ForstBranche

Was Forstfrauen wollen – ein internationaler Zusammenschluss

Bearbeitet von Carolin Föste

Vom 26. bis 29. Mai 2022 fand die Internationale Forstfrauenkonferenz in Traunkirchen in Österreich statt. Zusammengefunden haben sich vor allem Försterinnen, Waldbesitzerinnen, Frauen aus Forstverwaltungen und der Waldpädagogik sowie aus anderen forstlichen Bereichen. Zusammengetragen haben sie viele persönliche Erfahrungen und neue Pläne.

Wie sich Frauen auf internationaler Ebene gegenseitig fördern können, wollen die Frauen im Forstbereich e. V. sowie ihre Partnervereine in und außerhalb von Deutschland mithilfe eines Dachverbandes herausfinden, der zum Jahreswechsel ins Leben gerufen werden soll. Auf der kürzlich ausgetragenen Forstfrauenkonferenz wurden erste Pläne geschmiedet. Auch Männer aus der Forstbranche waren anwesend, denn vor allem diente die viertägige Veranstaltung dem Erfahrungsaustausch und der Weiterbildung.

Mut zur Kommunikation im Wald

Die Forstbranche sei schon ein ganzes Stück weitergekommen, denn immer mehr Frauen sitzen in den Studiengängen, immer mehr Frauen leiten ein Revier oder arbeiten in anderen forst- und holzwirtschaftlichen Jobs. Dennoch sei noch Luft nach oben, sagt Dr. Birgit Homann, Schriftführerin und ehemalige erste Vorsitzende der Frauen im Forstbereich. Die promovierte Forstwissenschaftlerin hat Familie und Arbeit unter einen Hut gebracht und ist heute in Rheinland-Pfalz als Forsteinrichterin tätig. „Ich darf arbeiten, wo andere Leute Urlaub machen!“

Neben dem Spaß an der Arbeit im Wald, ist es ihr ein Anliegen, dass mehr Frauen auch in forstlichen Führungspositionen landen. „Frauen müssen sich mehr trauen Fragen zu stellen und gehört zu werden. Es sind intelligente Fragen und die Mischung von Frauen und Männern im Job, die Teams nach vorne bringen.“ Dazu gebe es bereits viele Studien und auch persönliche Erfahrungsberichte, die dies bestätigen.

Warum es mehr Frauen im Forst geben sollte

„Wo weniger als 15 % Frauen arbeiten, werden diese als Minderheit und in ihrer Andersartigkeit wahrgenommen und nicht in ihrer Kompetenz. In dieser Situation ist es schwer, eine fachliche Rolle wahrzunehmen und eine Botschaft zu vermitteln! Ab einem Anteil von 30 % Führungskräften kann sich in der Organisation ein Mentalitätswechsel entwickeln. Die Quote erscheint daher als ein sinnvolles Mittel, um diesen ‚Kipp-Punkt‘ zu erreichen, denn insbesondere die Führungsetagen der forstlichen Welt sind davon immer noch meilenweit entfernt“, beschrieb Unternehmensberaterin Sabine Pelzmann in ihrem Vortrag auf der Konferenz.

Forstfrauenkonferenz im größten forstlichen Bildungszentrum Europas

70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 13 Ländern – aus Österreich, Deutschland, Polen, Tschechien, Slowenien, Serbien, Island, Ukraine, Kroatien, Spanien, Schweiz, Bosnien-Herzegowina und Rumänien – waren bei der Forstfrauenkonferenz vor Ort. 2021 wurde die Konferenz coronabedingt online durchgeführt. Das führte dazu, dass sogar Teilnehmerinnen aus Ghana, Chile und Australien dabei waren. Dieses Jahr traf man sich wie geplant persönlich im größten forstlichen Bildungszentrum Europas, dem „Waldcampus“ in Österreich. Angeboten wurden Workshops sowie eine Exkursion – mit dem Ziel, das Netzwerk und die Position von Frauen in forstlichen Berufen zu stärken. Die Abende wurden außerdem mit persönlichen Gesprächen gefüllt.

Forstwirtschaft in der Ukraine

Anwesend waren auch zwei Kolleginnen aus der Ukraine. Dort standen bereits Pflanzungen an, die kriegsbedingt von Frauen durchgeführt wurden. Das ukrainische Forstplanungsamt sei vollständig zerstört und Waldbrände haben sich durch Kriegshandlungen wie Beschüsse verdreifacht. Dennoch habe man dort allein in diesem Jahr über 1 Mio. Forstpflanzen in den Boden gebracht. Die ukrainischen Veranstaltungs-Gäste konnten die Atmosphäre der Forstfrauenkonferenz und Bilder der intakten Landschaft als Hilfe zum Durchhalten mit in die Heimat nehmen. Sie werden sich weiter engagieren.

Forstfrauen auf Forstfrauenkonferenz
Die Stellvertreterinnen des geplanten Dachverbandes für Forstfrauen auf der Forstfrauenkonferenz
Foto: K. Böhling

Internationaler Dachverband für Forstfrauen

Forstfrauenorganisationen aus der Ukraine, Polen, Island, Deutschland, Slowenien und Österreich planen aktuell, sich in einem internationalen Dachverband zusammenzutun, der Forstfrauen in und außerhalb Europas unterstützt und fördert.

Bis zum Jahresende sollen die Vorbereitungen abgeschlossen und eine Vereinssatzung aufgesetzt werden. Damit wolle man die Frauen in forst- und holzwirtschaftlichen Berufen international weiter stärken: „Frauen in forstlichen Berufen sind heute „normal“ und akzeptiert – noch sind sie allerdings nicht sichtbar genug“, sagt Homann überzeugt. Das müsse sich ändern.

Mit Material der Frauen im Forstbereich e. V.