WaldÖkologie

Frost und Schnee – (k)ein Problem für den Wald?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Seit einer knappen Woche zeigt das Thermometer vielerorts eisige Minusgrade an. In einigen Landesteilen türmen sich Schneeberge auf. Unsere Pflanzen im Wald kommen auch mit einem späten Winter gut zurecht. Für die Tiere ist es bei dieser Witterung besonders wichtig, nicht gestört zu werden.

„Waldbäume sind nicht so empfindlich. Sie treiben nicht beim ersten warmen Sonnenstrahl aus und gegen den Frost haben sie eine Art Frostschutzmittel eingelagert“, weiß der Leiter des Waldinformationszentrums Hammerhof Jan Preller. Im Herbst haben die Laubbäume ihre Blätter abgeworfen und sich so auf die kalten Wintertage vorbereitet. „Sind die Blätter weg, fällt der Baum in so etwas wie einen Winterschlaf. Seinen Wassergehalt im Stamm reduziert er auf ein Minimum“, so Preller. Bevor der Baum die Blätter abwirft,zieht er die Nährstoffe aus den Blättern und speichert sie. Diese Zuckerverbindungen reichern sich in den Zellen an. Sie senken den Gefrierpunkt der Zellen, sodass sie nicht in der Kälte aufplatzen. So schützen sie den Baum vor dem Erfrieren, wie eine Art Frostschutzmittel – eine geniale Erfindung. Was die Bäume nicht gut vertragen, ist ein ständiger Wechsel zwischen Wärme und Kälte. Wenn zum Beispiel Anfang Mai nach dem Laubaustrieb noch einmal Spätfrost folgt, sterben oftmals Blätter oder ganze Zweige von Laubbäumen ab. Diese abgestorbenen Zweige hat der Baum damit für immer verloren.

Einige Waldpflanzen sind sogar auf Frostperioden angewiesen, um sich zu vermehren. Ein Beispiel ist der Bärlauch, der als eine der ersten Frühlingspflanzen schon bald in den Buchenwäldern seinen typischen Knoblauchgeruch verströmen wird. Bärlauchsamen brauchen mehrere Wochen andauernde Temperaturen um den Gefrierpunkt, um keimen zu können.

Winterschlaf oder Winterruhe?

Schwarzspecht
Schwarzspecht
Foto: J. Preller/Wald und Holz NRW

Bei den Tieren des Waldes haben zurzeit diejenigen Glück, die im geschützten Versteck die Kälte verschlafen. Siebenschläfer, Igel und Fledermäuse sind klassische Winterschläfer. Auch der Dachs hat sich zurückgezogen. Er hält Winterruhe. Rothirsche, Wildschweine und Rehe sind wach und müssen sich mit den Temperaturen im Wald von unter -10 °C abfinden. Dafür brauchen sie vor allem eins: Ruhe.

In einer Zeit, in der aufgrund der niedrigen Temperatur ein erhöhter Wärmebedarf besteht, ist das Nahrungsangebot knapp. Die Natur hat sich auf diesen Mangel eingestellt. Winteraktive Wildtiere schränken ihre Bewegung ein und sparen so Energie. „Waldbesucher sollten auf den Wegen bleiben und Wildtiere möglichst nicht stören“, erklärte Preller. So kann das Energiesparprogramm der Tiere durch den Menschen unterstützt werden. Auch Fettreserven und ein dichtes Winterfell helfen gegen die Kälte. Im grauen Winterhaar der Rehe ist statt Farbstoffen Luft eingelagert, die zusätzlich zum Fell isolieren soll. Die dunkle Winterschwarte der Wildschweine sammelt die Sonnenwärme und besteht unter den steifen Borsten aus dichtem und wärmendem Unterhaar. Äußere Körperpartien des Rotwildes werden zum Energiesparen weniger durchblutet als das Köperinnere. Vögel plustern sich auf und isolieren durch den „Luftmantel“ im Gefieder ihre Körpertemperatur von der kalten Umgebungstemperatur.

Wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht selbständig regulieren können, haben sich im Herbst in möglichst frostfreie Verstecke zurückgezogen und verharren dort in einer Kältestarre. Die Erdkröte hat sich im Waldboden eingegraben. Insekten verbringen den Winter meist als Eier, Puppen oder Larven im Boden, der Laub- beziehungsweise Nadelstreu oder unter der Rinde von Bäumen. Die Umwandlung körpereigener Stoffe hebt die Frosthärte der Insekten und macht sie sehr robust. Das gilt zum Bedauern der Forstleute auch für Borkenkäfer, die im Waldboden und unter der Fichtenrinde überwintern. Lediglich die Larvenstadien vertragen den Frost nicht.

Reh im Winterwald
Reh im Winterwald
Foto: J. Preller/Wald und holz NRW

Zwar sieht man jetzt Eichhörnchen gelegentlich am Vogelfutterhäuschen, zumeist ruhen sie aber im geschützten Quartier. Anders als die typischen Winterschläfer werden sie häufig wach und suchen Vorratsverstecke auf. Ihre Körpertemperatur sinkt während der Ruhephasen nur leicht. Der Igel, der schon lange und tief schläft, hat eine stark geminderte Körpertemperatur. Sie ist von normal 36 °C auf unter 5 °C gesunken. Alle Lebensfunktionen des Körpers bewegen sich auf einem Minimum. Der Beginn der Ruhe- oder Schlafphase zu Beginn der kalten Jahreszeit wird durch die Tageslänge und hormonelle Umstellungen bewirkt. Für die Holzernte sind die eisigen Temperaturen gut. Bisher war es im Wald sehrnass und matschig. Die Maschinen können auf dem durchweichten Untergrund nicht optimal arbeiten. Zum Schutz des Bodens und der Wege müssen auch immer wieder Waldarbeiten abgebrochen werden. Der Deutsche Wetterdienst rechnet derzeit mit einer längeren Kältewelle. Eine späte Frostperiode käme für die Försterinnen und Förster hier gerade passend, um die Arbeiten im Wald bodenschonend fortsetzen können.

Quelle: Wald und Holz NRW (PM)