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„Friederike“ – Glück gehabt oder Existenz bedroht?

Auf den Tag genau 11 Jahre nach „Kyrill“ wütete mit Sturmtief „Friederike“ erneut ein Januarsturm über Deutschland hinweg und richtete teilweise verheerende Schäden an. Jetzt beginnt die Aufarbeitung.

Der Orkan „Friederike“ erfasste Nordrhein-Westfalen von Westen kommend insbesondere in den nördlichen Landesteilen. Vom Niederrhein über das Münsterland bis ins Hochstift zieht sich nach ersten Erkenntnissen das Hauptschadensgebiet.

Was bedeutet „Friederike“ für die Waldeigentümer?

Hans Hardt, Waldbauer aus dem Bergischen und 2. stellvertretender Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW sagte hierzu: „Die Rettungsdienste, insbesondere auch viele ehrenamtliche Helfer waren bis in die Nacht hinein unterwegs und haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich nicht noch mehr schlimme Unfälle ereignet haben. Ihnen gebührt der besondere Dank aller Waldeigentümer.“

Die Waldeigentümer und ihre Familien sind durch Katastrophen wie diese immer besonders betroffen. Ihnen wird durch ein solches Ereignis die Einkommensgrundlage teilweise über Jahrzehnte hinweg genommen.

„Wir haben Meldungen von mehreren normalen Jahreseinschlägen, die ‚Friederike‘ in manchen Betrieben buchstäblich über den Haufen geworfen hat“, berichtete die Geschäftsführerin des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalen, Heidrun Buß-Schöne. Diese Betriebe werden Schwierigkeiten haben, ihre Holzmengen bis Jahresende aufzuarbeiten. Aber die Steuererleichterungen für solche Fälle greifen in ausreichender Höhe nur für das erste Jahr. Diese Betriebe sind dann auch noch doppelt gestraft. Daher forderte der Vorsitzende der Waldbauern in NRW, Dr. Philipp Freiherr Heereman: „Insbesondere die Waldbesitzer, die weit mehr als einen Jahreseinschlag zu bewältigen haben, müssen durch Steuererleichterungen unterstützt werden, die über das Schadjahr hinausgehen.“

Insgesamt dürfte die Schadsumme nach derzeitigen Berechnungen allerdings landesweit bei unter einem Jahreseinschlag liegen. Daher ist sich die Geschäftsführerin des Waldbauernverbandes sicher: „Angesichts der für Holz sehr aufnahmefähigen Sägeindustrie ist die Gesamtmenge also grundsätzlich kein Problem. Es gibt keine Begründung für einen Preisverfall wie nach ‚Kyrill‘.“

Was tun, wenn es eng wird?

Es kann natürlich dennoch regional zu Engpässen bei der Aufarbeitung und Lagerung kommen. Daher fordert der Waldbauernverband alle Verantwortlichen dazu auf, überall dort, wo es regional für den Holzmarkt und die Waldbesitzer erforderlich ist, Nasslager schnellstmöglich zu genehmigen. Schwierigkeiten bereitet jetzt auch das anhaltend nasse Wetter. Nicht nur die Waldböden, auch die Wege sind oft so nass, dass sie eine Befahrung mit Holzernte- und Rückemaschinen kaum aushalten. Auf dieses schwere Gerät ist die Forstwirtschaft in der Sturmaufarbeitung aber dringend angewiesen. Sturmaufarbeitung ist die gefährlichste Waldarbeit. Nur durch Unterstützung von schweren Maschinen kann verhindert werden, dass es weitere Tote bei der Beseitigung der Schäden durch „Friederike“ gibt. Der erste Todesfall bei der Aufarbeitung im Wald hat sich bereits ereignet. Daher mahnt Buß-Schöne eindringlich: „Die Aufarbeitung von Sturmschäden im Wald ist eine Sache für Profis mit geeigneter Maschinenunterstützung. Hier geht Sicherheit vor Schnelligkeit.“

Das Aufräumen nach „Friederike“ wird also noch eine ganze Weile dauern. Die Bevölkerung sollte sich nicht in Gefahr begeben und sich von gesperrten Waldbereichen fernhalten. Eine aktuelle Übersicht über die gesperrten Waldgebiete ist zu finden auf der Homepage des Landesbetriebes Wald und Holz.

Die Waldbesitzer bitten die Bevölkerung um Geduld. Auch wird nicht jeder Waldweg im Laufe dieses Jahres wieder für den Sonntagsspaziergang hergerichtet werden können. Damit sich am Ende der Sturmaufarbeitung auch die Bevölkerung wieder in den Wäldern erholen kann, werden kilometerlange Waldwegesanierungen erforderlich werden. Schon heute fordert der Waldbauernverband das Land auf, rechtzeitig die finanziellen Hilfen aufzustocken und Waldbesitzer und Waldbesucher hier gleichermaßen zu unterstützten.

Waldbauernverband NRW

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