Weltweit arbeiten 33. Mio. Menschen im Forstsektor, davon zwei Drittel in Asien, obwohl dort nur 15 % des Waldes sind. Frauen sind im Forstsektor unterrepräsentiert.
Weltweit arbeiten 33. Mio. Menschen im Forstsektor, davon zwei Drittel in Asien, obwohl dort nur 15 % des Waldes sind. Frauen sind im Forstsektor unterrepräsentiert.
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Forstsektor beschäftigt weltweit 33 Mio. Menschen

06. Dezember 2022
Die Quantifizierung der Beschäftigtenzahl im Forstsektor ist nicht einfach. Nichtsdestotrotz haben sich ILO, FAO und das Thünen-Institut für Forstwirtschaft zusammengeschlossen, um die weltweite Erwerbsbevölkerung in forstbezogenen Aktivitäten zu schätzen und Einblicke in Arbeitsmarkttrends dieses Sektors zu geben.

Wälder und der Forstsektor sind eine wichtige Beschäftigungs-, Lebens- und Einkommensquelle für Millionen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Wälder bedecken derzeit 31 % der globalen Landfläche, obwohl sie nicht gleichmäßig über den Globus verteilt sind. Mehr als die Hälfte der Wälder der Welt findet man in nur fünf Ländern (Russische Föderation, Brasilien, Kanada, Vereinigte Staaten und China) und zwei Drittel (66 %) der Wälder befinden sich in zehn Ländern.

Zwei Drittel arbeiten in Asien

Diese 10 Länder beschäftigten zwischen 2017 und 2019 einen geschätzten Jahresdurchschnitt von 18,6 Mio. Arbeitnehmern in forstbezogenen Tätigkeiten. Weltweit beschäftigte der Forstsektor schätzungsweise 33 Mio. Menschen, umgerechnet 1 % der weltweiten Beschäftigung. Obwohl Asien nur 15 % der weltweiten Waldflächen ausmacht, waren fast zwei Drittel der weltweiten Forstarbeiter in dieser Region tätig.

Der Forstsektor umfasst landwirtschaftliche Tätigkeiten, vor allem Forstwirtschaft und Holzeinschlag, aber die meisten Tätigkeiten liegen im verarbeitenden Gewerbe. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten des Sektors (58 %) entfallen auf die Herstellung von Holz und Holzprodukten, weitere 18 % auf die Zellstoff- und Papierherstellung.

Sinkende Beschäftigung

Die aktuelle globale Beschäftigungszahl stellt einen Gesamtrückgang von 15 % im Vergleich zu den 39,5 Mio. Personen dar, die zwischen 2011 und 2013 in forstbezogenen Aktivitäten beschäftigt waren. Diese Veränderung ist am deutlichsten in Amerika und Asien.

Unterdessen nahm die Zahl der Waldarbeiter in Afrika zu und blieb in Europa und Ozeanien im Wesentlichen unverändert. Der Gesamtrückgang lässt sich teilweise durch die zunehmende Mechanisierung und die daraus resultierenden Steigerungen der Arbeitsproduktivität erklären.

Eine männerdominierte Branche

Frauen sind im Forstsektor deutlich unterrepräsentiert. Laut Schätzungen aufgrund von Daten aus 69 Ländern machten sie zwischen 2017 und 2019 weniger als ein Viertel der Gesamtbeschäftigung in forstbezogenen Tätigkeiten aus. Diese Zahl lässt sich teilweise durch die Art der Arbeit im Forstsektor erklären. Aufgaben in der Holz- und Holzindustrie erfordern typischerweise intensive körperliche Tätigkeiten, was es für Frauen schwerer machen kann, in diesem Sektor zu arbeiten.

Vielmehr übernehmen Arbeiterinnen tendenziell weniger körperliche Aufgaben, wie z. B. forstwirtschaftliche Pflegearbeiten und Verwaltungstätigkeiten. Frauen beschäftigen sich darüber hinaus mit dem Sammeln von Nicht-Holz-Waldprodukten oder der Produktion von Holzkohle, was oft als Hausarbeit oder Tätigkeiten zum Lebensunterhalt angesehen und daher nicht als Beschäftigung in den Statistiken erfasst wird.

Hohe Raten an Informalität

Informelle Beschäftigung macht einen erheblichen Teil der forstbezogenen Tätigkeiten aus, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen. Schätzungen auf der Grundlage von Daten aus 56 Ländern zeigen, dass 77 % der forstbezogenen Beschäftigung zwischen 2017 und 2019 informell waren.

In Afrika und Asien übersteigt diese Schätzung 80 % der gesamten forstbezogenen Beschäftigung und liegt 10 Prozentpunkte über der informellen Beschäftigungsquote in allen Wirtschaftszweigen.

Herausforderungen bei der Datenerhebung

Die Arbeit im Forstsektor ist durch ein hohes Maß an Informalität und Saisonabhängigkeit gekennzeichnet und wird häufig als Neben- oder Tertiärtätigkeit angegeben. Dies macht es schwieriger, die Zahl der forstbezogenen Arbeitskräfte vollständig zu erfassen. Hinzu kommen andere methodischen Herausforderungen, bezüglich Datenverfügbarkeit, Maßeinheiten oder der Länderabdeckung.

Daher ist eine Verbesserung der Verfügbarkeit zuverlässiger und vergleichbarer forstbezogener Beschäftigungsstatistiken auf nationaler und globaler Ebene notwendig, um mehr evidenzbasierte Politikberatung und Reaktionsstrategien zu ermöglichen. Dies ist eine Schlüsseldimension für eine nachhaltige und widerstandsfähige Zukunft im Forstsektor. Die ILO und die FAO haben sich zusammengeschlossen, um diese Bemühungen zur Verbesserung der forstbezogenen Beschäftigungsdaten voranzutreiben.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich auf die Initiative Collaborative Partnership on Forest (CPF), um einen harmonisierten methodischen Ansatz für den beschäftigungsbezogenen Indikator im sogenannten „Global Core Set of Forest-related Indicators“ bereitzustellen. Die Arbeit reagiert auch auf die Schlussfolgerungen der Branchentagung der IAO zur Förderung menschenwürdiger Arbeit und Sicherheit und Gesundheitsschutz in der Forstwirtschaft sowie zur Datenerhebung und zu verstärkten Partnerschaften.

Quelle: ILO, FAO, Thünen-Institut