Frühlingserwachen am Holzmarkt

Die Belebung des Holzmarkts im Frühjahr wurde in den vergangenen Jahren häufig ausgebremst. Ein großer Bauernbuckel, gesunkene Restholzpreise und ein Überangebot am Schnittholzmarkt dämpften den erwarteten Aufschwung. In diesem Jahr ist das anders.

Eine hohe Produktionstätigkeit der Holzwerkstoff- und Zellstoffindustrie und steigende Hackschnitzelpreise begünstigen derzeit den Einsatz von Waldholz.
Foto: Jochen Reinstorf
Die Geschäftslage in der deutschen Wirtschaft war nach Angaben des ifo-Instituts im April so gut wie seit Jahren nicht mehr. Sie liegt auf dem zweithöchsten Niveau der vergangenen zehn Jahre. Die Geschäftsaussichten werden von den an der Umfrage des ifo-Instituts beteiligten Firmen etwas schlechter eingeschätzt, befinden sich aber nach wie vor auf hohem Niveau. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland setzt sich fort. Die Unternehmen des Bauhauptgewerbes beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage wegen voller Auftragsbücher so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Auch die Erwartungen in die Geschäftsentwicklung der kommenden Monate ist wieder positiv.

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und besonders diejenige des Bauhauptgewerbes spiegeln sich auch im Holzgewerbe wider. Positiv wird die aktuelle Marktlage und die -entwicklung für Nadelschnittholz, Holzpackmittel, Spanplatten und mit Abstrichen auch für Paletten eingeschätzt. Etwas schlechter werden der Laubschnittholz- und der Furnierplattenmarkt beurteilt.

Nadelschnittholzpreise über Vorjahr

Das wirtschaftliche Umfeld der Nadelholzsägewerke hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. Im Mai 2017 liegen die Schnittholzpreise im Durchschnitt um etwa 3 % höher als vor zwölf Monaten. Im Preis gestiegen sind besonders Sortimente für eine weitere Veredelung wie KVH-Rohsparren oder auch Leimbinderlamellen. Das herkömmliche Listenbauholz wird in immer stärkerem Maße durch hochwertigere Produkte ersetzt. Doch auch geringwertigere Sortimente wie Seitenware, Kistenbretter etc. sind im Preis deutlich angestiegen. Im letzten Jahr waren gerade diese Schnittholzsortimente preislich stark unter Druck geraten, weil das Angebot wegen des Einschnitts großer Käferholzmengen aus Süddeutschland sehr hoch war.

Die für die Sägewerke sehr bedeutsamen Sägerestholzmärkte sind ebenfalls deutlich besser als im Vorjahr. Die Hackschnitzelpreise konnten häufig angehoben werden und liegen 2 bis 7 % über den Vorjahrespreisen. Die Preise für Sägespäne sind, der Entwicklung des Pelletsmarkts folgend, etwas gesunken. Dennoch sind die Preise 22 bis 38 % höher als im Vorjahr.

Die Auftragsbücher der Nadelholzsägewerke sind voll. Die Preise für Schnitt- und Restholz ziehen an. Die Rundholzversorgung könnte jedoch zum Engpass werden.

Fichtenstammholzpreise steigen

Die Fichtenstammholznachfrage ist in allen Regionen Deutschlands hoch. Die meis-ten Sägewerke versuchen die günstige Marktlage durch eine hohe Einschnittleistung auszunutzen. Da viele Forstbetriebe den Fichtenstammholzeinschlag im Frühjahr aus Holz- und Forstschutzgründen reduzieren, sinken aufgrund rascher Abfuhr und Verarbeitung die Waldholzlager. Die Versorgung der meisten Sägewerke ist zwar durch Vorverträge zurzeit abgesichert. Für die kommenden Monate könnte es bei fortgesetzt hohem Produktionstempo aber zu Versorgungsengpässen kommen. In der Mitte Deutschlands sind außerdem die verstärkten Einkaufsbemühungen der Mercer-Holz Süd GmbH in Blankenstein spürbar, die nach Übernahme des Klausner-Werks in Friesau, Thüringen, die Produktion auf 1,4 Mio m³ steigern will. Ein hohes Käferholzaufkommen ist trotz regional angespannter Forstschutzlage derzeit nicht bekannt. Die kühle Witterung hat wohl bisher Schlimmeres verhindert. Wegen der spürbaren Marktbelebung liegen die Fichtenstammholzpreise in den meisten Regionen Deutschlands etwa 1 bis 2 €/Fm über dem Vorjahr, mit steigender Tendenz.

