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Das aktuelle Heft. Forst&Technik.

Die Juni-Ausgabe der Forst & Technik hat folgende Themen:

  • Cintoc: Neuer Bündler im Anmarsch
  • KWF-Thementage: Fokus Wegebau
  • Sampo-Rosenlew: Der Zwölftonner ist da

Erschreckend

Die Waldbesitzer machen im Moment alles, um dem Borkenkäfer Herr zu werden. Sie schlagen befallene Fichten ein und fahren das Holz so schnell wie möglich ins Sägewerk. Geht das nicht, bringen sie es in Nass- oder Trockenlager. Sie arbeiten mit Fangbäumen und Fangholzhaufen, sie entrinden das Holz mit Schäleisen und Entrindungsmaschinen, lassen die Kronen hacken.

Wie so oft nach Katastrophen werden auch jetzt wieder viele neue Ideen ausprobiert. Forst­unternehmer investieren in Entrindungs­aggregate (S. 12/13). Ein ehemaliger Forstwirt erhitzt befallene Stämme unter Folie mit Wasserdampf, um die Käfer zu töten (S. 20/21). Auch die eigentlich zur Holzkonservierung entwickelten luftdichte Folien­polter werden daraufhin abgeklopft, ob sie einen Beitrag sie zur Käferbekämpfung leisten können (S. 6). Und im Nationalpark Bayerischer Wald wird die Fichtenrinde geschlitzt, um die Entwicklung der Larven zu unterbinden (S. 67).

Die Waldbesitzer machen all das, um ihren Wald zu retten – und obwohl die Holzpreise so stark gefallen sind, dass die Aufarbeitung des Käferholzes womöglich nicht einmal mehr die Kosten deckt. Wer kann es ihnen verdenken, dass sie in dieser Situation auch Pflanzenschutzmittel verwenden. Man darf ihnen zugute halten, dass sie in Normaljahren praktisch ohne Gift auskommen und es bei der Käfer­bekämpfung zum Beispiel mit Trinet-Ständern oder Storanet-Netzen sehr gezielt ausbringen. Im Vergleich zur Landwirtschaft spielt der chemische Pflanzenschutz im Wald ohnehin nur eine verschwindend kleine Rolle.

Trotzdem wird die Ultima Ratio der Forsteute immer kritischer gesehen. Das zeigte sich im Mai in Brandenburg. Dort hatten die Waldschutzexperten des Landes fest­gestellt, dass der Kiefernschädling Nonne sich so stark vermehrt hat, dass deren ­Raupen 8 000 ha Wald kahlfressen könnten. Rund 3 000 ha sind so stark befallen, dass sie möglicherweise absterben. Als die Behörden das mit dem Insektizid Karate Forst flüssig ­verhindern wollten, machten Bürger und Naturschutzverbände dagegen Front. Das Oberverwaltungsgericht hat ihnen zum Entsetzen der betroffenen Privatwald­besitzer am 17. Mai Recht gegeben. Das juristische Tauziehen geht zwar noch weiter, doch sollten die letzten 2 500 ha tatsächlich nicht behandelt werden und absterben, dann wird das die jahrzehntelange Arbeit der Privatwaldbesitzer vernichten.

Das sollten sich die Umweltschützer auch mal durch den Kopf gehen lassen. Es ist erschreckend, wie wenig der Sachverstand der Forstleute heute offenbar zählt.

Artikel aus der Forst & Technik Redaktion

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