Holzernte

Forstmaschinen: Lieferstopp nach Russland

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Der Ukraine-Krieg hat erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Auch die Hersteller von Forstmaschinen sind davon betroffen, denn soweit bekannt, haben sie wohl alle ihre Geschäftsbeziehungen nach Russland bis auf weiteres gekappt. Kesla aus Finnland gab schon am 25. Februar bekannt, dass wegen der EU-Sanktionen geplante Lieferungen im Wert von über 10 Mio. € storniert wurden. Der Hersteller John Deere Forestry, der rund 20 % seines Umsatzes in Russland macht, stellte ebenfalls am 25. Februar alle Verkäufe nach Russland ein, auch Ersatzteile werden nicht mehr ausgeliefert.

Die gleiche Entscheidung trafen Tigercat, EcoLog und Komatsu Forest, Sampo Rosenlew und Ponsse. Bei Ponsse gilt diese Entscheidung auch für Belarus. Das Unternehmen stellt darüber hinaus auch die Aktivitäten der russischen Tocherfirma ein. Wie John Deere erzielt auch Ponsse rund 20 % seines Umsatzes in Russland und Belarus. Bei Sampo Rosenlew ist der Anteil noch höher, die Firma ist allerdings vor allem in Weißrussland präsent.

Kann man Russland-Maschinen umlenken?

Die Hersteller bleiben nicht nur auf fertig produzierten Maschinen sitzen, sondern auch auf solchen, die noch montiert werden. Sie einfach in andere Länder umzulenken, ist leider kein gangbarer Weg. Das ist schon deshalb nicht möglich, weil sie mit Motoren der Abgasstufe Stage IIIA ausgestattet sind. Allenfalls nicht fertig gestellte Maschinen könnte man noch umrüsten und auch IIIA-Motoren nach Südamerika oder Kanada verkaufen.

Gründe für den Lieferstopp

Die Hersteller haben den Export einerseits freiwillig gestoppt, um Solidariät mit der Ukraine zu zeigen. Die Forstmaschinen oder doch manche ihrer Komponenten fallen aber auch unter die Sanktionen. Der Landmaschinenhersteller John Deere prüfte noch zwei Wochen nach dem Einmarsch in die Ukraine, welche Bestimmungen im Detail zu beachten sind. Problematisch sind zum Beispiel Steuergeräte, GPS-Empfänger oder Bordcomputer, die auch für Kriegszwecke genutzt werden könnten. Nicht zuletzt ist der Ausschluss vieler Banken aus dem Swift-System ein Thema sowie der Absturz des Rubels. Wer liefert noch Maschinen nach Russland, wenn die Käufer sie gar nicht mehr bezahlen können und es keine Kreditausfallversicherungen mehr gibt.

Sinken jetzt die Lieferzeiten?

In Deutschland hoffen einige Marktteilnehmer, dass mit dem Lieferstopp nach Russland Bauplätze in den Werken frei werden und die Lieferzeiten sinken könnten. Doch damit sollte man nicht unbedingt rechnen. So beziehen viele Zulieferer Rohstoffe, Stahl oder andere Teile aus Russland oder der Ukraine, die ebenfalls als Lieferant ausfällt – man denke nur an die Kabelbäume für die Autoindustrie. Die Logistikprobleme, die sich im Zuge der Corona-Pandemie entstanden sind, haben sich ebenfalls nicht nicht in Luft aufgelöst.

Im Detail ist das alles nicht ganz leicht zu durchblicken. Nur eines ist wohl sicher: die Preise für Forstmaschinen und Ersatzteile werden weiter steigen.

Oliver Gabriel