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Beeindruckt waren die Tagungsteilnehmer, dass Weißtannen auch im fortgeschrittenen Alter noch kräftig zulegen, wie der gefällte Baum offenbarte.

Tagung zur Weißtanne der Landesforsten Niedersachsen

Am 19. Juni fand im Forstamt Nienburg eine Tagung zur Weißtanne statt. Veranstalter waren die Niedersächsischen Landesforsten (NLF). 

Über einhundert Förster informierten sich in der Revierförsterei Erdmannshausen (NLF-Forstamt Nienburg) bei Schwaförden über die Weißtanne. Die Tagung ist eingebunden in eine bundesweite Initiative der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft (ANW), ein Zusammenschluss naturnah wirtschaftender Waldbesitzer und Förster. Für künftige Mischwälder werden Nadelbäume gesucht, die unempfindlicher gegen Stürme und Sommertrockenheit sind. Die Weißtanne biete hier eine interessante Alternative, weil sie viele positive Eigenschaften für gutes Gedeihen gerade in Mischwäldern aufweise. „Wir haben im Revier Erdmannshausen seit 100 Jahren Erfahrungen mit gemischten Wäldern aus Buchen und Weißtannen“, erläuterte Revierförster Peter Braunert den Grund für die Tagung in Schwaförden. Hier begann der Oberförster Erdmann vor über hundert Jahren damit, Mischwälder mit Buchen und Tannen zu entwickeln.

Großes Interesse an der Weißtanne

Forstamtsleiter Henning Schmidtke zog ein Fazit: „Der heutige Wissensstand zur Weißtanne zeigt, dass diese Baumart auch in Niedersachsen eine größere Rolle bei der Entwicklung von klimastabilen Mischwäldern spielen kann. Die hohe Anzahl von 100 Teilnehmern spiegelt die Aktualität und das Interesse an der Weißtanne wider.“

Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender der ANW, erklärte anläßlich der hohen Resonanz: „Ich freue mich, dass unsere bundesweite Initiative für diese Nadelbaumart auf so ein hohes Interesse stößt. Es wäre ein großer Erfolg, wenn es gelänge, mit der Weißtanne auf mehreren 1.000 ha neue nicht nur klimastabile, sondern auch wirtschaftlich aussichtsreiche Mischwälder zu etablieren.“

Auch die Sägewerker begrüßen die Initiative für mehr Weißtanne in deutschen Wäldern. So begründete der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher, der 540 Mitgliedsbetriebe vertritt, deren Sorge vor einem künftigen Mangel an Nadelbäumen. Im Baubereich würden zu 85 % Nadelhölzer verwendet. Das Interesse der Säger, den Rückgang des Fichtenanteiles in den Wäldern auch mit Nadelbäumen auszugleichen, sei groß.

Wälder nach Oberförster Erdmann

Vor über 120 Jahren begann Oberförster Erdmann im Bereich der damaligen Oberförsterei Neubruchhausen damit, seine kränkelnden Kiefernwälder mit anderen Baumarten anzureichern. Darunter befand sich auch die Weißtanne. In den rund 2.000 ha so geprägten Wäldern der jetzigen Forstreviere Erdmannshausen und Memsen sind so ein gutes Dutzend Baumarten vertreten. Allein die Weißtanne ist mit sieben Prozentanteilen in den vor über 100 Jahren eingeführten Mischwäldern präsent. Die Niedersächsischen Landesforsten führen die „Erdmannsche Wirtschaft“ bis heute fort. 1991 übernahmen sie wesentliche Elemente daraus in ihr Programm für die „Langfristige ökologische Waldentwicklung“ kurz „LÖWE“.

Die Weißtanne

Die Weißtanne, die früher eher in den Bergmischwäldern der südlichen Bundesländer verortet wurde, kann in vielen weiteren Waldgebieten in Deutschland angebaut werden. Sie lässt sich hervorragend in Mischwaldbestände integrieren und ihre zahlreichen Samen – ausreichende Bejagung des Rehwildes vorausgesetzt – sorgen für reichlich natürlichen Nachwuchs. Ihr Wurzelwerk, das tiefe Bodenschichten und Grundwasser erschließt und die Holzeigenschaften die denen des Fichtenholzes gleichen, machen sie zu einer aus ökologischen und ökonomischen Gründen interessanten Mischbaumart.

NLF
Die Mitarbeiter des Forstamtes Nienburg begrüßten die zahlreichen Förster aus ganz Niedersachsen im sonst so ruhigen Schwafördener Wald. Beeindruckt waren die Tagungsteilnehmer, dass Weißtannen auch im fortgeschrittenen Alter noch kräftig zulegen, wie der gefällte Baum offenbarte.

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