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Forstwirtschaft ist wieder ein Zukunftsthema

Forstwirtschaft ist wieder ein Zukunftsthema

Im Mittelpunkt der zweitägigen Erörterungen die Vertreter der „forstlichen Hochschulen“ Deutschlands an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg  (HFR) am 4. und 5. November standen die Anstrengungen der fünf Hochschulen, Fachbereiche und Fakultäten,
  • der deutlich zunehmenden Nachfrage nach ihren Studienplätzen gerecht zu werden,
  • dabei ihre anerkannt hohe Ausbildungsqualität zu wahren,
  • den sich stetig verändernden Anforderungen eines immer vielfältigeren und derzeit erfreulich wachsenden Arbeitsmarktes zu entsprechen
  • und gleichzeitig neue, sich abzeichnenden Zukunftsentwicklungen nicht aus den Augen zu verlieren.
Nicht zuletzt durch die „doppelten Abiturjahrgänge“ in Folge der Reduktion der gymnasialen Schulbildung von neun auf acht Jahre (G 8) in fast allen Bundesländern und durch den Wegfall der Wehrpflicht müssen sich die fünf Hochschuleinrichtungen auf zum Teil deutlich mehr Studierende einstellen. In Rottenburg und Göttingen verdoppelten sich die Bewerberzahlen in der Forstwirtschaft gegenüber dem Vorjahr nahezu. In Weihenstephan hat man die Zahl der Studienanfängerplätze bereits im Vorjahr um 20% gesteigert und 2011 um weitere 25 Studienanfängerplätze, um den in Bayern bereits in diesem Jahr ankommenden doppelten Abiturjahrgang ein umfangreicheres Angebot machen zu können.
Die zuständigen Landesregierungen und Wissenschaftsministerien in Baden-Württemberg (HFR), Bayern (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf), Thüringen (Hochschule Erfurth), Niedersachsen (HS Göttingen) und Brandenburg (HS Eberswalde) begegnen dieser Herausforderung in durchaus unterschiedlicher Weise, was sich jeweils unmittelbar auf die Möglichkeiten der einzelnen Hochschulen und Fachbereich auswirkt. Insgesamt fühlen sich die fünf Hochschulen jedoch gut gerüstet. Dazu trägt auch bei, dass sich die meisten von ihnen in den vergangenen Jahren über die „reine Forstwirtschaft“ hinaus in verwandte Bereiche hinein entwickelt haben und flankierende Studiengänge anbieten können (Bioenergie, Arboristik, Holztechnik, Wassermanagement, etc.). Diese tragen nun dazu bei, die deutlich zunehmende Nachfrage in der Forstwirtschaft etwas „abzupuffern“ und innerhalb der fünf Hochschulen umzulenken. Sie bieten den vielen Interessierten ähnliche, ebenfalls attraktive und ebenso zukunftsorientierte Angebote wie die Studiengänge der Forstwirtschaft. Ganz offensichtlich liegen derzeit solche i.w.S. „grüne Studiengänge“ genau im Trend der jungen Leute.
Die ambitionierten Klimaschutzziele der Politik, der gesellschaftliche Wertewandel, die ausgezeichneten Berufschancen in diesen Bereichen und der gute Ruf der fünf Fachhochschulen führten dazu, dass dort zum Teil deutliche Überlasten „gefahren“ werden. Durch den hohen Zuspruch und die hohe Bereitschaft der Fachhochschulen (bzw. Hochschulen für Angewandte Wissenschaft) sank die Betreuungsintensität in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich, ohne dass jedoch das Professoren-Studierendenverhältnis in die Nähe der Zustände käme, die sich an vielen Universitäten abzeichnen und vereinzelt schon Realität geworden sind. Die Fachhochschulen zeigen sich gerüstet. Sie haben frühzeitig vom Diplom auf die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse umgestellt und die politischen Ausbauvorgaben für die zunehmende Zahl der Abiturienten angenommen und frühzeitig umgesetzt.
Während insbesondere in Baden-Württemberg und Bayern die hochschul- und finanzpolitische Unterstützung für die Hochschulen zu einigen Ergänzungen in der Ressourcenausstattung führte und die Mehrbelastungen zum Teil kompensieren können, stehen die drei forstlichen Hochschulen im Norden des Landes noch deutlicher unter dem Eindruck gleichzeitiger finanzpolitischer Einschränkungen ihrer Bundesländer.
Erfreuliche Entwicklung des Arbeitsmarktes
Für alle gleich oder vergleichbar ist jedoch die erfreuliche Entwicklung des Arbeitsmarktes im klassischen Forstbereich: Nach Jahren der personalpolitischen Zurückhaltung und sogar „Einstellungs-Nullrunden“ der Bundesländer suchen die öffentlichen Arbeitgeber inzwischen wieder gut ausgebildetes forstakademisches Personal. Die Fachhochschulen sind dafür ihre erste Anlaufstelle. Der „forstliche Arbeitsmarkt i.w.S.“ zeigt sich so erfreulich und aktiv, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Nimmt man die Altersstruktur der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den öffentlichen Waldbesitzern als Indikator, dann ist der erfreuliche Aufschwung der Arbeitsplatzangebote im forstlichen Kernbereich erst der Anfang einer mittelfristig anhaltenden Entwicklung. Aufgrund der regen Reformtätigkeit gerade dieser Arbeitgeber, sehen die Fachhochschulen sehr gute Perspektiven vor allem für ihr Klientel und auch die konsequente Umsetzung einer Laufbahndurchlässigkeit und Chancengleichheit für die Absolventinnen und Absolventen unterschiedlicher Hochschularten ist nur noch eine Frage der Zeit.
Die in Rottenburg tagenden Kolleginnen und Kollegen haben sich deshalb auch mit der Frage auseinandergesetzt, wie der hohe Praxisbezug der forstlichen Studiengänge an Fachhochschulen als deren spezielles Qualitätsmerkmal gesichert und weiter gestärkt werden kann. Integrierte Praktika, Praxissemester, Projekt- und  Bachelorarbeiten, fakultative Ergänzungsangebote, Lehrfahrten und Exkursionen sowie die aktive Integration von Lehrbeauftragten aus der beruflichen Praxis in die Hochschulausbildung sind dafür Schlüsselthemen. Diese erfordern die aktive Mitarbeit und Unterstützung der potenziellen Arbeitgeber, um deren ureigenstes Interesse es angesichts der relativ alten Personalstämme wieder und immer mehr gehen wird.
Die Konferenz der Dekane forstlicher Hochschulen und Fachbereiche an Fachhochschulen in Deutschland sichert ihren Studierenden ebenso wie den Arbeitgebern ausdrücklich zu, auch weiterhin fundierte, hochwertige und an den Erfordernissen der Praxis orientierte Studiengänge anzubieten. Diese werden in den nächsten Jahren in der Forstwirtschaft Deutschlands dringend gebraucht. „Die sehr erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt motiviert uns zusätzlich, den hochschul- und finanzpolitischen Herausforderungen konstruktiv und erfolgreich zu begegnen“, betonte Gastgeber Rektor Bastian Kaiser in Rottenburg, „wir stehen dazu in einem sehr guten und direkten Kontakt mit den Forstverwaltungen und Fortbetrieben, um möglichst frühzeitig deren Anforderungen erkennen und in den Studiengängen umsetzen zu können.“
HFR

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