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Das aktuelle Heft. Forst&Technik.

Die April-Ausgabe der Forst & Technik hat folgende Themen:

  • Borkenkäfer: Die meisten Käfer haben überlebt
  • Harvesterkonzept: Baggeraufbau mit Radfahrwerk
  • Raupenharvester: Arbeitsmangel in der Stehendentnahme

Pestizid-Dusche

Schon wieder Windwurf! Rund 2 Mio. Fm haben die Stürme im März deutschlandweit gerissen. Man weiß gar nicht mehr, wo man sich all die Zahlen notie­ren soll. Und ganz ehrlich, es ist nicht leicht, die Schadensmeldungen, die seit über einem Jahr auf uns herabprasseln, noch zu durchblicken. Anfangs geben Waldbesitzer und Ministerien Schätzungen heraus, die rein zahlenmäßig gar nicht so erschrecken, weil sie in der Regel in den Hiebsatz passen. Dann werden die Zahlen nach und nach oben korrigiert – bis Dürre und Käfer sie überlagern. Danach beginnt das Rätseln: In welchem Bundesland ist jetzt wie viel Holz angefallen? Ist das Käferholz in den Schadholzsummen mit drin, oder nicht? Da und dort haben die Experten noch die Herbststürme 2017 addiert, um die dramatische Lage der Forstwirtschaft zu verdeutlichen. Und manchmal ist nicht klar, ob es sich um Zahlen für den Gesamtwald handelt, oder nur für den Staatswald. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat für ganz Deutschland kürzlich über 30 Mio. Fm Schadholz für 2018 genannt, aus Baden-Württemberg hört man 27 Mio. Fm. Ich wünschte mir, dass eine zentrale Institution diese Statistik in die Hand nähme.

Aber geschenkt, fest steht trotzdem: die Folgen der Stürme sind immens. Das Ministerium in Baden-Württemberg rechnet zum Beispiel für dieses Jahr mit weiteren 100 Mio. € käferbedingten Schäden. Sturm Eberhard hat dort im März 500 000 Fm hinterlassen. Aber darin sieht Minister Peter Hauk gar nicht mehr das Hauptproblem. Das seien vielmehr die übervollen Säge­werke und die fehlenden Frachtkapazitäten, weil beides die Käfer­bekämpfung sehr erschweren wird. In Thüringen wissen sich die Förster offensichtlich nicht anders zu helfen, als die privaten Brennholzselbstwerber mit günstigen Preisen in den Wald zu locken. Sie sollen das zerstreut angefallene Sturmholz beseitigen. Hat dort eigentlich schon jemand über die damit einhergehende Unfallgefahr nachgedacht?

Die Politik zeigt mittlerweile durchaus Verständnis für die Situation der Waldbesitzer, gewährt ihnen Steuer­erleichterungen und fördert die Beseitigung der Schäden mit zusätzlichen Millio­nen. Selbst die Forderungen nach mehr Personal stoßen nicht mehr auf taube Ohren. Doch kaum läuft die Hilfe an, steht der Forstwirtschaft ein neues Problem ins Haus: die Diskussion um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. In normalen Jahren fast gänzlich aus dem Wald verbannt, gelten sie offiziell auch in der Kalamität nur als Ultima Ratio. Tatsächlich dürfte ihre Verwendung aber massiv gestiegen sein. Der FDP-Politiker Klaus Hoher aus ­Baden-Württemberg hat bereits einen pragmatischeren Umgang mit ihnen gefordert. Ob das dem ohnehin angeschlagenen Ruf der Waldwirtschafter gut tun wird? Der NABU in Baden-Württemberg spricht schon von einer drohenden Pestizid-Dusche im Wald.

Artikel aus der Forst & Technik Redaktion

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