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FSC Vollversammlung 2019

Die diesjährige Vollversammlung des FSC Deutschland fand am 25. und 26. Juni im Kulturforum in Wiesbaden statt. Alle Mitglieder waren eingeladen, um über aktuelle Themen zu diskutieren. Der Vorstand und der Geschäftsführer legten ihre Berichte vor.

Etwa 70 Mitglieder waren der Einladung des FSC Deutschland zur 26. Vollversammlung gefolgt, um sich aktiv an der Zukunftsgestaltung des FSC zu beteiligen. Die Wiederwahl des Vorsitzenden Dirk Riestenpatt sowie die Besetzung zahlreicher weiterer Vorstands- und Vereinsämter verliefen einvernehmlich. Neu im Vorstand ist Dieter Hellmann (Forst BW), der als Nachfolger für Dr. Gerd Loskant aus der Wirtschaftskammer antritt. Neue Mitglieder im Richtlinienausschuss, der für die Erarbeitung des FSC-Standards zuständig ist, sind Dr. Berkemeier (IG BAU) und Norbert Bösken (Bund Deutscher Forstleute) aus der Sozialkammer, sowie Albert Wotke (WWF Deutschland) aus der Umweltkammer.

FSC Deutschland aktuell

Zu Beginn der Veranstaltung berichtete der Geschäftsführer von FSC Deutschland, Uwe Sayer, über die aktuelle Arbeit des FSC in Deutschland. Ein Schwerpunkt ist die Intensivierung der Arbeit zu positiven Studien und Wirkungen des FSC im Wald. Hier findet derzeit eine kontinuierliche Ergänzung der Internetseite von FSC Deutschland statt.

Ulrich Malessa, Leiter des Markt-Teams, präsentierte die aktuellen Entwicklungen der Marktsituation für den FSC und dokumentierte damit den Erfolg von FSC. Neuer Umsetzungsschwerpunkt ist hierbei die Rolle von FSC Deutschland als „Warenzeichenschutzpolizei“, die Verdachtsfällen von Zertifikatsmissbrauch aktiv nachgeht. Im Jahr 2018 wurde 47 Fällen nachgegangen. Malessa berichtete auch von dem neuen Online-Training für den Verarbeitungssektor. Die Schulung für die Produktkettenzertifizierung wurde von FSC International bereits bestätigt und wird demnächst Auditoren und Anwendern des FSC-Systems die Arbeit erleichtern. Zuversichtlich blickt Malessa ebenfalls auf eine Vielzahl an neu geknüpften Kontakten, hauptsächlich aus den Bereichen Bau und öffentliche Beschaffung, aus denen Kooperationen entstehen können oder bereits entstanden sind.

Holzkohle ist ein weiteres Thema, das den FSC Deutschland in letzter Zeit beschäftigte. Die Stiftung Warentest veröffentlichte eine Studie über die Herkunft von Holzkohle, die von Unternehmen in Deutschland verkauft werden. Auch der FSC setzte sich dafür ein, dass die Herkunftsangaben der Holzkohle mit der wahren Herkunft übereinstimmen. Dazu wurden Proben aus verschiedenen Holzkohlesäcken an ein Labor in den USA geschickt. Ein gravierender Missbrauchsfall wurde auf diese Weise bei Dancoal – einem der wichtigsten europäischen Grillkohle-Großhändler – aufgedeckt, in dessen Verlauf FSC bereits Mitte Juni das Zertifikat beendete und einen Verkaufsstopp verursachte.

