Das aktuelle Heft. Forst&Technik.

Die März-Ausgabe der Forst & Technik hat folgende Themen:

  • Forstpolitik: Forstwirtschaft in FFH-Gebieten
  • Testbericht: Kleine Fällkeile als ständige Begleiter
  • Holzlogistik: Die Timberports der DB Cargo

Breites Spektrum

Manchmal erinnnert man sich an Dinge, die eigentlich gar nicht wichtig waren. Ich zum Beispiel denke manchmal daran, wie ich mal mit einem Bekannten zusammensaß. Ich war damals vielleicht 17 oder 18, der Bekannte aber war älter, und ich habe ihn wohl immer ein wenig bewundert. Wir saßen da und hörten Musik, und er redete über Politik. „Es wird immer behauptet, dass unsere Parteien ein ganz breites politisches Spektrum abdecken“, sagte er in meiner Erinnerung. Er hielt die senkrecht gestellten Handflächen dabei weit auseinander. „Aber in Wirklichkeit ist das Spektrum nur so schmal.“ Dabei rückten die Handflächen nah zusammen.

Ich hielt das damals wahrscheinlich für eine tiefschürfende Wahrheit. Heute weiß ich, dass sein Spruch gar nicht stimmt. In Wirklichkeit steckt ein riesiges Spektrum schon in jedem Einzelnen von uns. Man denke nur an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der vor gar nicht langer Zeit praktisch über Nacht viele Positionen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ übernommen hat.

Man findet solche Phänomene aber genauso bei den Parteien. Natürlich kann die politische Meinungsbildung nicht überall gleich verlaufen, weil die Rahmenbedingungen sich unterscheiden und jede Partei ihre widerstrebenden Flügel hat. Trotzdem sind manche Entwicklungen erstaunlich. Ein Beispiel ist die Anlage von Windkrafträdern im Wald. Dazu haben in den letzten Monaten zwei Landtage entschieden. In Thüringen stimmte die rot-rot-grüne Minderheitskoalition zusammen mit der Opposition aus CDU und FDP dafür, keine Windkraftanlagen im Wald zu bauen. Im Januar ging es in Brandenburg um das gleiche Thema. Dort haben die gleichen Parteien den gleichlautenden Antrag der Freien Wähler mit großer Bestimmtheit abgelehnt. Wie kann das sein? Ich weiß es nicht – zumal in Thüringen gerade mal eine Hand voll Windkraftanlagen im Wald steht, in Brandenburg aber schon 320 Stück.

Auch die Grünen haben für eine Partei, deren Mitglieder manchmal Ökofundamentalisten geschimpft werden, eine erstaunliche Bandbreite. In Hessen rodet der grüne Verkehrsminister einen ökologisch wertvollen Wald, während die Basis dagegen protestiert. In Berlin und Brandenburg schleifen die Grünen sogar eherne Positionen aus ihrer Gründungszeit. Sie haben zum Beispiel kein Problem damit, Kiefernwald für Industriegebiete oder die Errichtung von Windrädern zu roden. Es sind ja nur minderwertige Monokulturen aus DDR-Zeiten. Ich habe extra noch mal nachgeschaut: Auf den Fotos zu den Protesten in den 1980er Jahren um die Startbahn West oder um die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf sieht man ziemlich viele Kiefern.

Dieses Jahr stehen fünf Landtagswahlen und eine Bundestagswahl an. Es ist wohl empfehlenswert, sich die Wahlprogramme der Parteien genau anzusehen.