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Forstwirtschaft im Dialog mit der Politik

Forstwirtschaft im Dialog mit der Politik

Mit Sorge beobachten die Vertreter der Forstwirtschaft ein sinkendes Verständnis der Öffentlichkeit für den Wald und dessen Bewirtschaftung. „Wenn der Wald aus dem Blickfeld der Politik gerät, dann sägt das Land Baden-Württemberg am eigenen Ast,“ erläuterte Roland Burger, Präsident der Forstkammer am 15. Juli im Rahmen einer „politischen Waldfahrt“ anlässlich des Internationalen Jahrs der Wälder. Zu der Fahrt von Karlsruhe bis Baiersbronn in einem Sonderzug, einer innen und außen forstlich dekorierten Stadtbahn, konnten die Verbände AG Wald und Forstkammer Vertreter der Waldbesitzer, Förster und Waldarbeiter sowie zahlreiche Abgeordnete des Landtags an Bord begrüßen. „Alle sprechen von Ökologisierung der Wirtschaft und Energiewende. Dabei haben wir das Idealmodell vor der Haustür: Der Wald ist alles in einem. Doch wenn die Waldbesitzer nicht unterstützt werden, vergrämt sich die Politik einen wichtigen Partner“, so Burger weiter.

Das Internationale Jahr der Wälder mache zudem deutlich, wie kulturell eng verflochten wir mit dem Wald seien, fügte Ulrich Kienzler von der AG Wald hinzu. „Der Wald muss so viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Eigentlich müssten dafür reihenweise TOP-Manager eingestellt werden, um diese Interessen auszugleichen. Unsere Förster fordern aber keine Manager-Gehälter. Sie wollen ihre Arbeit machen und nicht ständig weiter wegrationalisiert werden. Die AG Wald fordert deshalb die Einstellung des personellen Kahlschlags, sonst droht der geregelten Waldwirtschaft das Aus!“

Für den Klimawandel müssen alle Waldbesitzer den Wald in einer gewaltigen Anstrengung an die neuen Wuchsbedingungen anpassen. Zur Steigerung der natürlichen Vielfalt (Nationale Biodiversitätsstrategie) sollen Waldflächen besondere Managementmaßnahmen erfahren. Gleichzeitig wächst aber der Holzbedarf der Bevölkerung für Brenn- und Bauholz immer weiter. Bis zum Jahr 2030 droht ein gigantischer Holzmangel.
Thema Nationalpark
Bei der Fahrt durch das Murgtal war auch die von der Landesregierung angestrebte Ausweisung eines Nationalparks ein Thema. Die Vertreter von Forstkammer und AG Wald warnen vor einer Politisierung des Themas. Der Wald muß vielfältigen Aufgaben gleichzeitig gerecht werden. Es gilt die unterschiedlichen Zielsetzungen der Bevölkerung, der Wirtschaft, des Naturschutzes in der Region und die der Landesregierung miteinander und gegeneinander abzuwägen und dann zu entscheiden, welche Entwicklung der Nordschwarzwald künftig nehmen soll“, so Dietmar Hellmann von der AG Wald. Großflächiger Totalschutz  auf der einen und die Nutzung des umweltfreundlichen und klimaneutralen Rohstoffes Holz auf der anderen Seite müssen aufeinander abgestimmt werden. Auch stellt sich die Frage, wie stark menschliche Pflegeeingriffe zur Erreichung von Naturschutzzielen notwendig sind. So benötigt das Auerwild im Schwarzwald zum Beispiel immer die Unterstützung durch den Menschen. „Die AG Wald plädiere deswegen dafür, in einem Dialog mit allen Beteiligten zu treten, um die geeigneten Instrumente auszuwählen und dann gemeinsam umzusetzen“, so Hellmann weiter.

Die Forstkammer wies darauf hin, dass ein Nationalpark für die örtlichen Sägewerke eine Reduzierung des wichtigen Rohstoffes Holz bedeute. „Er zerstört damit ein eingespieltes Netzwerk im Ländlichen Raum“, mahnte Burger.

Beide Verbände erhoffen sich von der neuen Landesregierung eine Sensibilität dafür, dass Wald keine freie Verfügungsmasse ist, sondern dass sein ökonomischer und ökologischer Wert in der Politik den Wiederhall findet, den Wald verdient: Als nachhaltige Lebensgrundlage für Menschen und Natur.

AG Wald Baden-Württemberg, Forstkammer Baden-Württemberg

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