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Forstbaumschulen brauchen Hilfe des Waldbesitzes

Ein genereller Pflanz-Stopp im Winterhalbjahr ist nicht sinnvoll, und für die Forstbaumschulen unter Umständen fatal. Der Verband Deutscher Forstbaumschulen (VDF) appelliert an die Waldbesitzer, die Verwaltung und Forstverbände, das verfügbare und reife wertvolle Pflanzgut jetzt zu nutzen. Waldeigentümer und Forstbaumschulen sollten sich dazu intensiver denn je abstimmen.

Die Sommerdürre in Deutschland hat unbestreitbar einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden im Bereich Landwirtschaft, Gartenbau und Waldwirtschaft verursacht. Viele Schäden an den Dauerkulturen (Gartenbau, Waldwirtschaft) und dem urbanen Grün (Parks, Gärten, Alleen) werden uns erst bis zum nächsten Frühsommer weiter sichtbar und spürbar werden.

Bereits im Spätsommer griffen die Medien die Botschaften des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) auf. Speziell der Präsident des DFWR Georg Schirmbeck machte auf die drohenden, immensen Schäden auch im Wald aufmerksam.

Aber die Dürre ist erst der Anfang. Im Wald haben Trockenstress und günstige Witterung für die Schadinsekten dazu geführt, dass z.B. mehrere Generationen von Borkenkäfern bereits mehrere Tausend Hektar an Nadelholz befallen und vernichtet haben. Nun folgt dazu eine milde, fast trockene Witterung, sodass die Käfer weiter aktiv sein können. Die Eiablage im Boden lässt möglicherweise Schlimmes für das Frühjahr 2019 erwarten.

Forstpflanzen sind verfügbar, aber begrenzt!

Das sind soweit die objektiven Fakten, welche auch die Forstbaumschulen im Lande in arge Bedrängnis und nun sogar in existenzielle Not bringen können. Ein Schlaglicht auf die Situation dieser Schlüsselbranche, wenn es um die Versorgung des Waldbesitzes mit Jungpflanzen geht. Auch da greifen vier simultane, fatale Widrigkeiten gerade jetzt voll zu: Forstpflanzen sind verfügbar, aber begrenzt.

  1. Es gibt wenig ausreichendes und gutes Saatgutaufkommen für alle Arten, Regionen und Herkünfte in den letzten 5 bis 6 Jahren
  2. Kurze und gestörte Pflanzperioden: Seit etwa zwei Jahren sind die sowieso schon relativ kurzen „Pflanzzeiten“ (etwa 5 von 12 Monaten) im Frühjahr und Herbst durch ungünstige Witterungsverläufe mit frühen Warmphasen mit folgenden Spätfrösten zusätzlich verkürzt.
  3. Durch die Stürme des Winters und Frühjahrs 2017/2018 fiel der Arbeitsschwerpunkt auf die Holzernte und die Kapazitäten für Aufforstungen fehlten.
  4. Durch Dürreschäden mit folgenden Käferschäden wurden wieder Arbeitsschwerpunkte abseits von Pflanzung verursacht.
  5. Die Trockenheit und der extreme Mangel an Niederschlag in manchen Regionen sorgen für große Verunsicherung bei den Waldbesitzern.

Demgegenüber steht aber, dass eine Forstbaumschule auch unter der oben genannten Gemengelage – auf die nur begrenzt menschlich Einfluss genommen werden kann – nicht überleben kann:

  • Forstpflanzen brauchen bis zur Verwendungsreife zwischen 2 und 4 Jahren.
  • Reife Forstpflanzen müssen gleich verwendet werden und können kaum eine Saison lang „geparkt“ werden.
  • In den Pflanzen stecken Betriebskosten von bis zu 5 Jahren, die sich in einer solchen Situation nicht amortisieren werden.

Das verfügbare und reife wertvolle Pflanzgut jetzt nutzen!

Die deutschen Forstbaumschulen unterliegen staatlicher Kontrolle (Forstvermehrungsgutgesetz) und Waldgesetzen, verwenden mehr und mehr teuer zertifiziertes Saatgut und umso schmerzvoller und gefährlicher wird es für diese Produzenten. Deshalb werben die Forstbaumschulen dringend und bundesweit um Hilfe und Verständnis! Sie appellieren an die Waldbesitzer, die Verwaltung und Forstverbände, das nun verfügbare und reife wertvolle Pflanzgut jetzt zu nutzen. Waldbesitzer und Forstbaumschulen werden sich dazu intensiver denn je abstimmen müssen.

Es geht dabei um folgende, elementare Aspekte:

  • Jetzt verfügbares, ökologisch wertvolles und zertifiziertes Vermehrungsgut darf in Zeiten der Sturm- und Dürreschäden nicht vergehen. Knappes Pflanzgut aufgrund knappen Saatgutes muss v.a. unter dem Aspekt Waldumbau im Klimawandel schlau genutzt werden.
  • Aus Gründen der Nachhaltigkeit brauchen die Forstbaumschulen die Hilfe des Waldbesitzes: Für viele Familienbetriebe ist es eine Frage des Überlebens: Ohne Herbstumsätze nach den schlechten letzten Jahren bangen viele um ihre Existenz.
  • Pflanz-Stopp mit dem Argument trockene Waldböden: Weil die meisten Forstpflanzen in physiologischer Ruhe sind (Knospenruhe) ist die Gefahr des Vertrocknens geringer. Deshalb kann weiter gepflanzt werden und die kommende Winterfeuchtigkeit kann voll genutzt werden.

Auch deshalb sollte der gesamte Winter bei frostfreier Witterung unbedingt mit genutzt werden.

Weitere Informationen bzw. eine Kontaktmöglichkeit für Rückfragen bietet der Verband Deutscher Forstbaumschulen (VDF) an. E-Mail: vdf@conzert.com, Internet: www.forstbaumschulen.org

Red./Quelle: VDF

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