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Das aktuelle Heft. Forst&Technik.

Die März-Ausgabe der Forst & Technik hat folgende Themen:

  • Brennholz: Das Holzspaltcenter von Martin Zolnhofer
  • Schadbuche: Viel Holz ist nicht nutzbar
  • Logset 8H Hybrid: Volldampf mit Hybridantrieb

Flächenreserve

Zwei Waldgebietestehen gerade im Zentrum des Interesses: mal wieder ist es der Hambacher Forst in der Jülich-Zülpicher Börde und erst seit kurzer Zeit der Tesla-Wald in Grünheide südöstlich von Berlin. Während der erste dem Braunkohleabbau weichen sollte, steht der zweite der geplanten Gigafabrik des US-Unternehmens Tesla im Wege. Es gibt viele Naturschützer, die damit ein Problem haben. Im Hambacher Forst verlassen die Waldschützer noch immer nicht ihre Baumhäuser, obwohl die Politiker im Kohlekompromiss versprochen haben, den Wald zu erhalten. Auch im Tesla-Wald haben einige Baumpiratinnen kurzzeitig Bäume geentert, um die Rodung zu verhindern.

Die Wahrheit ist wohl: beide Wälder sind wahrscheinlich nicht zu retten. Dem Hambacher Forst sind die Braunkohlebagger so nahe gekommen, dass der Wald langsam aber sicher zu vertrocknen droht. In Grünheide bei Berlin ist die Rodung bei Erscheinen dieser Forst & Technik längst abgeschlossen.
Soweit die Gemeinsamkeiten. Der große Unterschied zwischen beiden Waldgebieten ist die Frage, ob der Wald schützenswert ist. Beim Hambacher Forst sind die Protest in der Öffentlichkeit auf viel Sympathie gestoßen, weil es sich um einen alten Eichen-Hainbuchenwald handelt, der noch dazu in einer waldarmen Region wächst und von früher über 4.000 ha auf wenige hundert Hektar zusammengeschrumpft ist.

In Grünheide sieht der Fall ganz anders aus. Dort steht eine Kiefernmonokultur, die schon lange als Gewerbefläche ausgewiesen ist. Tesla will zwar über 150 ha roden, hat aber zugesagt, freiwillig die dreifache Fläche mit Mischwald wieder aufzuforsten – wenn auch nicht an einem Stück, sondern verteilt auf zahlreiche Standorte in Brandenburg. Die Gigafabrik wird dazu tausende Arbeitsplätze schaffen, die spätestens dann benötigt werden, wenn wenige Kilometer südlich in der Lausitz der Braunkohleabbau endet. Und ist die Produktion von E-Autos nicht auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz? Selbst Naturschützer und die Grünen sprechen sich daher für die Rodung aus. Sie werfen der Grünen Liga, die vor Gericht einen Rodungsstopp durchgesetzt hat, den Missbrauch des Verbandsklagerechtes vor.
Erstaunlich sind manche Äußerungen aber doch: Die Berliner Umweltsenatorin und Grünen-Politikerin Ramona Popp sagte zum Beispiel, es sei abwegig, eine Kiefernplantage zu einem Wald zu erklären.

Solche Äußerungen hört man in letzter Zeit immer wieder mal. Als ob selbst eine ökologisch minderwertige Monokultur nicht Wald im Sinne des Waldgesetzes wäre und als ob sie mit etwas Zeit nicht zu einem wertvollen Mischwald umwandeln könnte. Wenn sich diese Logik durchsetzen würde, dann hätten wir in Deutschland plötzlich große Flächenreserven für Bau- und Industriegebiete.

Artikel aus der Forst & Technik Redaktion

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