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Ulrike Höfken

FSC Deutschland: Resümee zur Vollversammlung 2014

Unter dem Motto „aus Prinzip Wald“ fand am 24./25. Juni in Mainz die 21. Vollversammlung des FSC Deutschland statt. Dabei wurde viel über die Ausrichtung des künftigen FSC-Waldstandard gesprochen.
FSC in Rheinland-Pfalz
Die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz Ulrike Höfken beteiligte sich als Gastgeberin und Vertreterin des zweitgrößten deutschen Forstbetriebs mit FSC-Zertifikat ebenfalls an den Diskussionen in Mainz. In ihrer Rede vor FSC-Mitgliedern und Gästen unterstrich die Ministerin: „Das FSC-Zertifikat stellt sicher, dass der Wald in einer Art bewirtschaftet wird, die den Fortbestand der biologischen Vielfalt sicherstellt und die sich dabei auch rentiert. Dies ist Nachhaltigkeit im besten Sinne.“ Über zwei Drittel des Landeswaldes Rheinland-Pfalz würden mittlerweile das begehrte FSC-Zertifikat tragen. „Die enorme Entwicklung von FSC in den letzten zwei Jahrzehnten ist bemerkenswert. Heute können wir sagen, dass allein die Gründung des FSC in vielen Bereichen der Forstwirtschaft zum Umdenken geführt hat. Viele heute selbstverständliche Verfahrensweisen im Wald verdanken wir dem Impuls des FSC“, hob die Ministerin, die Gründungsmitglied des FSC Deutschland war, noch einmal hervor.
Mit konkreten Beispielen aus der Praxis der Zertifizierung des Landeswaldes beschrieb Ministerin Höfken die positiven Auswirkungen für die Beschäftigten und die Umwelt im Land. Neben der Nachhaltigkeit im Wald wünschte sie sich jedoch auch eine stärkere Marktentwicklung sowie einen damit verbunden größeren ökonomischen Erfolg von FSC zertifizierten Produkten und unterstrich dabei ihr Bestreben, bei der öffentlichen Beschaffung noch konsequenter auf FSC-zertifizierte Materialien zu achten.
FSC-Waldstandard im Fokus
Am zweiten Tag der Vollversammlung diskutierten dann Forstexperten einzelne kontroverse Punkte aus dem deutschen FSC-Standard. Damit wurde der Rahmen für den weiteren Revisionsprozess noch einmal inhaltlich abgesteckt. In der fast vierstündigen Fachdebatte wurde zum einen deutlich, dass die Positionen der verschiedenen Interessen bei Themen wie Energieholznutzung, Lern- und Referenzflächen oder Fragen der Begrenzung von Umbaumaßnahmen im Wald noch weit auseinander liegen. Auf der anderen Seite wurde jedoch auch klar, dass die Debatten von einer konstruktiven Kommunikationskultur geprägt sind, die einen Konsens auch in stark umstrittenen Bereichen realistisch erscheinen lassen.
Einigkeit herrschte unter den Teilnehmern aus Forstbetrieben, Unternehmen sowie Sozial- und Umweltverbänden darüber, dass die Revision des deutschen FSC-Standard zu einer merklichen Entbürokratisierung bei der Zertifizierung führen soll und dass sich die Qualität der Prüfung verbessern muss.
Für das besonders strittige Thema der Kappungsgrenze bei der Nichtderbholznutzung vereinbarten die Teilnehmer, dass hierzu der FSC Deutschland noch einmal zu einem offenen Forum einlädt. Hier sollen dann intensiv offene Fragen erörtert, neue Erkenntnisse ausgetauscht und Positionen diskutiert werden. „Der Richtlinienausschuss wird sich bis dahin nicht mit dem Thema Derbholzgrenze, Energieholznutzung befassen, es sind zu viele Fragen offen, um fundierte Diskussionen führen zu können“, betonte der Moderator des FSC-Revisionsprozesses, Elmar Seizinger.
Alternativen zur Online Claims Platform gefordert
Die in den letzten Monaten intensiv diskutierte Einführung einer Online Claims Platform (OCP) zur Kontrolle und Absicherung von Warenströmen mit FSC-Siegel in der Produktkette war auf der Versammlung Anlass für einen Mitgliederentscheid. Auf Antrag von Vertretern der Wirtschaftskammer beschlossen die Mitglieder mehrheitlich, dass der FSC Deutschland die derzeit geplante zwingende Einführung der OCP in der jetzigen technischen und inhaltlichen Entwicklung nicht unterstützt.
Der auf der Versammlung modifizierte Antrag fand auch die Unterstützung von Vertretern der anderen Interessensgruppen im FSC.
Vielmehr soll nun gegenüber FSC International die Position vertreten werden, dass auch andere Lösungen und Verfahren zur Prozesssicherung und Transparenz in der Produktkette gefunden werden. Die Lösung, einer anonymisierten elektronischen Erfassung von Warenströmen mit FSC-Aussagen, wird aktuell – auch in Deutschland – von einzelnen Unternehmen getestet.
FSC ist Benchmark
Bei anstehenden Vorstandswahlen wurden die bisherigen Amtsinhaber Nina Grieshammer und Lutz Fähser für die Umweltkammer sowie für die Sozialkammer Elmar Stertenbrink und Volker Diefenbach eindeutig bestätigt.
Neben Ministerin Ulrike Höfken konnte der FSC als Gastredner seiner Versammlung auch Albrecht Hornbach (Vorstandsvorsitzender Hornbach) begrüßen. Dieser unterstrich, dass sich die Vorreiterrolle des Unternehmens bei der konsequenten Umstellung des Angebots auf Produkte aus FSC-Holz bereits ausgezahlt hat. Sowohl bei der Kundenzufriedenheit als auch aus ökonomischer Sicht habe sich die Selbstverpflichtung für das Pfälzer Familienunternehmen gelohnt, so Hornbach.
Als weitere Gastredner sprachen Dr. Stefan Schäfer (Gemeinde und Städtebund Rheinland-Pfalz) und Dr. Ute Seeling (Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik) in Mainz vor der FSC-Vollversammlung.
Der Vorsitzende von FSC Deutschland, Dirk Riestenpatt, zog zum Abschluss ein positives Resümee: „Der FSC ist in Deutschland Benchmark für verantwortungsvolle Forstwirtschaft und wird dies auch in Zukunft bleiben. Die intensiven Diskussionen um Teile des FSC-Standards zeigen, dass, wenn der FSC in die Mitte der deutschen Forstwirtschaft will, wir uns nicht in die Mitte, sondern die Mitte sich zu uns verschieben muss.“
FSC Deutschland
Ministerin für Umwelt Ulrike Höfken

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