Landwirtschaft und Wald
Die Umwandlung von Wald gilt weltweit als Hauptursache für Artenverluste.
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Forschung zu Hauptursachen für Artensterben

01. Dezember 2022
Forschende haben die weltweiten Ursachen für die durch Menschen verringerte Biodiversität in Reihenfolge gebracht. Übernutzung vorherig naturnaher Lebensräume durch Handel, Holzeinschlag und andere Nutzarten belegen dabei Platz zwei – gleich nach der Umwandlung von Wald und Grünland.

Die landwirtschaftliche Nutzung ehemaliger Wälder und ihre Intensivierung, Überfischung, zu hohe Holzeinschläge, Jagd und Handel seien Hauptursachen heute verlorener Artenvielfalt auf dem Planeten. Denn Lebensräume schrumpfen. Die heute entstandenen Nutzungsformen der Natur verursachen dazu ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen. Zu diesem Ergebnis kam eine internationale Studie der Universidad Nacional de Córdoba (UNC), des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und des Natural History Museum London, die nun in Science Advanced veröffentlicht wurde.

Klimawandel noch nicht Hauptverursacher von Artensterben

Der entstandene wissenschaftliche Bericht über die Ursachen für das Aussterben der Arten führt im Ranking die Verschmutzung der Natur auf dem dritten Platz auf – gefolgt vom Klimawandel. Da dieser noch nicht hauptverantwortlich für das weltweite Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten sei, reiche seine Bekämpfung noch nicht aus, um die Vielfalt der Arten zu sichern, so Dr. Nicolas Titeux, einer der beiden Erstautoren und mitverantwortlicher UFZ-Wissenschaftler der Studie. „Die für den Artenschwund verantwortlichen direkten Treiber sollten mit ähnlichem Ehrgeiz wie der Klimawandel ganzheitlich bekämpft werden.“

Hauptursache für den Rückgang der Lebewesen bleibe die Zerstörung von Wald. Das Ranking beziehe sich dabei auf die Ursachen an Land. In den Ozeanen belege der Klimawandel bereits den zweiten Platz als Bedrohung für die Artenvielfalt und den Lebensraum. Aber auch an Land könnten die klimatischen Veränderungen künftig zum Haupttreiber für Artenverluste in den Ökosystemen der Welt werden, vermuten die Forschenden.

Eine Millionen Arten vor dem Aussterben bedroht

Würde man den Prozess nicht abmildern, seien bald eine Millionen Pflanzen- und Tierarten vor dem Aussterben bedroht, so der Stand der Wissenschaft. Damit seien auch die Ökosystemleistungen der Naturräume gefährdet, die der Mensch brauche.

Dr. Pedro Jaureguiberry, neben Titeux Studienleiter und Wissenschaftler der UNC: „Unsere Studie liefert umfassende und fundierte Informationen darüber, welche Faktoren die biologische Vielfalt auf verschiedenen Ebenen am meisten schädigen – regional wie global. Wir hoffen, dass diese Ergebnisse zu einem ganzheitlicheren Ansatz beitragen werden, um effizientere Maßnahmen zur Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt zu entwickeln.“ Titeux ergänt: „Die derzeitigen globalen Vereinbarungen wie das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) und das UN-Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen (UNFCCC) konzentrieren sich zu sehr auf einzelne Faktoren und übersehen dabei Lösungen, die eng mit anderen Faktoren zusammenhängen.“

Klimawandel und Artensterben zusammen denken

Mitautor Prof. Andy Purvis, Natural History Museum London, sagt: „Der Klimawandel und der Verlust der biologischen Vielfalt wurden bislang weitgehend getrennt voneinander betrachtet. Politische Maßnahmen berücksichtigen oft nicht das jeweils andere Problem. So werden zum Beispiel Biokraftstoffe als eine Möglichkeit vorgeschlagen, die Klimaneutralität zu erreichen; damit verbundenen Auswirkungen auf die Natur jedoch, zum Beispiel durch die Ausweitung von Plantagen auf natürliche Wälder, nicht in die Betrachtungen einbezogen.“

Um die Ausmaße des Artensterbens einzugrenzen und die Vielfalt zu schützen, brauche es daher weltweit wirksame politische Maßnahmen, die das Klima und die Artenvielfalt schützen. Dazu sei beispielsweise es ratsam, großflächige naturnahe Wälder wiederherzustellen sowie Feuchtgebiete an Küsten zu schützen.

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Mit Material von iDiv