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FSC PSM Regelungen

FSC konkretisiert PSM-Regelungen

Angesichts der schweren Käferkalamität der vergangenen Jahre und dem dadurch vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hat der FSC seine Regelungen diesbezüglich konkretisiert.

Die erarbeiteten Interpretationen wurden vom Vorstand von FSC-Deutschland angenommen und sind als normative Ergänzung zum Deutschen FSC-Standard zu verstehen. Dabei gelte auch in der Krise: Biozide und Pflanzenschutzmittel werden in FSC-Wäldern grundsätzlich nicht eingesetzt.

Grundsätzlich keine Pflanzenschutzmittel

Allerdings gebe es Situationen, in denen eine Behörde den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) anordnet, ein entsprechend zuständiges Ministerium eine fachliche Weisung zum PSM-Einsatz erteilt oder eine Verpflichtung zum Pflanzenschutzmitteleinsatz aus dem jeweiligen Waldgesetz heraus als letztes Mittel besteht.

Um Rechtssicherheit und Standardkonformität im Umgang mit dieser Problematik sicher zu stellen, beantwortet der FSC konkret folgende Fragen:

  1. Welche Vorkehrungen treffen Forstbetriebe für den Kalamitätsfall, um den PSM-Einsatz zu vermeiden?
    Der Deutsche FSC-STD fordert von den Forstbetrieben Vorkehrungen für den Kalamitätsfall zu treffen (10.9.2). Die entsprechende Interpretation stellt klar, dass die zum Schutz der Waldbestände notwendigen Vorkehrungen für den Kalamitätsfall auch Maßnahmen enthalten, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglichst auszuschließen.
    Öffentliche Forstbetriebe und private Forstbetriebe > 1000ha stellen sicher, dass interessierten Stakeholdern ermöglicht wird, zur Waldschutzkonzeption oder entsprechenden Inhalten in anderen betrieblichen Managementinstrumenten, Stellung zu nehmen (7.6.3 FSC-STD).
  2. Wie ist damit umzugehen, dass Behörden mit Verweis auf gesetzliche Verpflichtungen zum Waldschutz, die auch den Pflanzenschutzmitteleinsatz beinhalten, darauf hinweisen, dass sie keine behördlichen Anordnungen ausstellen?
    Unabhängig davon, ob Forstbetriebe aufgrund behördlicher Anordnung, fachlicher Weisung oder waldgesetzlicher Verpflichtung PSM einsetzen, begründen sie den Pflanzenschutzmitteleinsatzes zukünftig anhand bestimmter, festgelegter Parameter die in einer „Checkliste Pflanzenschutzmitteleinsatz“ zusammengestellt sind (10.7.2 FSC-STD).
  3. Was bedeutet im Zusammenhang mit der Darstellung der Notwendigkeit eines Pflanzenschutzmitteleinsatzes der Begriff „Instanz die vom Forstbetrieb unabhängig ist“?
    Es kann Situationen geben, in denen ein Forstbetrieb aufgrund waldgesetzlicher Verpflichtungen zum Pestizideinsatz verpflichtet ist ohne aber eine behördliche Anordnung erhalten zu haben. Das ist dann der Fall, wenn die entsprechende Behörde (z.B. ein hoheitlich zuständiges Forstamt gegenüber einem FSC-zertifizierten Kommunalwald) mit dem Verweis auf eben jenes Waldgesetz eine solche behördliche Anordnung für überflüssig erachtet. In diesem Fall kann eine „Instanz, die vom Forstbetrieb unabhängig ist“ auf Grundlage der „Checkliste Pflanzenschutzmittel“ die Notwendigkeit und waldgesetzliche Verpflichtung zum PSM-Einsatz bestätigen (FSC-STD 10.7.1). Als solche Instanz gelten Forstschutzexperten mit entsprechendem Spezialwissen zum Waldschutz (z.B. Mitarbeiter forstlicher Versuchsanstalten und Universitäten, forstliche Sachverständige).
  4. Wie wird diese Notwendigkeit hergeleitet und dokumentiert?
    Um die notwendige Transparenz auch beim Thema Pflanzenschutzmitteleinsatz sicher zu stellen, wird klargestellt, dass es sich hierbei um sog. Maßnahmen handelt, „von denen andere maßgeblich betroffen sind“ (FSC-STD 4.5.2). Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird dementsprechend durch den Forstbetrieb proaktiv gegenüber betroffenen Stakeholdern (z.B. Naturschutzverbänden) kommuniziert. Dabei begründet der Betrieb den Mitteleinsatz, nennt betroffene Waldorte und Mengen. Die Begründung für den Mitteleinsatz erfolgt vor der Ausbringung, Menge und Waldort können auch erst danach bekannt gegeben werden. In welcher Form die Information betroffener Stakeholder erfolgt bleibt dabei den Forstbetrieben überlassen. Denkbar sind z.B. Mitteilungen im Amtsblatt, Markierung von Poltern oder das Anschreiben bekannter Stakeholder durch den Forstbetrieb.
  5. Was ist  mit der Transparenz gegenüber und der Kommunikation mit Stakeholdern?
    In Summe schaffen die Interpretationen zusätzliche Klarheit und Vergleichbarkeit innerhalb der FSC-zertifizierten Forstbetriebe in Deutschland und ergänzen damit die bestehenden Regelungen des Deutschen FSC-STDs und internationaler Anforderungen. Aufgrund der auch zukünftig zu erwartenden trockenen Sommer werden zukünftig wohl mehr Pflanzenschutzmittel in deutschen Wäldern eingesetzt werden als noch vor dem Jahr 2018. Im Gegensatz zu nicht-FSC-zertifizierten Forstbetrieben kann der PSM-Einsatz aber nur unter strengen Voraussetzungen und nicht alleine auf Grundlage einer forstbetrieblichen Entscheidung erfolgen. Zudem kann mit Pflanzenschutzmitteln behandeltes Holz erst 6 Monate nach dem Einsatz als FSC-Holz vermarktet werden. Der FSC mache im Vergleich zur konventionellen Forstwirtschaft damit auch zukünftig wesentliche Unterschiede indem die Hürden für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln hoch bleiben und klargestellt werde, dass Forstbetriebe die Pflanzenschutzmittel einsetzen, darüber informieren müssen.

Der FSC stellt klar, dass normativ einzig der Deutsche FSC-STD und die Interpretationen im Originalwortlaut sind. Dieser Beitrag erläutert und fasst die Interpretationen lediglich zusammen.

Alle normativen Interpretationen zum Deutschen FSC-Standard finden Sie HIER.

FSC/Red.

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