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Das aktuelle Heft. Forst&Technik.

Die Juni-Ausgabe der Forst & Technik hat folgende Themen:

  • Welte Fahrzeugbau: Dritte Generation des W130
  • Holztransport: Auf Dollyachse ins Nasslager
  • Holzernte: Ein Highlander mit Rungenkorb

Systemrelevant

War da was? Wir Forstredakteure sind aus dem Homeoffice wieder ins Büro zurückgekehrt. Begleitet vom Krakeelen der Verschwörungstheoretiker normalisiert sich auch sonst vieles: die Städte, Straßen und S-Bahnen füllen sich, die Restaurants und Museen öffnen und die Kinder gehen immerhin teilweise wieder in die Schule. Man darf sogar hoffen, dass auch das forstliche Messejahr ein versöhnliches Ende findet. Die Holzmesse Klagenfurt musste zwar in den Oktober weichen, findet aber immerhin statt. Die Eko-Las in Polen wird – Stand heute – wie geplant Anfang September über die Bühne gehen. Und die finnischen Forsttechnikhersteller hoffen, dass auch die FinnMetko – die wichtigste Forstmesse des diesjährigen Herbstes – nicht ausfällt.

Auch die Diskussionen um die drängenden Probleme der Forstwirtschaft gehen derweil weiter. In Thüringen ärgern sich die Waldbesitzer darüber, dass die Regierung es der Landes­forstanstalt ThüringenForst ermöglichen will, Kredite für Waldkäufe aufzunehmen. Der Grund: Wegen der niedrigen Holzpreise rechnet die Koalition mit Waldverkäufen und will verhindern, dass Spekulanten zuschlagen. In Nordrhein-Westfalen haben die Grünen aus dem gleichen Grund schon vor längerer Zeit vorgeschlagen, einen sraatlichen Waldfonds einzurichten. Für die Waldbesitzer sind das Irrwege. Sie fordern Maßnahmen, die sie in die Lage versetzen, den Wald gar nicht erst verkaufen zu müssen.

Zum Zankapfel entwickelt sich auch die Windkraft. Der Neubau von Windkraft­anlagen hat in letzten Jahren stark nachgelassen. Darum hat die Umweltministerkonferenz kürzlich beschlossen, die Hemmnisse für ihren Ausbau zu beseitigen und die Akzeptanz zu verbessern. Ihr Anteil an den erneuerbaren Energien soll bis 2030 mindestens 65 % betragen, bundesweit planen die Politiker mindestens 2 % der Fläche dafür ein. Vom Wald ist im Protokoll der Konferenz keine Rede. Wir werden uns aber an den Anblick von Windrädern eben dort gewöhnen müssen. Bayern will bekanntlich 100 neue Windkraftanlagen im Wald errichten. In Thüringen und Niedersachsen nehmen die Regierenden gezielt die Schadflächen ins Visier – weil man dort keinen Baum mehr fällen muss. Ob das die Akzeptanz verbessert, kann man sich schon fragen.

Und die Forstunternehmer? An ihnen ist Corona fast spurlos vorbeigegangen. Sie konnten ihre Maschinen auf den Schadholzflächen auslasten und sehen sich mit dieser Aufgabe zu Recht als systemrelevant. Bei den Behörden hat sich das nicht überall herumgesprochen. Ein Unternehmer erzählte uns, dass er auf einen Fahrer verzichten musste, weil der sein kleines Kind betreuen musste. Seine Frau war als Lehrerin auch in der Zeit der Beschränkungen beruflich eingespannt, die Stadt wollte der Familie aber keine Notbetreuung für das Kind gewähren. Als Forstmaschinenfahrer sei er nicht systemrelevant.

Aber diese Zeit ist jetzt ja erst einmal vorbei. Hoffen wir, dass das Virus nicht nur eine Sommerpause einlegt.

Artikel aus der Forst & Technik Redaktion

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