ForstBranche

Forst- und Holzwirtschaft fordert Anpassung des Klimaschutzgesetzes

Bearbeitet von Rainer Soppa

Klimaschutzgesetz muss Rahmenbedingungen für nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz dauerhaft schaffen und sichern. Aktuell fordern die Spitzenverbände der Forst- und Holzwirtschaft die Bundesregierung und die Mitglieder des Bundestages auf,  im weiteren Gesetzgebungsverfahren das Gesetz in der Form zu gestalten, dass die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Verwendung des regionalen, nachwachsenden Rohstoffes Holz mit seiner Klimaschutzleistung dauerhaft sichergestellt werden. 

Am 12. Mai hat das Bundeskabinett nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts ein Klimaschutzgesetz 2021 beschlossen, das den besonderen Herausforderungen des Klimawandels begegnen soll. Mit der Gesetzesänderung strebt Deutschland an, die Zielvorgaben für weniger CO2-Emissionen anzuheben. Das Minderungsziel bis zum Jahr 2030 steigt um 10 % auf mindestens 65 % und bis zum Jahr 2045 soll Klimaneutralität erreicht werden. Die Forstwirtschaft als Teil des Sektors Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstund Holzwirtschaft (LULUCF) spielt dabei eine wesentliche Rolle. Denn Die Forstwirtschaft nimmt als einziger Sektor CO2 aus der Atmosphäre auf und ersetzt mit der Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz energieintensive Materialien und fossile Brennstoffe, was zu einer zusätzlichen Reduktion von Emissionen führt.

Der Entwurf des Klimaschutzgesetzes veranschlagt für den Sektor Landnutzung und Forstwirtschaft bis zum Jahr 2045 eine Speicherleistung von mindestens minus 40 Mio. t CO2-Äquivalente als CO2-Senke, um die Emissionen anderer Sektoren auszugleichen. Der Sektor hat dafür Sorge zu tragen, die CO2-Senkenleistung der Wälder zu erhalten und zu verbessern, beispielsweise durch die nachhaltige Bewirtschaftung und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz. Aktuell wird dadurch die Atmosphäre jährlich um ca. 127 Mio. t CO2 und damit um rund 14 % der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands entlastet.

Ambitionierte Ziele

Vor dem Hintergrund der anstehenden Änderung des Klimaschutzgesetzes und der darin neu eingebrachten Zielsetzungen für LULUCF, welche den aktuellen Klimaschutzbeitrag als Netto-Senke künftig äußerst ambitioniert mit der Steigerung der Netto-Senke um 50 % auf jährlich -40 Mio. t CO2-Äquivalente zum Jahr 2045 verstärken sollen, steht zu befürchten, dass zugunsten einer Sektorisoliert betrachteten und relativ kurzfristig wirkenden CO2-Speichererhöhung die Waldflächen in Deutschland bald zunehmend aus der Nutzung genommen werden (müssen).

Die Plattform Forst und Holz appelliert deshalb dringend an die Bundesregierung und die Mitglieder des Bundestages im weiteren Gesetzgebungsverfahren das Gesetz in der Form zu gestalten, dass die nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Verwendung des regionalen, nachwachsenden Rohstoffes Holz mit seiner Klimaschutzleistung dauerhaft sichergestellt werden. Dabei dürfe nicht nur die natürliche Senkenwirkung der Wälder in den Fokus genommen werden, sondern diese müsse zwingend mit dem Holzproduktespeicher und den sektorübergreifenden Substitutionsleistungen gekoppelt betrachtet werden. Dem sollte das Klimaschutzgesetz eindeutig Rechnung tragen.

Die Plattform Forst und Holz positioniert sich zur anstehenden Änderung des Klimaschutzgesetzes. Das Klimaschutzgesetz muss aus Sicht der Spitzenverbände der Deutschen Forst- und Holzwirtschaft Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes Holz dauerhaft schaffen und sichern! Die klimawandelbedingten Herausforderungen im Bereich der Umweltauswirkungen der Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft (LULUCF) müssten anerkannt und die Ziele neu justiert werden. Eine Zieldefinition des Klimaschutzgesetztes für den LULUCF-Sektor mit steigender Senkenleistung riskiert großräumige Flächenstilllegungen.