Podiumsdiskussionen

Zwei Podiumsdiskussionen schafften Raum für den Austausch der geladenen Gäste, die in ihrem Themenbereich Experten sind, und dem Publikum. Die erste Podiumsdiskussion thematisierte die Arbeit von Forstunternehmen im FSC-Wald und die Probleme und Lösungen im Verhältnis Forstbetrieb und Unternehmer. Eingeladen wurden hierzu: Rudolf Hansknecht vom Landesbetrieb NRW, der Mitglied des Richtlinienausschuss und damit mitverantwortlich für die Inhalte des deutschen FSC-Standards ist, um die Perspektive eines Landesbetriebs zu beleuchten, Tilmann Neuschäfer, um aus der Perspektive eines Unternehmers zu berichten und Dr. Kastenholz vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF). Als Moderator war Prof. Dr. Siegfried Lewark (Universität Freiburg) berufen. Eröffnet wurde die Podiumsdiskussion mit einer Frage an Tilmann Neuschäfer: „Welches sind Ihrer Ansicht nach die zentralen Kritikpunkte an den Ausschreibungsformalitäten?“ Daraufhin erzählte der Unternehmer aus seiner Arbeitspraxis und Problemen bei der Beteiligung an öffentlichen Auftragsvergaben und auch die anderen Podiumsteilnehmer meldeten sich zu Wort. Ersichtlich wurden Meinungsverschiedenheiten, jedoch waren alle offen für Gespräche und die Suche nach Problemlösungen.

Die zweite Podiumsdiskussion stand unter dem Thema „Arbeitsbelastung für Beschäftigte von FSC-Forstbetrieben – Bürokratie oder Notwendigkeit für angemessene Prüfung“. In der Moderation von Volker Diefenbach diskutierten als geladene Gäste: Fritz Speer (Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz, Abteilung Forsten), Björn Stelter (Hatzfeldt-Wildenburg´sche Verwaltung), Elmar Stertenbrink (Erkrath) und Thilo Mauthay (Revierleiter bei HessenForst). Das Ergebnis der Podiumsdiskussion war, dass einige Betroffene mit der Umsetzung der FSC-Standards zwar auf gewisse Schwierigkeiten gestoßen sind, die Umsetzung mit der Zeit jedoch immer einfacher werden würde und vor allem die strukturellen Maßnahmen einen Mehrwert bieten würden. Alle Teilnehmer lobten die größere Flexibilität im neuen deutschen FSC-Standard 3-0.

Empfang

Am Abend trafen sie Mitglieder und Gäste im Rathaussaal zu einem festlichen Empfang. Dort lobte Staatsministerin Priska Hinz den FSC für seine Arbeit: „FSC ist nicht nur wichtig für Artenschutz, sondern auch für eine zukunftsorientierte, nachhaltige Waldwirtschaft. Wir haben das höchste Siegel angestrebt und können damit garantieren, dass richtig gearbeitet wird. Beim FSC wollten wir auch aktiv mitgestalten und nicht nur Zaungast sein, daher sind wir Mitglied bei FSC und können somit bei bestimmten Entscheidungen Einfluss nehmen.“

Abschließend präsentierte Ministerin Hinz das neue Konzept, mit dem Kommunen und Privatwaldbesitzern in Hessen die Möglichkeit eröffnet werden soll, sich im Rahmen von FSC-Gruppenzertifikaten, die über den Landesbetrieb organisiert werden, zu beteiligen.

Exkursionen

Ziel der Exkursionen waren der Stadtwald Wiesbaden und das neue Zentrum des Bio-Lebensmittelhändlers Alnatura in Darmstadt. Im Stadtwald Wiesbaden führte Sabine Rippelbeck (Leiterin der Abteilung Landwirtschaft und Forsten im Grünflächenamt der Stadt Wiesbaden) die Teilnehmer. Der rund 5.600 ha umfassende Stadtwald ist seit 20 Jahren nach FSC und Naturland e.V. zertifiziert. Als vollen Erfolg bezeichneten auch die Teilnehmer der Alnatura-Exkursion ihren Ausflug nach Darmstadt.

 

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale, gemeinnützige Organisation. Weltweit wird der FSC als wichtige Initiative für die Einführung demokratischer Prozesse und nachhaltiger Wirtschaftsweisen durch die faire Beteiligung unterschiedlicher Interessengruppen betrachtet. Der FSC Deutschland ist eine nationale Initiative, die den FSC International unterstützt. Er wurde 1997 als Diskussionsforum zur Förderung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung innerhalb Deutschlands gegründet und ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Der FSC wird in Deutschland getragen von Umweltverbänden wie WWF und NABU sowie von Vertretern aus der Wirtschaft und Gewerkschaften wie der IG Metall und der IG BAU. Insgesamt besteht der FSC Deutschland derzeit aus 172 Mitgliedern, dazu kommen weitere 53 unterstützende Fördermitglieder (Stand 2018).

Red./FSC Deutschland

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