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Forst-Tagung der SDW in Niedersachsen

Forst-Tagung der SDW in Niedersachsen

Im Rahmen ihrer diesjährigen Jahrestagung versuchte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Landesverband Niedersachsen am 5. April in Hannover die Frage zu klären, wie das Natur- und Kulturerbe „Wald“ nach aktuell 300-jähriger geregelter und nachhaltiger Bewirtschaftung auch in Zukunft am effektivsten gesichert werden kann. Dem Bestreben von Naturschutzseite, zur Sicherung der Artenvielfalt generell 5 % der Waldfläche aus der Bewirtschaftung zu nehmen, stehen massive Sorgen der Holzwirtschaft um Versorgungsengpässe und um steigende Verbraucherpreise entgegen.

In einem ersten Vortrag erläuterte Dr. Anke Höltermann, Mitarbeiterin am Bundesamt für Naturschutz (BfN), dass völlig unbewirtschaftete Wälder für den Schutz der Biodiversität tatsächlich unverzichtbar sind, und dass Nutzen und Schützen definitiv nicht völlig miteinander vereinbar sind. Sie erklärte, wie das 5-%-Totalschutz-Ziel der Biodiversitätsstrategie in einem flächendeckenden Gesamtkonzept gedacht ist und dass ein begrenzter Nutzungsverzicht in Deutschland nicht zwangsläufig mit Raubbau in den Tropen einhergehen muss.

Lars Schmidt, Generalsekretär der Deutschen Säge- und Holzindustrie (DSH), beschrieb in seinem Vortrag die befürchteten Holz- und Arbeitsmarkt-Auswirkungen weiterer Unterschutzstellungen von Wald. Eindrücklich stellte er die prekäre Situation besonders der mittelständischen Holzwirtschaft vor, wo die Unternehmen bei teurer werdendem Rohstoff und hohen gesetzlichen Auflagen auf dem Weltmarkt mit Ländern mit besserer Rohholzversorgung und weit geringeren Auflagen konkurrieren müssen. Er plädierte für mehr Ressourcen-Effizienz sowohl beim Holz, als auch bei der Fläche.

Nach einem Exkurs in die Historie des Nachhaltigkeitsbegriffs zeigte Prof. Hermann Spellmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) den notwendigen Einfluss der Bewirtschaftung auf die Artenzusammensetzung und den Artenreichtum unterschiedlichster Waldlebensraumtypen und verwies auf die sinnvollen Tot- und Habitatbaum-Konzepte der Länder. Er konstatierte, dass Biodiversität im Wald weder im Kielwasser der Rohholzversorgung noch im Kielwasser des Naturschutzes automatisch entstehe. Wichtig seien Indikatoren für eine Erfolgskontrolle auch im Waldnaturschutz und ein Gespür für das Zumutbare.

Die etwa 180 versammelten Fachleute und Wald-Interessierten mussten am Ende der Tagung feststellen, dass angesichts der umfassenden und komplexen Beanspruchung der Wälder durch die heutige Gesellschaft Waldnaturschutz nur als ein – allerdings ernstzunehmendes – Teilziel einer multifunktionalen Forstwirtschaft zu haben ist.

 

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