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Forsteinrichtung in den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten

Forsteinrichtung in den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten

Im Rahmen der Forsteinrichtung wurde mit einer Waldinventur der Ist-Zustand des Landeswaldes in Schleswig-Holstein erfasst, um zukunftsweisende Ziele durch eine naturnahe Bewirtschaftung zu planen. Das Ergebnis wurde beim Pressetermin am 16. Mai bekannt gegeben. Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten betreuen verteilt auf 30 Förstereien ca. 1/3 der Waldfläche in Schleswig-Holstein, derzeit gut 50.000 ha Wald. Im Jahr 2008 haben die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten das Niedersächsische Forstplanungsamt damit beauftragt, eine umfassende Waldinventur in den Landeswäldern durchzuführen. Das angewandte Verfahren besteht aus einer Flächeninventur und repräsentativen Stichproben, so dass für jede erfasste Waldfläche individuell im Sinne der Nachhaltigkeit geplant werden kann.
Laut Forsteinrichtung sind die Wälder der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten (im Vergleich zu anderen norddeutschen Ländern) besonders vorratsreich. Der Wald in Schleswig-Holstein besteht zu fast 90 % aus strukturreichen Mischbeständen mit einem hohen Buchen-Anteil. Unter den Altbäumen wächst in der Naturverjüngung auf großen Flächen bereits die nächste Waldgeneration heran. Aus dem Aufbaubetrieb der letzten sechs Jahrzehnte hat sich ein Forstbetrieb entwickelt, der nachhaltig höhere Erträge von erntereifem Holz liefern kann. Im Durchschnitt entfallen auf jeden Hektar Waldfläche mit rund 326 Kubikmetern ein großer Vorrat an zielstarken Bäumen.
In den Wäldern der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten ist im kommenden Jahrzehnt gerade bei den Laubbäumen mit einem deutlichen Vorratsanstieg zu rechnen. Bei einer geplanten Nutzung von nur 75 % des Zuwachses steigt der Vorrat jährlich weiterhin um 110.000 Kubikmeter. Auch im folgenden Jahrzehnt wird der Anteil zielstarken Holzes bei allen Baumarten (mit Ausnahme der Sitkafichte) höher sein, als im laufenden Forsteinrichtungsjahrzehnt.
Der Wald morgen
Durch die  breite Alters- und Baumartenstruktur und eine sorgfältige Planung decken die Holzvorräte auch in Zukunft nicht nur die steigende Nachfrage ab, auch die Schutz- und Erholungsfunktionen bleiben erhalten. Der Anteil der Verjüngung soll in Zukunft kontinuierlich weiter steigen, wobei der Laubbaumanteil um ca. 4.800 ha zunehmen soll.
Durch diese naturnahe Form der Bewirtschaftung entstehen arten- und strukturreiche, stabile Mischbestände. Der Wald wird gegenüber Klimaveränderungen anpassungs- und widerstandsfähiger. Dabei werden auch die Aspekte des Umweltschutzes berücksichtigt. Anhand der Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union FFH („Flora-Fauna-Habitat“) werden gezielt Arten- und Lebensraumschutzgebiete ausgewiesen. Entsprechend dieser Richtlinie sind bereits 12.853 ha des Landeswaldes FFH-Gebiete. 5 % der Flächen sind Naturwald, die zu großen Anteilen auch in den FFH-Gebieten liegen. Hier sind rund  900.000 m³ Holzvorrat vorhanden, die nicht mehr genutzt werden sollen. Zusätzlich erhalten die Landesforsten gezielt Totholz und Höhlenbäume als wichtige Lebensräume für bedrohte Tierarten. Diese Bäume werden entsprechend ausgezeichnet und dem natürlichen Zerfall überlassen. Zusammen mit dem Vorrat aus den Naturwäldern wird damit auf eine Nutzung von ca. 1,2 Mio. m³ verzichtet.
Zu viel Wild im Wald?
Die Forsteinrichtung konnte feststellen, dass starker Wildverbiss den Prozess der Waldverjüngung und der Waldentwicklung hin zu stabilen, naturnahen Mischwäldern behindert. Nur 50% der verjüngungsfähigen und verjüngungsdringlichen Buchenwälder über 120 Jahre haben derzeit eine ausreichende Naturverjüngung. Ausgerechnet Buchenhölzer und die Mischbaumarten wie Ahorn, Esche oder Kirsche werden vom Wild heraus selektiert. Junge Knospen und Triebe werden abgebissen und ein Nachwachsen wird verhindert. Baumarten, wie die Fichte, die dem Wild nicht besonders schmecken bleiben verschont. Auch Schäden durch Schäle haben zugenommen. Und betroffen ist neben der Fichte hier auch die Buche. Diese Erkenntnisse liefern den Nachweis, dass die planmäßige Verjüngung zu naturnahen Mischwäldern nur gelingen kann, wenn die Wildbestände in weiten Teilen der Reviere angepasst werden.
 
Schleswig-Holsteinische Landesforsten

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