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Fritz Beese 70

Fritz Beese 70

Es konnte einem als Mitarbeiter der forstlichen Bodenkunde in Göttingen passieren, dass man abends oder am Wochenende Fritz Beese in einem kleinen, mit Utensilien und Gerätschaften vollgestopften Labor konzentriert an einer neuartigen Apparatur tüfteln sah. Er erzählte dann immer begeistert von seinen neuesten Ideen und dass er dabei war, sie mithilfe neuer technologischer Entwicklungen zu lösen. Diese kleine Episode zeigt charakteristisch, wie Fritz Beese immer sehr praktisch orientiert war, um bessere Methoden und neue Technologien einsetzbar zu machen. Dazu gehörten z. B. die bodenhydrologische Messsensorik oder der Einsatz stabiler Isotope, aber auch die Nahinfrarotspektroskopie, die er für bodenbiologische Anwendungen weiterentwickelte.Beese studierte nach dem Oberschulabschluss 1963 und einem landwirtschaftlichen Praktikum Landwirtschaft an der Universität in Göttingen. Die ersten bodenkundlichen Gehversuche entstanden im Rahmen der Diplomarbeit bei Brunk Meyer über die Vergrisung von Schwarzerden. Seine Promotion zum Wasserhaushalt von Feucht-Schwarzerde- und Griserde-Landschaften im niedersächsischen Löss-Vorland der mitteldeutschen Schwelle schloss er 1972 erfolgreich ab. 1973 wechselte er zur Bodenkunde und Waldernährung unter Bernhard Ulrich. Der Aufenthalt als Fullbright-Stipendiat bei Peter Wierenga am Department of Agronomy der New Mexico State University, Las Cruces 1978/79 gab den Anstoß, auch in Deutschland die aufkommende „Modellierung“ zusammen mit Rienk van de Ploeg und Paul Benecke in Deutschland voranzutreiben.Das systemische, modellhafte Denken verband Beese mit Bernhard Ulrich, der die aufkommende Waldökosystemforschung mit seinen stoffhaushaltlichen Ansätzen prägte und an dessen Institut sich Beese stärker dem Wald zuwandte, insbesondere dem N-Kreislauf. Über dieses Thema „Parameter des Stickstoffumsatzes in Ökosystemen mit Böden unterschiedlicher Acidität“ habilitierte er sich 1986. 1987 wurde er mit dem Aufbau des Instituts für Bodenökologie bei der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung in München-Neuherberg beauftragt. Dort etablierte er eine gesunde Mischung aus experimentellen und modellhaften Ansätzen und hob den Forschungsverbund Agrarökosysteme mit dem Versuchsgut Scheyern aus der Taufe.1994 trat Beese die Nachfolge von Bernhard Ulrich im Institut für Bodenkunde und Waldernährung der Forstlichen Fakultät in Göttingen an – eine Berufung, die für Kontinuität und Weiterentwicklung stand. Auch das Forschungszentrum Waldökosysteme, dem er von 1996 bis 2008 vorstand, hat von seinen Ideen und seinem unermüdlichen Engagement sehr profitiert. Projekte wie „Waldlandschaft Solling“, „Entscheidungsunterstützungssystem Wald und Klima“ oder nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst die Klimafolgenforschung in Niedersachsen wären ohne ihn nicht denkbar gewesen.Anfang der 90er-Jahre erging an Fritz Beese die Bitte, im neu gegründeten Wissenschaftlichen Beirat für Globale Umweltfragen mitzuwirken. Dies war eine Aufgabe wie für ihn geschaffen, da es ihm immer ein großes Anliegen war, in größeren Zusammenhängen zu denken und Wissen so zu strukturieren, dass es umsetzbar war und zu praktischen Konsequenzen führt.Fritz Beese hat es an allen seinen Wirkungsstätten mit unermüdlichem Einsatz geschafft, eine kreative, konstruktive Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der die Mitarbeiter motiviert mit ihm an einem Strang zogen. Er konnte große Forschergruppen organisieren und führen, wobei es immer auch Platz zur eigenen individuellen Entfaltung gab und man sich auf sein offenes Ohr und seine konstruktiven Anregungen verlassen konnte.Auch über vier Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Abteilungsleitung kann man Fritz Beese in einem mit Büchern und Manuskripten vollgestopften Büro antreffen, lesend, nachdenkend, an neuen Ideen bastelnd und tüftelnd, noch genauso begeistert wie in früheren Jahren – nur nicht mehr ganz so oft.

Martin Jansen

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