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Bäumiger Spirit

So nennt der Schweizer die ganz eigene Atmosphäre, die auf der Forstmesse Luzern immer herrscht. Hier findet man vor allem Technik für die Bergwaldwirtschaft. Die heimischen Produkte begeistern immer wieder durch ihre sprichwörtliche Präzision.

 

In diesem Jahr schien es vor allem so, als ob der kleine Forstspezialschlepper bis 175 PS einen rechten Aufschwung erlebt. Mit dem Unternehmen Bijol aus Slowenien betrat sogar ein ganz neuer Hersteller hier erstmalig die Bühne. Der Familienbetrieb betätigt sich seit 20 Jahren als Händler und Servicestützpunkt u. a. für Palfinger, Sennebogen und MusMax. Der Beiname „Alpine Marmot“ (Bergmurmeltier) des BWS 160 macht gleich klar, wo er hingehört. In der kompakten Maschine – nur 2,38 m breit und 9,4 t schwer bei 600er Bereifung – stecken jede Menge hochwertiger Komponenten. Das beginnt beim 160-PS-Deutz-Vierzylinder mit Tier 4f und hört bei den Dana-Achsen noch lange nicht auf. Besonders stolz ist der Verkaufsleiter Andrej Tisnikar auf das Hydrostatgetriebe von Sauer-Bibus, das stufenlos bis 30 km/h beschleunigt. Die 10-t-Doppelseilwinde stammt im Kern von Uniforest, der Antrieb und die Steuerung wurden aber speziell angepasst. Jeder einzelne der Hansaflex-Hydraulikschläuche ist durchnumeriert. So kann der Kunde sofort und direkt beim Hersteller Ersatz beziehen. Den Qualitätsanspruch unterstreicht Bijol auch mit dem anvisierten Verkaufspreis: Rund 200 000 € für einen Seilschlepper sind kein Billigangebot mehr. Im kommenden Jahr soll eine Ausführung mit Kran und Klemmbank folgen.

 

Der Equus 175 N aus der Slowakei war schon auf der KWF-Tagung 2016 vertreten. Der Hersteller sieht sich mindestens auf der gleichen Qualitätsstufe wie die etablierten Marken. Hier werden aber nicht nur renommierte Teile verbaut, sondern selbst weiter optimiert oder sogar eigens angefertigt. Das zweistufige hydromechanische Getriebe bis 40 km/h wurde von Sauer-Bibus speziell auf die Maschine zugeschnitten. Der Kran ist eine regelrechte Eigenkonstruktion. Zwei weitere Maschinen dieser Größenordnung gab es in Luzern nur auf Papier zu sehen: Die Tüftler von Wickiforst haben es leider nicht ganz geschafft, ihren Wicki Trac Schweiz WTS 170 bis zur Messe fertigzustellen. Diese Maschine soll sogar mit 65 cm breiten Reifen noch unter 2,50 m schmal bleiben – ein Maß, das in der Schweiz für die Straßenzulassung wichtig ist. Angekündigt ist ein Iveco-Motor mit 175 PS, eine Ritter-Winde mit 2 × 10 t und ein Epsilon-Kran. Vom Werner-WF trac 1840 gibt es bisher überhaupt nur ein schemenhaftes Bild und die Aussage, dass er ebenfalls in der 170-PS-Klasse antreten wird.

 

Der österreichiscche Seilkranspezialist Konrad-Forsttechnik zeigte eine Weltpremiere, obwohl der kleine Woody H 40 neben dem ebenfalls neuen H 71 optisch kaum auffiel: Während letzterer „nur“ die größere Ausgabe des Vierwalzenkopfes ist, stößt der H 40 in einen neuen Bereich vor. Mit einem Fälldurchmesser von 45 cm ist er als Durchforstungsaggregat für den Bauernwald gedacht. Als Zweiwalzer und mit einem normalen Rotator anstelle der konrad-typischen Endlosdrehung soll das Gerät unter 40 000 € bleiben, Klappfunktion für die Sägeneinheit inklusive.

Greifersäge im Griff

 

Eine Greifersäge mit dem Forstkran zu kombinieren, haben schon viele versucht. Abgesehen von der zusätzlichen Schlauchleitung sind die meisten bisher an der hohen benötigten Durchflussmenge für den Sägenmotor gescheitert. Den Ingenieuren von Keller-Forstmaschinen ist diese Anpassung jetzt gelungen und sie können das auf Wunsch auch gleich noch mit ihrem patenten RoKe-Schnellwechsler anbieten. Es wird kein zusätzlicher Ölkreislauf benötigt, die Umschaltung von der Greifer- auf die Sägefunktion erfolgt per Funk. Eine ähnliche Lösung zeigte auch HSM-Schweiz in der Halle.

SwissMade

 

Ruedi Menzi verkauft mit seiner Firma Menzi-Sport seit 30 Jahren Bergschuhe. In seinen Augen waren bisher sämtliche Steighilfen für das Steilgelände mit Nachteilen behaftet. Die bekannten Grödel verdrehen sich oft, Klappeisen verbiegen sich und fest installierte Beschläge machen den Schuh unheimlich hart, abgesehen davon, dass man nicht mal mehr ins Auto einsteigen kann. Seine Berg-Kralle ist zu 100 % ein Schweizer Produkt, der Edelstahl wird zur Vermeidung von Mikrorissen mit dem Wasserstrahl ausgeschnitten und auch die Haltebänder sind aus einem ganz speziellen Garn geflochten. Für 129 SFR sollte man damit nie mehr ein Problem im Steilhang haben.

Neues von Wüst

 

Wüst Hacker zeigten auf ihrer Heimatmesse einen neuen Aufbau auf einem Volvo FMX-Fahrgestell, bei dem erstmals ein verglastes Führerhaus realisiert wurde. Der Hackrotor des BBHK 120 wird umfänglich überarbeitet, wobei vor allem die Messer sich zukünftig wesentlich einfacher und schneller tauschen lassen sollen. Aber auch von der Firma selbst gab es Neues zu berichten: Schon nach gut zwei Jahren hat H. P. Voegeli Ende April das Unternehmen wieder verkauft. Wüst Hacker ist nun ein inhabergeführtes Unternehmen. Neben Andreas Wüst (Konstruktion und Verkauf), Ueli Guggisberg (Service) und Thomas Thunen (Produktion) ist Peter Gehring als Gesamtgeschäftsführer getreten. Der studierte Agrarwirtschaftler war die letzten Jahre in der Beratung tätig. Für den Schweizer Hackschnitzelmarkt sieht er durchaus gute Vorzeichen, haben doch die Eidgenossen im Mai mit der Energiestrategie 2050 für eine deutliche Förderung der Erneuerbaren abgestimmt.

 

Heinrich Höllerl

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