Waldschutz

Forschung: Welche forstlichen Maßnahmen folgen auf Waldbrände?

Bearbeitet von Carolin Föste

Am vergangenen Wochenende stand in Treuenbrietzen der Wald in Flammen – zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre, zum zweiten Mal auf einer Fläche, von der die Wissenschaft nach dem ersten Brand Lehren ziehen wollte. Teile der Versuchsflächen sind nun beschädigt.

Große brandenburgische Kiefernforste sind besonders waldbrandgefährdet. Durch den Klimawandel nehmen Hitzeereignisse zu, bei zu wenigen Niederschlägen. Welche Faktoren begünstigen Waldbrände außerdem? Das wollten die Forschenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausfinden und betreuten, unter anderen Forschenden verschiedener Institute, die treuenbrietzener Waldbrandflächen von 2018. Damit die Wissenschaft noch mehr Wissen über die Waldbrandprävention und das Feuerverhalten in Wäldern schaffen kann, müssen die Versuche nun neu aufgebaut werden.

Wissenschaftliche Untersuchungen zu Waldbränden

Motiviert hat die Forschungsinstitute nach dem ersten Waldbrand in Treuenbrietzen vor allem, dass es unter Feuerwehr und Forstleuten im Umgang mit Waldbränden viele Wissenslücken gab und die Gefahr für Waldbrände in Deutschland stetig steigt, schrieb das KIT in einer Meldung zu der Waldbrand-Forschungen südlich Berlins 2020. Das soll sich ändern, denn: „Als Folge des Klimawandels erleben wir nun extreme Hitzewellen sowie Dürren und damit steigt natürlich auch die Feuergefahr. Deutschland ist jetzt ein Waldbrandland“, sagt Dr. Somidh Saha zum aktuellen Anlass. Er ist Forschungsgruppenleiter am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT und einer der von den erneuten Bränden betroffenen Forschenden. Einige Erkenntnisse haben die Institute aber bereits vor dem erneuten Brand sammeln können.

„Um die Situation zukünftig zu kontrollieren, müssten wir schon heute stärker Fachleute für die Waldbrandbekämpfung ausbilden, die Strukturen und Verantwortlichkeiten reformieren und viel mehr Ressourcen für die Forschung zur Brandvermeidung, Brandbekämpfung, Feuerökologie und Wiederherstellung von Wäldern nach Bränden bereitstellen“, so der Wissenschaftler.

Bisher untersuchten die Forschenden, welche Baumarten sich von Waldbränden erholen können, wie Saatgut von den Schadflächen auf verschiedene Temperaturen in einer Waldbrandsimulation reagiert sowie wie Keimlinge mit erhöhter Strahlung und Trockenstress auf Kalamitätsflächen zurechtkommen.

Wiederbewaldung nach Waldbränden

Dass Mischwälder Waldbränden gegenüber resistenter sind als Reinbestände, sei bereits bekannt. In welcher Mischung welche Baumarten wo in Deutschland stehen sollten, um das Risiko für Waldbrände zu reduzieren, sei daher ein wesentlicher und notwendiger Erkenntnisgewinn.

Saha ist überzeugt: deutsche Wälder können Waldbrandresilienter gestaltet werden. „Unsere künftigen Wälder, die nach den Bränden wiederhergestellt werden, müssen in ihrer Artenzusammensetzung vielfältiger sein als Monokulturen. Das erhöht ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels.“ Sollte der Wald nach einem Brand sich selbst überlassen oder durch forstwissenschaftliche Eingriffe unterstützt werden? Darüber werde in der Fachwelt kontrovers diskutiert: „Beide Herangehensweisen haben Vor- und Nachteile. Da wir den Wald aber auch für die Forstwirtschaft und als Erholungsgebiet nutzen wollen, sollten nach einem Brand aktive und passive Wiederherstellung kombiniert werden. Ein Ansatz könnte die Gruppenpflanzung von Bäumen sein, die in Deutschland erfolgreich zur Wiederherstellung von durch Winterstürme geschädigten Wäldern eingesetzt wird.“

Quelle: KIT