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ForstBW legt Geschäftsbericht 2010 vor

ForstBW legt Geschäftsbericht 2010 vor

„Nachhaltiges Handeln ist erfolgreiches Handeln. Für die Forstwirtschaft, vor 300 Jahren Erfinderin der Nachhaltigkeit, gilt dies ganz besonders. Der Landesbetrieb ForstBW hat dabei eine Vorbildfunktion: Ökologische, ökonomische und soziale Ziele sind hier gleichrangig. Dies wurde durch ForstBW im Jahr 2010 sehr erfolgreich umgesetzt. In Zukunft wird sich der Betrieb noch stärker in Sachen Nachhaltigkeit messen lassen. Erfolgreiches Handeln und Engagement für den Naturschutz auch in Großschutzgebieten gehen bei einer verantwortungsvollen Forstpolitik Hand in Hand“, sagte der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, am 21. September bei der Vorstellung des Geschäftsberichtes 2010 in Stuttgart.
 
Ein hervorragendes wirtschaftliches Ergebnis und wichtige konzeptionelle Arbeiten seien prägend für das Jahr 2010 gewesen, so Bonde. Der Landesbetrieb ForstBW bewirtschaftet 24 Prozent der Waldfläche Baden-Württembergs, die sich im Landeseigentum befinden. Zusätzlich ist ForstBW der zentrale Dienstleister für alle Waldbesitzer im Land.
Hervorragende Geschäftsbilanz
„Mit erwirtschafteten 27,8 Millionen Euro im Produktbereich Wirtschaftsbetrieb hat ForstBW im zweiten Jahr seines Bestehens als Landesbetrieb ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Dies ist mit Abstand das beste Resultat der vergangenen zehn Jahre für den Staatswald in Baden-Württemberg“, betonte Bonde. Die günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der geringe Anfall an Schadhölzern hätten sich in diesem Zusammenhang sehr positiv ausgewirkt. Dabei seien im Staatswald rund 2,25 Millionen Kubikmeter Holz eingeschlagen worden. Damit liege man rund 250.000 Festmeter unter dem jährlich nutzbaren Holzzuwachs (Nachhaltshiebsatz). „Wir haben im Staatswald in 2010 also weniger Holz entnommen als nachwächst“, sagte der Minister. Der Durchschnittserlös für alle verkauften Holzsortimente habe 60,24 Euro je Kubikmeter betragen und liege damit 13 Prozent über dem Erlös von 2009.
ForstBW nimmt Vorbildfunktion für nachhaltige Waldwirtschaft ein
 „Ökonomie und Ökologie sind keine Gegensätze – ganz im Gegenteil. Der Landesbetrieb beweist, wie erfolgreich diese Bereiche zusammenwirken können“, sagte Bonde. Transparent und nachprüfbar habe der Betrieb für sich 18 strategische Nachhaltigkeitsziele beispielsweise im Bereich naturnahe Waldwirtschaft, Ertragsoptimierung oder Arbeitssicherheit definiert, an denen er sich künftig messen lasse. „Baden-Württemberg ist im Bereich naturnahe Waldwirtschaft bereits deutschlandweit Spitzenreiter. Wir wollen aber noch weiter: Der Landesbetrieb strebt bis 2020 eine Erhöhung um jeweils zwei Prozent an, was die Naturnähe der Baumartenzusammensetzung und der Verjüngung anbelangt. Im Bereich Biodiversität streben wir mit ForstBW fast eine Verdreifachung der Flächen an“, so Bonde. Die Flächen sollten von aktuell rund 9.300 Hektar auf 24.500 Hektar im Jahr 2020 ausgeweitet werden. Dies beinhalte Waldrefugien nach Alt- und Totholzkonzept, Bannwälder oder die Kernzonen des Biosphärengebiets. Über den Umsetzungsstand der vorgegebenen Ziele werde ForstBW erstmals mit dem nächsten Geschäftsbericht 2011 und in der Folge jährlich Rechenschaft ablegen.
Schwerpunkte in den kommenden Jahren – Biodiversität zentrales Anliegen
„Für die Landesregierung sind die Umsetzung des Alt- und Totholzkonzeptes, die kontinuierliche Weiterentwicklung des Konzeptes der naturnahen Waldwirtschaft und die Ausarbeitung einer Gesamtkonzeption Waldnaturschutz zentrale Anliegen“, sagte der Minister. Mit diesen Konzepten werde eine Stilllegung von sieben bis acht Prozent der Staatswaldfläche erreicht. „Das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel, zehn Prozent der Staatswaldfläche dauerhaft aus der Nutzung zu nehmen, können wir durch die Ausweisung weiterer Bannwälder und Großschutzgebiete erreichen“, ergänzte Bonde. Dabei würden auch die mögliche Ausweisung eines Biosphärengebietes im Südschwarzwald und ein möglicher Nationalpark im Nordschwarzwald eine Rolle spielen. „Ein möglicher Nationalpark im Nordschwarzwald ist ein Baustein im Konzept Biodiversität“, sagte Bonde.
Soziale Aspekte: Umweltbildung und Arbeitgeber
„Der Wald ist der wichtigste Erholungsraum in Baden-Württemberg: Jeden Tag kommen rund zwei Millionen Menschen in den Wald“, erklärte Bonde einen wichtigen Aspekt der sozialen Funktion des Waldes. Rund 36 Prozent des Staatswaldes seien Erholungswald. Eine wichtige Bedeutung habe dabei auch die Umweltbildung. Pro Jahr fänden rund 6500 Umweltbildungsmaßnahmen im Wald statt. „ForstBW ist der wichtigste Ausbilder für Forstwirte im Land – der Betrieb bildet zwei Drittel der Auszubildenden für die Branche aus. Damit trägt er auch eine besondere Verantwortung“, sagte Bonde. Eine Vorbildrolle komme ForstBW daher auch im Bereich sozialer Arbeitsstrukturen zu. Hier wurden im Jahr 2010 neue Arbeitssicherheitskonzepte entwickelt sowie Maschinen zur Unfallverhütung und Transportfahrzeuge für die Waldarbeiter beschafft.
 
