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Forstwirtschaft minimiert Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Forstwirtschaft minimiert Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Mitte der 1990er Jahre setzten Förster im Thüringer Staatswald Pflanzenschutzmittel gegen Rüsselkäfer, Mäuse oder Raupen auf bis zu 5.000 ha ein. Seit dieser Zeit sinkt der Einsatz chemischer Mittel im Wald stetig. 2014 hat ThüringenForst, mit 200.000 ha größter Waldbesitzer im Freistaat, weniger als 1 % seiner Waldfläche chemisch behandelt.
Damit kommt die Landesforstanstalt ihrem Ziel einer Forstwirtschaft mit minimiertem Pflanzenschutzmittel-Einsatz sehr nahe.
Ursachen dieser positiven Entwicklung sind, neben derzeit ausbleibenden Massenvermehrungen von forstlichen Schädlingen, ein modernes Waldschutzmeldewesen, ausgereifte biotechnische Ersatzverfahren, die waldbauliche Förderung von Mischbeständen und hochqualifiziertes Forstpersonal.
Integrierter Waldschutz als erfolgreiche Strategie
„Mit unserer Strategie des integrierten Waldschutzes haben waldbauliche, biologische und technische Bekämpfungsmaßnahmen absoluten Vorrang vor dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Flächiges Monitoring und stetige Schädlingsüberwachung sind dabei die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen. Denn auf sanfte Weise gegensteuern kann man nur, was frühzeitig als Waldschutzproblem erkannt wurde.
Mit der bundesweit neuen Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung vom Juli 2013 ergaben sich auch erweiterte Pflichten für ThüringenForst, insbesondere in der laufenden Schulung aller Anwender auf Forstamtsebene. Ebenso unterliegt ThüringenForst einer restriktiven Dokumentation der Pflanzenschutzmitteleinsätze gemäß Pflanzenschutzgesetz.
Neue Schaderreger befürchtet
Gleichzeitig warnen die Forstschutzexperten bei ThüringenForst, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel und die Globalisierung des Warenhandels das Auftreten und das Krankheitsausmaß neuer Schaderreger erheblich verstärken werden. Dadurch sind immer komplexere Ursachen-Wirkungs-Mechanismen zu erwarten. Das Eschentriebsterben, der Asiatische Laubholzbockkäfer oder das aus Indien stammende Kastanienbakterium Pseudomonas sind nur erste Vorboten.
Diesen Herausforderungen kann nur mit Spezialwissen und permanenter Fortbildung der Forstbeschäftigten entgegen getreten werden.
Und nicht zuletzt gilt: Der jährliche Witterungsverlauf beeinflusst maßgeblich die Entwicklung nahezu aller forstlich relevanten Schadorganismen im Wald. Ein Trockenjahr wie etwa 2003 kann innerhalb weniger Monate den umfangreichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erforderlich machen. Zum Schutz der Wälder, aber auch zum Schutz der Menschen, können dann auch Luftfahrzeuge zum Einsatz kommen, wie z. B. bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in den vergangenen Jahren in benachbarten Bundesländern.
ThüringenForst

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