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Forstverwaltungen Bayerns und Baden-Württembergs bündeln ihre Forschungsaktivitäten

Forstverwaltungen Bayerns und Baden-Württembergs bündeln ihre Forschungsaktivitäten

Mit der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages verstärken das Bayerische Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) in Teisendorf und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg ihre Zusammenarbeit im Bereich der Forstpflanzenzüchtung, Waldgenetik und Erhaltung forstlicher Genressourcen. Am 16. Mai unterzeichneten Max Reger, Landesforstpräsident von Baden-Württemberg und der Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, Ministerialdirigent Georg Windisch diese Vereinbarung. Damit beschreiten beide Länder in der angewandten forstlichen Forschung neue Wege. Sie können dabei auf der langjährigen und erfolgreichen Kooperation zwischen ASP und FVA aufbauen. Beide Einrichtungen sehen diese Kooperation als einen mutigen und notwendigen Schritt und auch als große Chance gerade in Zeiten knapper werdender Ressourcen.
 
Bei erwarteter Klimaänderung, stark steigender Holznachfrage und den Zielen zur Erhaltung der Biodiversität im Wald gewinnen genetische und züchterische Aspekte in der naturnahen Waldbewirtschaftung an Bedeutung: Herkunftswahl und Herkunftssicherheit werden zu zentralen Themen. Bayern und Baden-Württemberg haben als Bundesländer mit hohem Waldanteil ein besonderes Interesse, hier eng zusammen zu arbeiten und gemeinsame, für Süddeutschland gültige Strategien bezüglich Baumarten- und Herkunftswahl sowie zur Herkunftssicherung und Generhaltung zu entwickeln. Gemeinsame länderübergreifende Auswertungen bestehender Versuche, Publikationen und Fortbildungen führen zu einer Reduktion des Aufwands für beide Anstalten. Projekte, Provenienzversuche und Nachkommenschaftsprüfungen werden zukünftig auf einer deutlich breiteren Daten- und Methodenbasis über die Grenzen der beiden beteiligten Bundesländer hinaus durch ein Team von spezialisierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Gärtnerinnen und Gärtnern bearbeitet.
 
Diesen stehen am ASP ein leistungsfähiges, gut ausgestattetes genetisches Labor und an der FVA ein Gewächshaus und Versuchsgärten zur Verfügung. Auch im Bereich der Samenplantagen sollen Synergieeffekte genutzt werden durch die Auswahl von Klonen, die sich an Herkunftsgebietsgrenzen und nicht an Ländergrenzen orientieren, und durch die Vermeidung von Doppelarbeit bei der Anlage in beiden Bundesländern.

Das ASP übernimmt mit der Vertragsunterzeichnung die Fachaufsicht über den Bereich Forstpflanzenzüchtung der FVA; Arbeiten im Pflanzgarten werden für beide Institutionen arbeitsteilig in Teisendorf und Freiburg durchgeführt. Die Waldgenetik wird in den Laboren des ASP abgewickelt. Dazu gehören auch die genetischen Überprüfungen bei Kontrollfällen sowie die Saatgutprüfung. Eng zusammengearbeitet werden soll auch im Bereich der Generhaltung und bei Fragen zur Kontrolle des forstlichen Vermehrungsgutes. Die Kontrollbeamten beider Länder stehen in engem Kontakt zueinander und stimmen sich bei ihren Tätigkeiten ab. Schulungen und Informationsveranstaltungen werden zukünftig gemeinsam abgewickelt. Das an den mittelfristigen Vorgaben der Forstverwaltungen orientierte Arbeitsprogramm wird jährlich abgestimmt, auch Drittmittelprojekte sollen möglichst gemeinsam beantragt und länderübergreifend bearbeitet werden.

Für die Jahre 2013 und 2014 wurde von ASP und FVA bereits ein gemeinsames Arbeitsprogramm erstellt. Erste Aktivitäten sind angelaufen. Dazu gehören die genetische Überprüfung von Douglasienerntebeständen aus Baden-Württemberg am ASP, die gemeinsame Auswertung von Weißtannenherkunftsversuchen beider Länder, Pfropfungen für einen gemeinsamen Eschenresistenzversuch und eine Bergahorn-Samenplantage im Pflanzgarten der FVA.

Der baden-württembergische Landesforstpräsident Max Reger freut sich auf eine harmonische Ehe zwischen zwei großen Flächen- und Waldländern mit langer Tradition in einer ertragreichen und naturnahen Waldbewirtschaftung und hofft auf einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit. Georg Windisch, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, sieht diese Zusammenarbeit in einem zunehmend wichtiger werdenden Zukunftsfeld der Forstwirtschaft sehr positiv und ist sich sicher, dass ein Miteinander auf Augenhöhe zu Erfolgen führen wird, die weithin sichtbare Zeichen setzen werden.

MLR

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