Forstpolitik

„Forest Europe“: Task-Force für Europas Wälder

Bearbeitet von Rainer Soppa

Am 14. und 15. April fand die 8. Paneuropäische Forstministerkonferenz im Rahmen von „Forest Europe“ statt, bei der die Bundesregierung den Vorsitz übernimmt und bis zum Jahr 2024 innehat.

Bei „Forest Europe“ handelt es sich um einen hochrangigen paneuropäischem Politikprozess, bei dem die Förderung der nachhaltigen Waldbewirtschaftung seit 1990 im Focus steht. „Die Wälder in einem Großteil der europäischen Staaten sind schwer getroffen von den Auswirkungen des Klimawandels“, sagte Dr. Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin der AGDW – Die Waldeigentümer, „daher müssen der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Experten gestärkt werden, um gemeinsame Antworten auf diese globale Herausforderung zu finden.“

Ein Thema, das auf die Tagesordnung von „Forest Europe“ gehört, ist aus Sicht der AGDW die Honorierung der Klimaschutzleistung als eine der Ökosystemleistungen des Waldes, da der Wald und sein Rohstoff Holz ein wesentlicher CO2-Speicher sind, von dem die globale Gesellschaft profitiert. Eine Honorierung würde die Waldbewirtschafter dabei unterstützen, die Wälder klimastabil umzubauen und die durch Extremwetterereignisse zerstörten Flächen wieder zu bewalden. „Extremwetterereignisse halten sich nicht an Ländergrenzen, daher befinden sich die Waldbewirtschaftenden in Europa in einem ähnlichen Dilemma“, sagte Dr. Irene Seling, Hauptgeschäftsführerin der AGDW – Die Waldeigentümer, „sie müssen bei fehlenden Einnahmen und teils stark zerstörten Waldflächen für einen klimastabilen Waldumbau sorgen“. Nach dem Prinzip Leistung für Gegenleistung brauche es hier ein dauerhaftes Honorierungsmodell, damit die Wälder für die Gesellschaft erhalten bleiben.

„Der Vorsitz eröffnet einerseits die große Chance, in der europäischen Öffentlichkeit für die nachhaltige Waldbewirtschaftung und ihre Balance aus Ökonomie, Sozialem und Ökologie zu werben“, sagte die Hauptgeschäftsführerin. Gleichzeitig könne unter dem Vorsitz Deutschlands von den Mitgliedern von „Forest Europe“ die Definition von nachhaltiger Waldbewirtschaftung weiterentwickelt werden. „Forest Europe“ ist weltweit einzigartig im Hinblick auf den Dialog zwischen Regierungen und den Waldbewirtschaftenden. Dieser partnerschaftliche Ansatz ist essenziell und muss fortgesetzt werden, um Nutzungsverbote und ordnungsrechtliche Eingriffe in das Eigentum zu unterbinden.

„The Future We Want: The Forests We Need“

Die Bundesministerin für Landwirtschaft und Ernährung, Julia Klöckner, übernimmt mit der Konferenz den Vorsitz und das Sekretariat des paneuropäischen Forstministerprozesses für die nächsten vier Jahre von der Slowakischen Republik. Im Rahmen der Konferenz wird auch eine Resolution unterzeichnet, die den Fahrplan für die kommenden vier Jahre aufzeigt und mit dem sich die Signatarstaaten dazu verpflichten, ihre Wälder an den Klimawandel anzupassen.

Bundesministerin Julia Klöckner: „In dieser Zusammenarbeit liegen große Chancen, den Wald als einzigartigen Klima- und Artenschützer, als kohlenstoffneutralen Rohstofflieferant und Erholungsort, zu stärken. Dabei ist mir wichtig, dass wir unsere forstpolitischen Maßnahmen auf Basis einer soliden wissenschaftlichen Datengrundlage treffen.“

Der jetzt vorgelegte Bericht „State of Europe‘s Forests“ sei daher ein wichtiger Beitrag dieses Forest Europe Prozesses, so die Bundesministerin. Die zentrale Aussage des Berichts: Es wächst mehr Holz in den europäischen Wäldern nach, als genutzt wird.

„Das ist eine gute Nachricht, denn unsere Wälder sind einzigartige Rohstofflieferanten und riesige Kohlenstoffspeicher. Sie sind unsere Verbündeten im Kampf gegen den Klimawandel. Deshalb müssen wir sie an die zunehmenden Wetterextreme anpassen und fit machen für die Zukunft. In Deutschland haben wir 2019 ein beispielloses Waldumbauprogramm gestartet. Waldbesitzer erhalten Unterstützung für die Beseitigung akuter Schäden aus den vergangenen Dürrejahren, für die Wiederbewaldung der betroffenen Flächen und für den Umbau bestehender Wälder hin zu klimafitten Mischbeständen.“

Ziele des deutschen Vorsitzes

Ein ganz konkretes Vorhaben des deutschen Vorsitzes ist die Entwicklung einer „Pan-European Forest Risk Knowledge Platform“, eine Art „Task Force“ für Europas Wälder. Diese Plattform soll alle Unterzeichnerstaaten dabei unterstützen,

  • die Wälder fit für den Klimawandel zu machen,
  • die Reaktionsfähigkeit bei auftretenden Schäden zu verbessern und
  • bestmögliche Beratung bei der Wiederherstellung geschädigter Wälder zu organisieren.

Für den Hintergrund:

Forest Europe“ als paneuropäischer Politikprozess wurde 1990 gegründet, um die nachhaltige Waldbewirtschaftung zu fördern. Insgesamt sind 46 europäische Länder sowie die Europäische Union vertreten, darüber hinaus nehmen 59 Beobachter aus 14 Staaten und 45 Organisationen daran teil. Die Bundesregierung hat den Vorsitz bis 2024 inne. Die 8. Paneuropäische Forstministerkonferenz findet digital statt, eigentlich sollte sie am 14. und 15. April 2921 in Bratislava (Slowakei) tagen.

Die AGDW ist Mitglied in der Confederation of European Forest Owners (CEPF), die die Interessen der rund 15 Mio. Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen in Europa vertritt. Dieser europäische Dachverband hat 19 Mitglieder aus den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten und vier assoziierte Mitglieder. In einer aktuellen Kampagne „Welcome to my forest“ stellt der CEPF seine Mitglieder vor.

Quelle: AGDW/BMEL