Keine isolierte Betrachtung

Plattformsprecher und Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates Steffen Rathke betont, „für den Klimaschutz darf die natürliche Senkenwirkung der Wälder nicht isoliert betrachtet werden, sondern diese muss zwingend gekoppelt mit dem Holzproduktespeicher und den sektorübergreifenden Substitutionsleistungen gesehen werden. Dem sollte das Klimaschutzgesetz eindeutig Rechnung tragen.“ Es sind Anreize für die aktive Waldbewirtschaftung und Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz zu setzen und nicht dagegen!

Stellvertretender Plattformsprecher und Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrat e.V., Georg Schirmbeck betont: „Die natürliche Senke Wald zu erhalten, um daraus den nachwachsenden Rohstoff Holz zu gewinnen und ihre vielfältigen Ökosystemleistungen dauerhaft zu erbringen, setzt außerdem eine aktive Waldbewirtschaftung und eine aktive Anpassung der Wälder an den Klimawandel voraus.“ Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen und die gesteckten Ziele erreichen wollen, führt kein Weg an der nachhaltigen Waldbewirtschaftung und Holznutzung vorbei. „Es ist absurd, zu Hause kein Holz mehr zu nutzen und es stattdessen mit einem großen CO2-Fußabdruck aus Ländern mit niedrigeren Standards in der Waldbewirtschaftung zu importieren.“ gibt Schirmbeck zu bedenken. Nutzungseinschränkungen oder -verbote hätten zur Folge, dass verstärkt auf fossile Rohstoffe und energieintensive Materialien zurückgegriffen oder benötigtes Holz aus anderen Ländern importiert wird. Dies würde zwangsläufig zu steigenden CO2-Emissionen in der Bundesrepublik oder zu unverantwortbaren Verlagerungseffekten führen. So erreichen wir weder die Klimaschutzziele in Deutschland noch in Europa!

Steffen Rathke warnt weiterhin eindringlich davor, „dem Wald und der Landbevölkerung durch überzogene Zielvorgaben die alleinige CO2-Senken-Aufgabe aufzubürden. Das formulierte Senkenziel verkenne absolut die Realität und sei mit heißer Nadel gestrickt.“ Die Waldökosysteme seien durch den Klimawandel und durch die zunehmenden Waldschäden bedroht. Nur durch die aktive Waldbewirtschaftung und eine forcierte Holzverwendung seien das Ökosystem und die maximale CO2-Bindung des Sektors zu sichern.

Holz als Ersatz für klimaschädliche Baustoffe

Auch aus Sicht des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) bedarf es deutlicher Nachbesserungen für Wald und Holz. Für den Sektor, der auch die Forstwirtschaft und die Holzprodukte umfasst, wird nun angestrebt, bis zum Jahr 2030 in Summe 45 Mio. t Treibhausgase zu kompensieren. „Diese Zielvorgaben für die natürlichen Ökosysteme sind auch unter größten Anstrengungen nicht realisierbar. Dies hat auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 28. Mai mit Nachdruck verdeutlicht. Die kurzfristige Senkenwirkung des Waldes lässt sich nicht ohne großflächige Nutzungsverbote erreichen. Eine dauerhafte, nachhaltige CO2-Reduktion ist jedoch nur durch nachhaltige Waldbewirtschaftung und Holzverwendung möglich“, sagt Julia Möbus, Geschäftsführerin des DeSH.

„Holz speichert nicht nur CO2, sondern ersetzt auch klimaschädliche Stoffe und Materialien. Die auf diese Weise erzielten Emissionseinsparungen stehen dann auf dem Spiel und gefährden die Klimaziele insgesamt. Es ist daher wichtig, dass der Bundestag hier ein deutliches Signal für Wald und Holz setzt.“

Aus Sicht des Verbands gilt es bei den Zielformulierungen die Entwicklungen der natürlichen Ökosysteme zu berücksichtigen und dann auch nachzusteuern, wenn Extremwetterereignisse eintreten. Gleichzeitig sollten Anreize für aktive Waldbewirtschaftung, den Waldumbau und die Waldmehrung gesetzt werden. Denn ein wesentliches Instrument auf dem Weg zur Klimaneutralität in der Zukunft wird die verstärkte Verwendung von Holz in allen Bereichen sein. „Ob als klimafreundlicher Baustoff oder Verpackungsmaterial, bindet Holz über seine gesamte Lebensdauer CO2 und lässt sich am Nutzungsende noch als erneuerbare Energie verwenden“. Für das Erreichen der Klimaziele können wir auf Holz als Bau- und Werkstoff oder als Energieträger nicht verzichten, so Möbus abschließend.

Quelle: Plattform Forst & Holz