drittmittelakquise“.
Hermann Spellmann verfügt über eine Tiefe des Fachwissens, als wenn er all die Daten, Informationen und Resultate der Arbeit einer Versuchsanstalt verinnerlicht hätte. Und nicht nur gegenwärtig, sondern auch weit in der Vergangenheit. Zugleich ist er ein begnadeter, mitreißender Redner, der durch seine Menschenkenntnis, seine Freundlichkeit und seine Zugewandtheit sein Publikum begeistert.

Mit diesen Tugenden hat er auch den Prozess des Zusammenwachsens von drei Länderversuchsorganisationen ohne Reibungsverluste elegant und souverän gemeistert. Heute arbeiten über 200 Mitarbeiter* innen an den Standorten in Hann. Münden (ehemals Hessische Forstliche Versuchsanstalt) und Göttingen (ehemals Niedersächsische Forstliche Versuchsanstalt) ganz selbstverständlich zusammen, auch wenn sie Bedienstete der jeweiligen Trägerländer sind.

Gründung der NW-FVA

Die Gründung der NW-FVA war unter der Lenkung von Hermann Spellmann ein Lehrstück für gelungenes „Change-Management“.
Für Hessen hat die NW-FVA bedeutende Beiträge und enorme Grundlagen zur Lösung konkreter Fragestellungen in den Wäldern geliefert.
Die Wälder im hessischen Teil des Oberrheingrabens, dem „Hessischen Ried“, sind durch jahrzehntelange Übernutzung des Grundwassers und den weiteren Folgen durch abiotische (Dürre) und biotische (Maikäfer, Pilze, Misteln, Schmetterlinge) Schäden weitgehend zerstört und können ihre Funktionen für Naturschutz, Erholung, Regionalklima, Grundwasserschutz nicht mehr bzw. nur eingeschränkt und nicht nachhaltig erbringen.
Die NW-FVA brachte ihre Expertise in eine Machbarkeitsstudie zur Verbesserung der Grundwasserstände und in die für die Landesregierung erarbeiteten „Waldentwicklungsszenarien für das Hessische Ried“ ein.

Beide Expertisen fanden Eingang in die Arbeit des „Runden Tisches zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried“ und stehen hoch auf der Agenda der Landespolitik.
Hermann Spellmann und seine Mitstreiter haben wirkungsvoll mitgearbeitet an der Neufassung der „Waldbaufibel“, der hessischen „Richtlinie für die Bewirtschaftung des Staatswaldes“ und an dem Prozess der Staatswaldforen zur Beteiligung relevanter Stakeholder. Dabei spielte der Klimawandel eine herausragende Rolle, wie auch die Sicherung der Biodiversität. Hier erarbeitete die NW-FVA durch das Projekt „Erstellung von Klimarisiko- und Zielbestockungskarten Forst“ wichtige Grundlagen für den gesamten Wald in Hessen. Das Projekt NWE 5, welches die NW-FVA im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz durchführte, sowie die organisatorischen Vorkehrungen in der NW-FVA eine fünfte Abteilung „Waldnaturschutz“ zu etablieren, lieferten beispielhaft wichtige Bausteine für die Arbeit des Umweltministeriums in Wiesbaden. Und noch in den allerletzten Tagen als Direktor der NW-FVA konnte unter seiner Leitung die hessische Standortskartierung flächendeckend abgeschlossen und die klimaangepasste Zuordnung der Waldentwicklungsziele als Grundlage für die Bewältigung der Kalamitätsfolgen abgeschlossen werden.
Dieses ertragreiche Lebenswerk des Ertragskundlers lässt sich gut erklären, weil Hermann Spellmann seinen Beruf zur Berufung gemacht hat. Damit hat er andere begeistert und motiviert. Und das funktioniert nur mit überragenden menschlichen Qualitäten. Bescheidenheit, Humor, Familiensinn, Fähigkeit zur Selbstkritik. Hermann Spellmann brennt für den Wald und für das Versuchswesen.

Im Namen der Hessischen Landesforstverwaltung bin ich froh, diesen Forstmann auch in unseren Kreisen gehabt zu haben,

Vielen Dank für diese Ära. Und zugleich darf man gespannt sein, wo Hermann Spellmann seine Schaffenskraft im nächsten Lebensabschnitt hinlenkt.

Autor: Carsten Wilke, Abteilungsleiter Wald und nachhaltige Forstwirtschaft im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

 

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