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Forstkammer Baden-Württemberg fordert im Kartellverfahren mehr Mut zur Veränderung

Mitgliederversammlung 2017 der Forstkammer Baden-Württemberg in Rottenburg

„Nach 15 Jahren Kartellverfahren brauchen wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen“, forderte der Präsident der Waldeigentümer Roland Burger am 31. März bei der Mitgliederversammlung der Forstkammer Baden-Württemberg in Rottenburg. Nach der deutlichen Niederlage vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf strebt die Landesregierung eine weitere Verfahrensverlängerung vor dem Bundesgerichtshof an. Die Forstkammer hält trotzdem eine zügige Anpassung der Forststrukturen im Land für dringend erforderlich. „Wenn wir vermeiden wollen, dass der Zusammenhalt in der Branche im Lauf des Verfahrens immer weiter zerfällt, dann müssen wir jetzt unser Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen“, so Burger. Den Waldeigentümerinnen und Waldeigentümern riet er, Mut zur Veränderung zu haben. „Der Aufbau neuer Organisationen ist für uns alle eine Herausforderung, Angst vor der Zukunft ist aber ein schlechter Ratgeber.“ Bereits in der vergangenen Woche hatte sich die Führungsspitze der Forstkammer mit Forstminister Peter Hauk auf die Erarbeitung eines Maßnahmenpakets geeinigt, mit dem die privaten und kommunalen Waldbesitzer bei den anstehenden Veränderungsprozessen unterstützt werden sollen. „Diesen Worten müssen jetzt Taten folgen“, mahnte Roland Burger und kündigte an: „Wir werden den Wert dieser Maßnahmen nicht zuletzt daran messen, wie hoch der finanzielle Ausgleich für die vielen Gemeinwohlleistungen der Waldbesitzer zukünftig noch ausfällt.“ Die durch das Kartellverfahren verursachte Erhöhung der Gebühren für Forstdienstleistungen müssten durch ein neues Fördersystem ausgeglichen werden.
Hauptredner des Tages war Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident des Bundesverbandes AGDW – Die Waldeigentümer. Auch in seinen Funktionen als Vizepräsident des europäischen Waldbesitzerverbandes und Vorsitzender des Aktionsbündnis Forum Natur warf er einen ausführlichen Blick auf die zunehmenden Beschränkungen der Waldbewirtschaftung durch Bundes- und europarechtliche Vorgaben. „Wir haben in der Naturschutzpolitik mittlerweile ein Niveau erreicht, das jegliche Eigentümermotivation zur Umsetzung der wichtigen Ziele unter einem Berg von bürokratischen Auflagen und Kontrollverfahren zu ersticken droht“, kritisierte zu Guttenberg. Der Bund und die EU müssten sich endlich auf ihre Verantwortung für den Schutz des Eigentums als zentralem Bestandteil des europäischen Wertesystems rückbesinnen.
Neben den Reden gab es für die Teilnehmer der Veranstaltung einiges an Fachwissen zu entdecken. Wissenschaftler von der Rottenburger Hochschule für Forstwirtschaft, der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt FVA in Freiburg und der Universität Freiburg präsentierten begleitend zur Versammlung aktuelle, für die Waldbesitzer relevante Projekte. Diese reichten vom Einsatz von Drohnen im Forstbereich, neuen Holzmessverfahren und Sicherheitstechnik bei der Waldarbeit über Waldpflegesysteme und die Biodiversität im Wirtschaftswald bis hin zur waldbasierten Bioökonomie und neuen Erkenntnissen über den Borkenkäfer.
Forstkammer Baden-Württemberg

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