Forstpolitik

Forstwirtschaft im Krisenmodus

Bearbeitet von Rainer Soppa

„Die extremen Wetter der letzten Jahre als Folge des Klimawandels stellen eine Zäsur in der Waldentwicklung dar“, stellte Christian Keimer, Vorsitzender des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz e. V. in Boppard im Rahmen der Mitgliederversammlung am 27. September fest.

In Rheinland-Pfalz wurden in dem Zeitraum von 2018 bis heute auf einer Fläche von rund 30.000 ha 13 Mio. Fm Holz infolge von Dürre und anschließendem Käferbefall genutzt. Das sind für die betroffenen Forstbetriebe enorme Vorratsverluste und Schäden, die die wirtschaftlichen Ergebnisse in den nächsten Jahrzehnten belasten. Da der Holzpreis bis Ende 2020 extrem niedrig war, kommen noch Liquiditätsprobleme hinzu.

Die Gelder für die Wiederbewaldung und Pflege der Wälder fehlen und es geht um erhebliche Investitionen, so Bürgermeister Keimer. Zwar sind die Zuschüsse für die Wiederbewaldung hilfreich, der Schaden wird damit aber nicht ausgeglichen. Auch gibt es bei den Waldbesitzern große Unsicherheiten, welche Baumarten bei sich verschärfendem Klimawandel angepflanzt bzw. verjüngt werden sollen. Es bleiben trotz der Empfehlungen von Wissenschaft und Forschung viele Fragen offen.

Ziel der Waldwirtschaft sind klimastabile Wälder, die auch künftigen Generationen gleiche Chancen und gute Nutzungsoptionen bieten. Das ist der Grundsatz des Generationenvertrages, dem sich die Waldbesitzer verpflichtet fühlen, so Keimer. Das ist mehr als nur ein Walderhalt, ein Biotop oder eine unbewirtschaftete Wildnisfläche.

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch alle Referate der Mitgliederversammlung zog, war die Honorierung der CO2-Speicherleistung der Wälder. Seit Januar diesen Jahres hat der Verbrauch fossiler Energien und der damit einhergehende Ausstoß von CO2 einen Preis. Aktuell beträgt er 25 €/t und er soll bis 2025 auf 55 €/t steigen. Da der Ausstoß von CO2 einen Preis hat, ist es nur konsequent, wenn die Aufnahme, die CO2-Senkenwirkung des Waldes honoriert wird, so Keimer. 1 ha nachhaltig bewirtschafteter gesunder und intakter Wald bindet durch das Wachstum rund 8 t klimaschädliches CO2 pro Jahr. Die aus dem Holz gewonnenen Produkte, wie beispielsweise Bretter, Bohlen und Balken speichern langfristig CO2 und entlasten somit die Atmosphäre. Hinzu kommt, dass wer Holz vor allem im Bausektor ein- setzt, energieintensive andere Baustoffe, wie Stahl, Aluminium und Beton vermeidet.

Die Waldbesitzer erwarten von einer neuen Bundesregierung die Anerkennung und Honorierung dieser Speicherleistung, der Wälder und der Holzprodukte. Das ist keine Förderung, sondern ein Entgelt für die Leistung der Forstwirtschaft.

Abschließend stellte Keimer fest: „Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume. Er liefert Holz, bindet das CO2 dauerhaft, speichert Wasser und hält es zurück. Der Wald ist Le- bensraum für Pflanzen und Tiere und für den Menschen Freizeit- und Erholungsraum. Der Wald ist Leittragender des Klimawandels. Er ist aber auch die Lösung. Zur Lösung wollen die Waldbesitzer beitragen und zukunftsfähige klimastabile Wälder aufbauen. Sie erwarten für diese Leistung eine angemessene Honorierung durch die Gesellschaft.“

Staatssekretär Dr. Erwin Manz, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität und Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Forstökonomie und Forsteinrichtung der TU Dresden referierten zum Thema: Forstwirtschaft im Krisenmodus – Maßnahmen und Perspektiven.

Quelle: WBV RP