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Forstkammer Baden-Württemberg fordert Trendwende bei den Verbissschäden im Wald

Im Rahmen der Vorstandssitzung der Forstkammer Baden-Württemberg am 25. Januar in Ludwigsburg wurden auch die Ergebnisse des jüngst vorgestellten Gutachtens des Landes zum Wildverbiss an Waldbäumen erörtert.

Das so genannte forstliche Gutachten stellt dar, wie die Verbisssituation bei verschiedenen Baumarten ist und ob die Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen vor diesem Hintergrund ihre Ziele im Wald noch erreichen können.
„Die Tatsache, dass die Verbissbelastung bei den in Zeiten des Klimawandels so wichtigen Baumarten Eiche und Tanne seit Jahren immer weiter zunimmt, macht uns große Sorgen“, stellte Forstkammer-Vizepräsident Max Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf die Stimmung bei den Waldbesitzern dar. Betroffen seien vor allem Forstbetriebe im Süd- und Ostschwarzwald sowie im Nordosten Baden-Württembergs. Bereits die Hälfte der jungen Eichen leiden unter starkem Verbiss – Tendenz weiter steigend. „Damit können und wollen wir uns nicht zufriedengeben. Hier muss sich endlich etwas ändern“, so zu Königsegg-Aulendorf. Für die betroffenen privaten und kommunalen Waldeigentümer ist hoher Verbiss eine massive Belastung, die das Betriebsergebnis verschlechtert und das Betriebsrisiko erhöht.
Wir brauchen konkrete Maßnahmen, die den Forstbetrieben helfen
Vor diesem Hintergrund vermisst die Forstkammer im Forstlichen Gutachten konkrete Vorschläge dazu, wie der negative Trend gestoppt werde kann. Stattdessen setzt der Bericht auf die Einrichtung von „regionalen Foren zur Entwicklung und Umsetzung von Lösungsstrategien“. Wie diese Lösungen allerdings aussehen könnten, darüber schweigen sich die Autoren des Gutachtens aus. „Natürlich ist ein aktiver Dialog zwischen den beteiligten Waldeigentümern und den Jägern und Jägerinnen vor Ort extrem wichtig“, bestätigt Waldbesitzer Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf aus eigener Erfahrung. Allerdings müssten den Worten dann auch Taten folgen. „Wir brauchen keine wirkungslosen Gesprächsrunden, wir brauchen konkrete Maßnahmen, die den Forstbetrieben helfen.“ Die im Gutachten vorgeschlagenen Regionalforen würden daher nur Sinn machen, wenn dort auch Ergebnisse erzielt werden. Dafür müssen nach Ansicht der Forstkammer Themen wie z.B. die Intensivierung revierübergreifender Drückjagden, die Fütterungspraxis und der vermehrte Abschuss weiblicher Tiere konstruktiv erörtert werden.
Auch das Forstliche Gutachten betont, dass eine hohe Verbissbelastung nicht als unveränderbare Tatsache hingenommen werden müsse.
Gespannt sind die Waldbesitzer auf die Auswirkungen des neuen baden-württembergischen Jagdrechts – Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) auf die Wildschäden im Wald. Da die Erhebungen für das aktuelle Gutachten nur kurz nach der Gesetzesnovelle durchgeführt wurden, lässt der Bericht zu dieser Frage noch keine Rückschlüsse zu. Bei der Forstkammer ist man gespannt, ob z.B. die verlängerten Jagdzeiten auf Rehwild die erhofften Effekte für den Wald bringen werden. „Das Gesetz muss sich letztlich daran messen lassen, ob es uns bei der Lösung der anstehenden Herausforderungen unterstützt oder nicht“, stellt zu Königsegg-Aulendorf klar.
Handlungsbedarf sieht er allerdings auch bei den eigenen Leuten. Er bedauert, dass gemeinsame Begänge von Jagdpächtern und Verpächtern immer noch nicht überall Standard sind. „Nur wenn wir bereit sind auch von Seiten der Waldbesitzer an der Lösung mitzuarbeiten, werden wir Erfolg haben“, ist der Vize-Präsident der Forstkammer überzeugt.
Forstkammer Baden-Württemberg

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