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Forum Weißtanne mit erweitertem Fokus

Forum Weißtanne mit erweitertem Fokus

Stilgerecht im aus Weißtanne erbauten Freiburger WaldHaus hat sich der Verein „Forum Weißtanne e. V.“, ein Zusammenschluss von Waldbesitzern, Holz- und Forstfachleuten zur Förderung der Tannenholzverwendung, in zwei Workshops zu einer Erweiterung der Strategie entschlossen. Nur im Zusammenwirken von Waldbau und Marketing, darin sind sich die Experten einig, wird die Weißtanne wieder auf einen grünen Zweig kommen.

Stilgerecht im aus Weißtanne erbauten Freiburger WaldHaus hat sich der Verein „Forum Weißtanne e. V.“, ein Zusammenschluss von Waldbesitzern, Holz- und Forstfachleuten zur Förderung der Tannenholzverwendung, in zwei Workshops zu einer Erweiterung der Strategie entschlossen. „Schützen durch Nutzen“ lautete bisher die Devise des Forums. Soll heißen: Wer die Weißtanne fördern will, muss zuerst das Image von Tannenholz aufbessern und dafür sorgen, dass das Holzangebot in den Sägewerken und der Holzpreis für den Waldbesitzer wieder stimmen. Nur so lasse sich wirtschaftliches Interesse an der Baumart wecken, nur so könne dem ökologisch so unersetzlichen „Schwarzwälder Charakterbaum“ wieder auf die Beine geholfen werden, so die bisher vorherrschende Forumsmeinung. Durch verbessertes Marketing und durch Aufklärung über die besonderen Vorzüge von Weißtannenholz lasse sich daraus für den Schwarzwald sogar ein neues Premiumprodukt entwickeln.
Auf dem Weg dahin hat das Forum Weißtanne durchaus Erfolge vorzuweisen. Weißtannenholz ist wieder gefragt unter den Häuslebauern und Holzhäuser haben Konjunktur; ihr Anteil unter den Einfamilienhäusern hat hierzulande die 20%-Marke überschritten.
Zugleich verdichten sich jedoch die Hinweise, dass der Anteil der Weißtanne am Baumartenspektrum Baden-Württembergs seit der letzten großen (Bundes-)Waldinventur im Jahr 2003 auf bescheidenem Niveau, bei 7, 8 % der Baumartenfläche des Landes, stagniert, obwohl die mittel- bis langfristigen Waldbauziele im öffentlichen Wald schon lange eine deutliche Anhebung des Tannenanteils für die Bergwälder vorsehen. Nicht zuletzt im Zeichen des Klimawandels, darin sind sich die Experten einig, kommt der tiefwurzelnden und klimatoleranten Weißtanne nochmals eine gesteigerte Bedeutung zu. Denn schon jetzt zeichnen sich in den Forststatistiken weitere Ausfälle bei der flachwurzelnden und sturmanfälligen Fichte ab, die bisher als „Brotbaum“ der Waldbesitzer galt, aber besonders stark unter den bereits heute wirksamen Folgen des Klimawandels leidet.
Für das Forum Weißtanne Anlass genug, sich verstärkt um den Tannennachwuchs und um widerstandsfähige Mischwaldstrukturen unter Beteiligung der Tanne zu kümmern. Zwar wird das Marketing und die Produktwerbung auch künftig eine zentrale Rolle spielen. Zugleich soll jedoch das Augenmerk verstärkt auch auf den Waldbau, die Besonderheiten und die mancherorts herrschenden Defizite der Tannenwirtschaft gerichtet werden. Da junge Weißtannen durch Wildverbiss stark gefährdet sind, wird sich das Forum auch mit der Frage konfrontiert sehen, ob und wie es gelingen kann, ökologisch angepasste Wildbestände herbei zu führen.
Nur im Zusammenwirken von Waldbau und Marketing, darin sind sich die Experten einig, wird die Weißtanne wieder auf einen grünen Zweig kommen.
Die strategische Ausrichtung des Forums wird sich, so unterm Strich das Ergebnis der beiden Freiburger Workshops, verbreitern müssen. Diese Arbeit soll deshalb zukünftig in drei eigenständigen Arbeitsgruppen mit viel Praxisbezug offensiv abgegangen werden. Darüber hinaus wird man sich auch um eine noch engere Vernetzung mit Organisationen und Aktivitäten zugunsten der Weißtanne in benachbarten Verbreitungsgebieten bemühen, in den Vogesen, im schweizerischen Jura, im Bregenzer Wald sowie im Allgäu.
Meinrad Joos

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