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Früheinschlag im Laubholz

Früheinschlag im Laubholz

Auf der Mitgliederversammlung der AfL Niedersachsen im März stellte Klaus Jänich die Pläne der Niedersächsischen Landesforsten (NLF) zur Laubstarkholzernte vor. Wie der Leiter der Abteilung Produktion und Markt erklärte, beträgt die Erntemenge bei Buchenstammholz ab der Stärkeklasse 4 (> 40 cm Mittendurchmesser) durchschnittlich zwischen 80 000 und 90 000 Fm pro Jahr. Diese Menge kann in Zukunft nicht mehr zur Gänze im traditionellen Wintereinschlag bereitgestellt werden. Rund 30 % des Stammholzes sollen darum schon vor Weihnachten aufgearbeitet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Revierförstereien mit Buchenwäldern in dieser Zeit durchschnittlich 200 bis 300 Fm ernten und rücken. Möglich ist das nur, wenn die Holzernte bereits im September beginnt, also wenn die Bäume noch voll belaubt sind.Das hat mehrere Gründe. Einer sind die Frühlieferprämien der Holzindustrie, die für den Waldbesitz immerhin 10 bis 15 % mehr Erlös bedeuten. Ein anderer Grund für die Verlagerung ist der ausbleibende Frost. Während die Waldböden im Winter immer öfter nicht befahrbar sind, treten in den Monaten August bis Oktober regelmäßig Trockenperioden auf. Sie sind zwar kein gleichwertiger Ersatz für den Frost, die Holzrückung ist dann aber immer noch bodenpfleglicher als bei Nässe im Winter. Ins Frühjahr ausweichen können die Landesforsten nicht, weil sie die Holzernte in den FFH-Gebieten ab dem 1. März einstellen müssen. Sie nehmen 25 % der Landeswaldfläche ein.Den Großteil der Starkholzernte werden wie bisher die 340 Forstwirte der NLF motormanuell aufarbeiten. Darüber hinaus werden auch die Forstunternehmer beteiligt. Sie bewältigen Brusthöhendurchmesser bis 50 cm noch mit ihren Radharvestern. Für dickeres Holz sind Raupenharvester wie der Raptor oder der Könistiger T40 nötig, die aber nur in Hieben ab 2 000 Fm in Frage kommen – und das ist allein im Raum Solling möglich. Die Unternehmer erhalten außerdem nennenswerte Aufträge für den motormanuellen Einschlag.Wie Jänich betonte, sind sich die NLF dessen bewusst, dass der Laubfrüheinschlag besondere Herausforderungen an die Arbeitssicherheit stellt. Das Einschlagsverfahren der Wahl ist deshalb die Königsbronner Anschlagtechnik (KAT), bei der die Bäume seilunterstützt zu Fall gebracht werden. Neben den zwölf NLF-eigenen Seilschleppern werden hierfür die Rückeschlepper der Forstunternehmer eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Um das Arbeitsverfahren auf ganzer Fläche einführen zu können, hat das Niedersächsische Forstliche Ausbildungszentrum in Münchehof im Dezember 2016 zunächst sechs Fortbilder geschult. Diese verbreiten das Verfahren nun landesweit.Die Forstunternehmer haben zu den Plänen allerdings noch einige offene Fagen. Wie der AfL-Vorsitzende Michael Haarhaus sagt, haben die NLF das KAT-Verfahren bisher nur mit den eigenen Waldarbeitern erprobt. Es sei bisher nicht geregelt, wie die Aufträge für die Schlepper-Unterstützung vergeben und abgerechnet werden. Die Unternehmer wurden bisher außerdem nicht in die örtlichen Schulungen einbezogen. Das Land will die nötige Ausrüstung wie zum Beispiel Helmfunk oder spezielle Anschlagmittel zwar stellen. Das ist aber nicht unbedingt sinnvoll, weil z. B. die Seilwinden der Unternehmer sehr unterschiedliche Zugkräfte haben und die gestellten Anschlagmittel dann im konkreten Fall womöglich gar nicht passen. „Es gibt noch viele ungelegte Eier“, stellt Haarhaus fest.

Oliver Gabriel

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