Während im Süden Deutschlands in aktuellen Abschlüssen für das Leitsortiment 2b in B/C-Qualität 85 bis 96 €/Fm vereinbart wurden, wurden in der Mitte und im Westen Deutschlands maximal 93 €/Fm erzielt. Im Norden und Osten Deutschlands liegt der Preis für das gleiche Sortiment bei 83 bis 90 €/Fm. Bei den anstehenden Preisverhandlungen für Verträge für das dritte Quartal bzw. zweite Halbjahr werden weitere Preissteigerungen erwartet.

Auch die Nachfrage nach Kiefernstammholz ist trotz gestiegener Bläuegefahr ungebrochen hoch. Für Kiefernlangholzabschnitte werden im Norden und Osten für die Stärkeklasse 1b 53 bis 57 €/Fm, für 2a 59 bis 66 €/Fm und für 2b 65 bis 67 €/Fm gezahlt. In der Mitte Deutschlands liegen die Preise etwa 5 €/Fm darüber. Durch die Schließung einiger Werke in Bayern ist das klassische Süd-Nord-Preisgefälle weniger stark ausgeprägt.

Rothölzer wie Lärche und Douglasie sind nach wie vor gefragt. Die Preise für Douglasienstammholz lang und für –abschnitte in B/C-Qualität liegen bis zu 10 €/Fm über denjenigen für vergleichbare Fichtensortimente. Entsprechende Lärchenqualitäten erlösen den Fichtenpreis oder werden knapp darunter gehandelt.

Die deutschen Nadelholzpalettensäger und -produzenten profitieren zwar von der hohen Palettennachfrage in Deutschland, haben aber eine starke Konkurrenz durch Billigimporte aus Osteuropa. Die Preise für Schnittholzsortimente sind zwar angestiegen, die Rundholzpreise aber bisher stabil geblieben. Im Norden Deutschlands werden für Nadelholzpalette, 2,40 m + 10 cm 30 bis 31 €/Rm gezahlt.

Buchenmarkt leidet unter Containerfrachten

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 987.409 m³ Laubschnittholz produziert. Etwa die Hälfte davon wird exportiert. Ein großer Teil wird per Container nach Asien, vor allem nach China verschifft. Seit Dezember 2016 sind die Containerfrachtraten deutlich gestiegen. Die Preise konnten nur teilweise an die Abnehmer weitergegeben werden. Versorgungsengpässe und Preissteigerungen führen dazu, dass chinesische Abnehmer verstärkt über Alternativen zum Buchenschnittholzeinsatz nachdenken. Ebenso ist der Export von Eschenschnittholz nach Vietnam durch die gestiegenen Frachtraten stark unter Druck geraten.

