ABO

Das aktuelle Heft. Forst&Technik.

Die aktuelle Ausgabe der Forst & Technik mit folgenden Themen:

  • Testbericht: Akkusägen im Forst
  • Komatsu Forest: Das neue Vario-Heck
  • Impex T30: Stehendentnahme in der Kiefer

Jahr der Stürme

Es gibt einen alten Song der Hamburger Band Palais Schaumburg, in dem der Sänger ausschließlich die Sortennamen von Rosen aneinanderreiht. Es ist ein knarziger, aber melodischer Barjazz, der treffend den Titel „Rosen“ trägt. So etwas könnte man heute auch mit den Namen der Stürme machen, die durch die deutschen Wälder getobt sind. Ob sie aber ein ebenso stimmungsvolles Stück ergäben? Kaum denkbar und selbst wenn: es würde den Forstleuten im Halse stecken bleiben.
Die erste Sturmkastastrophe, die ich mitgemacht habe, waren die kurz aufeinander folgenden Stürme Vivian und Wiebke im Jahr 1990. Weitere Schwergewichte folgten 1999 mit Lothar, 2007 Kyrill und 2015 dann Niklas. Alle haben im Wald bleibende Spuren hinterlassen. Allein die Jahrhundertstürme Kyrill und Lothar vernichteten auf einen Schlag 26,5 Mio. Fm bzw. 34 Mio. Fm Holz.
Man könnte trotzdem sagen, bis dahin war sturmtechnisch alles in Ordnung. Die Förster und Waldbesitzer pflegten und durchforsteten ihre Wälder, und ungefähr alle zehn Jahre war eben ein Tribut an den Wettergott fällig. Aber das scheint nicht mehr zu stimmen, wie ein Blick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt. 2017 wüteten im Oktober Xavier und Herwart, schon im Sommer hinterließen die Sommerstürme Kolle und Paul schwere Schäden in Niederbayern und Sachsen-Anhalt. Im Januar 2018 ging es gleich munter weiter mit Burglind und Friederike. Ich gebe zu, dass ich all die Namen, Schadensmengen und -schwerpunke mittlerweile gehörig durcheinander bringe.
Dass man sich auf die alte Regel „alle zehn Jahre ein schwerer Sturm“ nicht verlassen kann, überrascht angesichts des Klimawandels nicht. Aber das Fatale an der Häufung ist doch, dass man von einer geregelten Forstwirtschaft fast nicht mehr sprechen kann. Bei den Österreichischen Bundesforsten betrug der Schadholzanteil 2017 fast 50 %. Jetzt könnte man einwenden, dass die Schadholzmengen jedes einzelnen Sturms gar nicht so groß waren und in den planmäßigen Einschlägen mitliefen. Den Holzmarkt haben sie auch nicht übermäßig belastet. Aber es bleibt doch ein ungutes Gefühl, wenn das Holz des letzten Sturms noch gar nicht aufgearbeitet ist und schon der nächste Orkan folgt. Je nach Wetterlage führen in den Jahren danach die Borkenkäfer das zerstörerische Werk weiter. Die Forstunternehmer bezweifeln schon lange, dass man angesichts solcher Verhältnisse die Holz­ernte noch sinnvoll öffentlich ausschreiben und in Verträge gießen kann, denn sie lassen sich doch nicht mehr einhalten.
Welche Schäden Friederike hinterlassen hat, war bei Redaktionsschluss noch nicht abzusehen. Klar ist aber schon jetzt, dass die nassen Wald­böden ihre Aufarbeitung erschweren werden. Die sind vielerorts so aufgeweicht, dass die erforderlichen Maschinen gar nicht fahren können.

Artikel aus der Forst & Technik Redaktion

von