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ForstBW: Landesweites Gutachten zum Wildverbiss an Waldbäumen vorgestellt

„Der Verbiss kleiner Bäume durch Rehwild bei Tannen und Eichen hat erneut zugenommen. Leider sind in vielen Jagdrevieren starke Beeinträchtigungen der jungen Forstpflanzen durch Wildverbiss erkennbar. Gerade bei den wichtigen Baumarten nehmen die Schäden trotz steigenden Abschusszahlen zu. Diesen Trend müssen wir brechen. Sonst können wir die Ziele der naturnahen Waldbewirtschaftung nicht erreichen“, sagte Landesforstpräsident Max Reger am 25. Juli in Stuttgart anlässlich der Vorstellung des forstlichen Gutachtens zur Verbissbelastung durch Rehwild an jungen Waldbäumen. Starker Wildverbiss gefährde die Erreichung der waldbaulichen Verjüngungsziele gerade bei jenen Baumarten, die für die naturnahe Waldbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels von herausragender Bedeutung seien. Bei Buche und Fichte bestünden landesweit keine Probleme.Forstliches Gutachten zum Rehwild-AbschussplanDas Forstliche Gutachten zum Rehwild-Abschussplan stellt eine wichtige Entschei-dungshilfe bei der Bemessung der jährlichen Anzahl zu erlegender Rehe in den Jagd-revieren dar. Alle drei Jahre nehmen die unteren Forstbehörden die Verbissbelastung der verschiedenen Baumarten im Wald auf. Erfreulich sei, dass sich die Fläche, auf der sich der Wald natürlich verjüngt, seit 1986 von 90 000 ha auf 213 000 ha mehr als verdoppelt habe, sagte Reger weiter. „Mehr Naturverjüngung des Waldes und weniger Zäune sind ein gutes Zeichen. Waren vor 25 Jahren bei Eiche und Tanne bei über 70 Prozent der Kulturen Schutzmaßnahmen notwendig, konnte dieser Wert auf 17 Prozent bei der Tanne und 13 Prozent bei der Eiche reduziert werden“, erläuterte der Landesforstpräsident positive Entwicklungen.Steigende Zahl an Rehen„Die Rehwildpopulation reagiert auf die besseren Nahrungsgrundlagen. Dies hat sei-ne Ursache vor allen in den großen Flächen mit jungem Waldbestand. Diese sind durch die Aufforstung nach Orkan Lothar entstanden. Wir gehen deshalb von einem steigenden Rehwildbestand aus, trotz steigender Abschusszahlen“, erklärte Reger. Jährlich würden in Baden-Württemberg in der Regel über 150.000 Rehe erlegt. Gleichzeitig werde die Bejagung bei zunehmender Naturverjüngung und in großflä-chigen, geschlossenen Sturm- und Verjüngungsflächen deutlich erschwert. Der Ver-biss habe dabei in allen Arten von Jagdbezirken zugenommen. Die geringste Verbissbelastung bestehe in den staatlichen Eigenjagden, die höchsten Werte wur-den in verpachteten gemeinschaftlichen Jagdbezirken ermittelt. Teilweise bestünden erhebliche regionale Unterschiede.Dialog und neue VerfahrenDie Zusammenhänge und die Notwendigkeit eines angepassten Rehwildbestandes sollten durch einen intensivierten Dialog zwischen den Grundbesitzern als Jagd-rechtsinhabern und den Jägern vermittelt werden. „Es ist uns gelungen, das Verfah-ren der Abschussplanung und dessen Umsetzung transparenter zu gestalten. Mit Blick auf die vielen Funktionen des Waldes, insbesondere den Klimaschutz, ist es notwendig, auf diesem Fundament aufzubauen“, sagte Reger. Mit der Abschaffung der Abschusspläne und der Etablierung des dialogorientierten Verfahrens RobA (Rehwildbewirtschaftung ohne behördliche Abschusspläne) werde ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen Jagdpolitik erreicht. Dieses Anliegen verfolge auch die laufende Novelle des Landesjagdgesetzes.

 
Hintergrundinformationen
 
Das im Landesjagdgesetz verankerte Forstliche Gutachten wird seit 1986 durchge-führt. Das Schätzverfahren wird im engen Dialog mit den Jagdpächtern angewandt und zeichnet sich durch leichte Handhabbarkeit vor Ort, Transparenz, geringen Zeit- und Kostenaufwand sowie rasche Verfügbarkeit der Ergebnisse aus.
MLR

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