Eine Entspannung der Preise für Containerfrachten wird erst ab Juni erwartet. Viele Laubschnittholzproduzenten haben deswegen im März nochmals größere Mengen verschifft. Ein Ausweichen auf andere Häfen und diverse Maßnahmen zur Kostenreduktion haben nur partiell für Entlastung gesorgt. Gleiches gilt im Übrigen für die Rundholzverschiffung nach Asien. Trotz hoher Nachfrage nach Buchenstammholz in China wurden im April und Mai wegen der Kosten-ErtragsSchere und der Verfügbarkeit von Frachtkapazitäten nur geringe Mengen exportiert. Die meisten Forstbetriebe hatten die Vermarktung ihrer Buchenstammholzmengen frühzeitig abgewickelt, sodass es nur in geringem Umfang zu Problemen gekommen sein dürfte. Im Hinblick auf die nächste Saison ist zu hoffen, dass die erwartete Entspannung der Containerfrachten im Sommer eintritt. Ausgangs der Saison gab es beim Buchenstammholz ansonsten keine wesentlichen Änderungen. Eichenstammholz wurde bis zum Ende der Saison gesucht. Auf den Wertholzterminen wurden qualitätsbereinigt in der Regel Preise über denen des Vorjahrs erzielt. Eschenstammholz konnte qualitätsbereinigt überwiegend zu Vorjahrespreisen vermarktet werden. Der Markt war bis zum Schluss aufnahmefähig.

Talsohle beim Nadelindustrieholz durchschritten

Eine hohe Produktionstätigkeit der Holzwerkstoff- und Zellstoffindustrie und steigende Hackschnitzelpreise begüns-tigen derzeit den Einsatz von Waldholz. Außerdem hatten in den vergangenen Monaten Industrieholzexporte nach Rumänien zu einer Marktentlastung in Deutschland geführt. Da seit Anfang April die Grenzen zur Ukraine wieder geöffnet sind, sind die Importe aus Deutschland mittlerweile eingestellt worden.

Die Preise für Nadelindustrieholz in F/K-Qualität sind wegen der Laufzeiten der Vorverträge unverändert und liegen derzeit in Norddeutschland zwischen 19 und 22 €/Rm. Für OSB-Qualitäten werden 24 bis 25 €/Rm gezahlt. In Süddeutschland werden für Nadelholz in F/K-Qulität Preise von 29 bis 32 €/Fm genannt. Für Schleifholz bestand in Süddeutschland zeitweilig ein Überangebot. Wegen des bekannten Kapazitätsabbaus in der dortigen Zellstoffindustrie liegen die Preise nach wie vor auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau von 31 bis 33,50 €/Rm und damit nur noch unwesentlich höher als in Norddeutschland.

Die weitere Entwicklung der Industrieholzmärkte wird von Marktteilnehmern positiv eingeschätzt. Besonders die im Bau befindliche Kapazitätserweiterung des schwedischen SCA-Zellstoffwerks Östrand in Timra dürfte sich ab 2018 auch auf die norddeutschen Märkte auswirken. Die Kapazität soll auf insgesamt 900.000 t Zellstoff pro Jahr verdoppelt werden.

An den Laubindustrieholz-märkten gibt es zum Ende der Saison keine wesentlichen Veränderungen. Buchenindustrieholz erlöst 36 bis 40 €/Fm. Eichenindustrieholz liegt 5 bis 8 €/Fm darunter. Beim Weichlaubindustrieholz sind F/K-Qualitäten wegen der Substitution durch Altholz kaum kostendeckend zu vermarkten. N-Qualitäten hingegen können in der Zellstoff- und OSB-Industrie abgesetzt werden. Die Energieholzmärkte haben sich wegen der langen Heizperiode zwar etwas belebt, geben aber mit Beginn des Frühjahrs saisonüblich nach. Die Preise für Pellets in ENplus-A1-Qualität hatten im März mit 255,18 €/t (Liefermenge 6t) ihren saisonalen Höchststand erreicht und sind im April gesunken. Dennoch liegt der Preis um 6 % über dem des Vorjahrs.

Die Frühjahrsbelebung der Nadelholzmärkte ist in diesem Jahr sehr ausgeprägt. Sowohl die Rund- als auch die Schnittholzpreise steigen. Ein hoher Käferholzanfall könnte die positive Entwicklung stoppen. Wegen zu geringer Niederschläge sind viele Fichten besonders anfällig. Ein wachsames Auge und die konsequente Anwendung der bekannten Waldschutzmaßnahmen können Schlimmeres verhindern.

Michael Degenhardt,

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