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Fremdenfeindlichkeit im deutschen Wald?

Wie halten wir es mit der Douglasie? Der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) fordert mehr Sachlichkeit und weniger Ideologie.

Die Douglasie ist nach dem schottischen Botaniker David Douglas benannt, der sie 1827 nach Europa einführte. Inzwischen ist sie die wichtigste eingebürgerte Baumart Mitteleuropas.
In Deutschland sieht die Forst- und Holzwirtschaft in Zeiten des Klimawandels die Douglasie als einen Hoffnungsträger und spricht gerne vom „Spätheimkehrer“, obwohl die fossilen Pollenfunde aus dem Tertiär stammen und es keine Hinweise für ein Vorkommen bis ins Eiszeitalter gibt. Auf der anderen Seite lehnen viele Naturschützer die Douglasie als „Fremdländer“ kategorisch ab, da sie nicht zur potenziell natürlichen Vegetation gehört und die heimische Biodiversität gefährde. Aktuell hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Rahmen einer wissenschaftlich sehr umstrittenen Studie u.a. die Douglasie in einer sogenannten „Schwarzen Liste“ invasiver Arten aufgeführt, bei denen das Gefährdungspotenzial für natürlich vorkommende Ökosysteme, Biotope oder Arten wissenschaftlich belegt sei.
Unstrittig ist, dass die Douglasie auf trockenen, basenarmen Standorten wie z.B. flachgründigen Felsstandorten heimische Arten verdrängen kann. Diese lokale, auf wenige Sonderstandorte begrenzte konkrete Biodiversitätsgefährdung zu verallgemeinern, ist jedoch mehr als fragwürdig, zumal eine solche „Schwarze Liste“ eine hohe symbolische Bedeutung hat und der Begriff „invasive Art“ beim nicht fachkundigen Bürger extrem negative Assoziationen hervorruft.
Die Diskussion um die Douglasie wird sehr emotional und vielfach ideologisch geführt.
Die SDW appelliert an alle Beteiligten, sich mehr an den Fakten zu orientieren und danach ist die Douglasie:
• eine durchaus bodenpflegliche Baumart mit breiter Standortamplitude und gut zersetzbarer Streu; zudem ist sie recht unempfindlich gegenüber biotischen und abiotischen Schadfaktoren;
• ein Baum mit hoher Wuchsleistung (bei geringem Nährstoffentzug) und guten Holzeigenschaften – ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit der Kohlendioxid-Problematik;
• bezüglich ihrer Lichtbedürfnisse als Mischbaumart und auch für den Unterstand (Umbau von Waldbeständen) gut geeignet;
• in den naturnahen Waldbau ist sie damit gut zu integrieren;
 
• mit ihrem Herzwurzelsystem im Vergleich zur flachwurzelnden Fichte sturmfest und weniger trockenheitsempfindlich – v.a. auch bei Trockenperioden im Sommer;
• nicht zu vegetativen Vermehrungsstrategien befähigt, weshalb die Ausbreitung mit waldbaulichen Mitteln steuerbar ist;
• in Deutschland seit 120 Jahren in forstlichen Versuchsflächen eingehend erforscht.
Douglasie wäre eine standortgerechte Alternative 
Der „Brotbaum“ Fichte wird durch den Klimawandel auf vielen Standorten mittelfristig erhebliche Probleme haben. Hier wäre die Douglasie durchaus eine standortgerechte Alternative. Allerdings nicht im Reinbestand, sondern im Rahmen eines Umbaus in naturnahe Mischbestände. Alle forstlichen Versuchsanstalten empfehlen seit jeher den Anbau nur in Mischbeständen und fordern übrigens auch Pufferzonen für Schutzgebiete und gefährdete Biotope wie Blockmeere oder Felsen.
SDW Landesverband Nordrhein-Westfalen

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