Hintergrundinformationen:
 
Wirtschaftsergebnis
In der betriebswirtschaftlichen und produktbezogenen Betrachtungsweise unter Anwendung der Vollkostenrechnung konnte ForstBW in seinem Produktbereich „Bewirtschaftung des Staatswaldes“ ein Ergebnis in Höhe von 27,8 Millionen Euro erzielen. Dies entspricht 89,39 Euro je Hektar Staatswaldfläche oder 11,61 Euro je Festmeter eingeschlagenem Holz. Das Jahr war geprägt durch eine hohe Nachfrage nach allen Holzsortimenten.
Neben den Umsatzerlösen aus dem Holzverkauf, die rund 93 Prozent der Erträge ausmachen, konnten noch weitere Erträge aus Nebenprodukten, vorwiegend aus der Verpachtung von Flächen, generiert werden.
Die im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschafteten Rücklagen werden zweckgebun-den im Staatswald von ForstBW reinvestiert. Schwerpunkte dabei sind Investitionen im Rahmen des betrieblichen Anreizsystems für individuelle Investitionen vor Ort, die Verbesserung der Arbeitssicherheit durch Beschaffung von Traktoren sowie präventive Maßnahmen als Vorbereitung auf den Klimawandel (Waldkalkung und Waldumbau). Zusätzlich werden Mittel für die Sanierung verschiedener Gebäude und Bauwerke reserviert.
Weitere Einzelergebnisse
In 23 FFH-Gebieten (inkl. Vogelschutzgebieten) wurden die sogenannten Waldmodu-le als fachlicher Teilbeitrag zum jeweiligen Managementplan erstellt. Die im Rahmen der Waldmodule bearbeitete Fläche umfasste rund 22.534 Hektar Wald. Im Rahmen des Bildungsangebotes 2010 wurden zu 235 verschiedenen Themen rund 820 Fortbildungsveranstaltungen angeboten, an denen rund 4.600 Teilnehme-rinnen und Teilnehmer aus dem Kreis der ForstBW-Beschäftigten und über 7.000 externe Personen teilgenommen haben. Zudem wurden 25 Waldpädagoginnen und Waldpädagogen von ForstBW ausgebildet und mit einem Zertifikat ausgezeichnet.
Im Mai 2010 wurde nach einer zweijährigen Planungszeit die neue Dauerausstellung „StadtWaldWelt“ im Haus des Waldes in Stuttgart eröffnet. Die grundsätzliche Leitidee der Ausstellung ist die Verknüpfung forstlicher und waldökologischer Inhalte mit den Leitthemen der nachhaltigen Entwicklung.
Aus den bestehenden Förderprogrammen wurde eine Fördersumme von rund 9,7 Millionen Euro an private Waldbesitzer, Forstbetriebsgemeinschaften und Naturparke bewilligt. Die Herausforderungen der Klimaveränderung werden zunehmend zu einer Daueraufgabe für die Forstbetriebe. Die von ForstBW eingerichtete Arbeitsgruppe „Wald und Klima“ hat 2010 als erste Entscheidungshilfe eine Neueinschätzung der Baumarteneignung für die Baumarten Fichte und Buche für die Jahre 2010 und 2050 durchgeführt. Diese steht als Baumarteneignungskarte landkreisweise in einem Maßstab 1:50.000 zur Verfügung.
Der Generalwildwegeplan dient der Sicherung überregionaler ökologischer Funktionsbeziehungen zwischen bedeutenden Lebensräumen und stellt eine wissenschaftlich fundierte Informations-, Planungs- und Abwägungsgrundlage für raumwirksame Vorhaben dar. Der Generalwildwegeplan soll Behörden, Planern und allen sonstigen Anwendern für fachspezifische und fachlich übergreifende Vorhaben als Information zur Verfügung stehen und eine wegweisende Ergänzung zu vorhandenen Biotopverbundmodellen darstellen.
MLR

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