Ausbildung

Frühzeitige Vermittlung von Waldwissen fördert eine nachhaltige Zukunft

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten weltweiten Umfrage des Global Forest Education Project – unter Leitung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der International Union of Forest Research Organizations und der International Tropical Timber Organization – weist auf die Hindernisse hin, die im Rennen um die Anwerbung und Ausbildung einer neuen Generation von Forstfachleuten bestehen.

Forstwirte sind heutzutage dazu aufgerufen, einige der größten Herausforderungen nachhaltiger Entwicklung zu lösen. Denn im Kampf gegen den Klimawandel und künftige Pandemien zoonotischen Ursprungs stehen die Wälder der Welt und die Menschen, die sie bewirtschaften, an vorderster Front. Angesichts der Überalterung der Arbeitskräfte im Forstwesen müssen wir uns allerdings dringend darum kümmern, dass eine Karriere im Bereich Forstwesen attraktiver wird. Fakt ist, Berufe im Forstsektor ziehen nicht genügend junge Menschen an, die sich den künftigen Herausforderungen stellen wollen.

Infos weltweit gesammelt

Mit der Umfrage des Global Forest Education Project wurden zum ersten Mal in sechs Weltregionen Informationen darüber gesammelt, wo, wie und wie gut Waldpädagogik und forstliches Wissen vermittelt wird. Dabei wurden Grund- und Sekundarschulen, Fach- und Berufsbildungsprogramme sowie Universitäten mit einbezogen.

Eine Erkenntnis aus den Ergebnissen war, dass in den meisten Regionen, vor allem im Globalen Süden, Grund- und Sekundarschulen schlicht und ergreifend nicht effektiv über Wälder und Bäume unterrichten und die Schüler nicht motivieren werden, forstbezogene Studien und Berufe zu ergreifen. Diesbezügliches Wissen wird in den Lehrplänen oft unzureichend behandelt, das gilt für die MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) ebenso wie in für die Sozial- und Geisteswissenschaften. Nur allzu oft haben Schulkinder so gut wie keinen Bezug zu Wäldern, nicht einmal dann, wenn sie in deren Nähe leben. Es verwundert daher nicht, dass vielen jungen Menschen die Bedeutung von Wäldern und deren nachhaltiger Bewirtschaftung kaum bewusst sind.

Forstsektor mit Imageproblem?

Die Umfrage zeigt weiter, dass junge Menschen vielerorts dazu neigen, das Forstwesen als minderwertiges und unattraktives Berufsfeld zu betrachten. Auch von anderer Seite wird bestätigt, dass der Forstsektor nach wie vor ein Imageproblem hat. Für viele ist Forstwesen gleichbedeutend mit Holzeinschlag. Es ist schwer vermittelbar, dass die nachhaltige Waldbewirtschaftung das wichtigste Instrument ist, um die Entwaldung und Zerstörung von Wäldern zu verhindern. Des Weiteren ist die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Schlüssel für die Erreichung vieler nachhaltiger Entwicklungsziele des Pariser Klimaabkommens, v. a. jene mit Bezug auf Hunger, Armut, menschenwürdige Arbeit, Energie, Gesundheit und Klima.

Qualitativ hochwertige Waldpädagogik ist das Ziel

Darüber hinaus deckt die Umfrage Mängel in der Hochschul- und Berufsbildung auf, die Folgen für Studierende der Forstwissenschaften haben: überholte Studienprogramme, mangelnder Zugang zu digitalen Tools, sowie in vielen Regionen unzureichende Förderung praktischer Fähigkeiten und Erfahrungen aus erster Hand in den Wäldern. Die Umfrage stellte außerdem fest, dass traditionelles und indigenes Wissen in die Waldpädagogik auf allen Ebenen unzureichend mit einbezogen wird. Dass die Wissensvermittlung in Bezug auf Wälder grundlegend neu betrachtet werden muss, ist offensichtlich. Um diesen Prozess zu initiieren, versammelt die Internationale Konferenz für Waldpädagogik diese Woche über 1.000 Experten, mit dem Ziel, Lösungen für die Umsetzung qualitativ hochwertiger Waldpädagogik zu entwickeln.

Wissen schützt den Wald

So viel ist klar: Die Waldpädagogik muss von der Grundschule an gezielt in die Lehrpläne integriert werden, um Schüler frühzeitig für den Wald und seine Schlüsselrolle in Bezug auf den Klimawandel zu interessieren und einige der klügsten Köpfe für eine Laufbahn im Forstwesen zu gewinnen. Zum Schutz der Wälder müssen wir junge Menschen darüber aufklären, wie Waldökosysteme funktionieren und was ihr Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel, aber für einen gesunden Planeten und einer grünen Wirtschaft, basierend auf erneuerbaren Ressourcen, ist.

Waldverständnis fördern

Vom Grundschulalter an sollten Schülerinnen und Schülern durch inspirierende Exkursionen oder durch schlichte Schulhofökologie beigebracht werden, wie Bäume und Waldökosysteme eigentlich funktionieren. Unterstützt von Deutschland führt die FAO derzeit in Tansania und auf den Philippinen ein Pilotprojekt durch, um Schulkindern zwischen 9 und 12 Jahren zielorientiertes Waldwissen anhand innovativer, interaktiver Unterrichtseinheiten zu vermitteln. In Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und nationalen Bildungsexperten entwickelt die FAO lokal relevante Unterrichtseinheiten für Lehrer und Schüler, nach dem deutschen Ansatz der Waldpädagogik, der Lernerfahrungen aus erster Hand in den Vordergrund stellt, um das Verständnis für nachhaltige Waldnutzung zu fördern. Für ältere Schüler und Studierende gilt es sicherzustellen, dass die Waldthematik in die Lehr- und Studienpläne der Natur- und Sozialwissenschaften, aber auch der Geisteswissenschaften entsprechend integriert wird. Dadurch sollen unterschiedliche kulturelle Perspektiven und indigenes Wissen vermittelt und das Wissen über Wälder und das Forstwesen vertieft werden. Besonders wichtig ist es, das Image des Forstwesens als beruflich verstaubte Männerdomäne zu korrigieren.

Für die Generation von morgen….

In Waldgebieten sowie in urbanen Ballungsräumen ist die junge Generation auf die enorme Bandbreite nachhaltiger forstwirtschaftlicher Berufe aufmerksam zu machen: Diese reichen von politischen Entscheidungsträgern über App-Entwickler und Unternehmensgründer bis hin zu Satellitenbildanalysten, Drohnenpiloten und Insektenforschern. Wir können und müssen dafür sorgen, dass Kindern und Jugendlichen Wissen und ein Bewusstsein vermittelt wird, welch große Bedeutung Wälder für den Planeten und unsere Lebensgrundlagen haben. In einigen von diesen Jugendlichen wird die Saat des Wissens um unsere Waldökosysteme aufgehen, was sie dazu inspirieren wird eine Karriere in einem modernen Forstwesen der Zukunft einzuschlagen.

Autoren: Andrew Taber, Social Forestry Team Leader, und Maria De Cristofaro, Forestry Communications and Outreach Officer, Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO)