Forstpolitik

Forderungen von Bundestag und Bundesrat werden Agroforstwirtschaft nicht gerecht

Bearbeitet von Rainer Soppa

Die seit Langem geforderte und nun geplante Einbindung der Agroforstwirtschaft in das Agrarförderrecht ist aus Sicht des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft sehr begrüßenswert. Umso enttäuschender seien die hierfür vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) vorgesehenen Rahmenbedingungen, die nun mit dem Entwurf der GAP-Direktzahlungen-Verordnung (GAPDZV) vorgelegt wurden.

Die Agroforstwirtschaft als multifunktionale Form der Landnutzung trage auf landwirtschaftlich genutzten Flächen u. a. zu einer verbesserten Klimaanpassung, zu mehr Klima-, Boden- und Wasserschutz sowie zu einer Erhöhung der Lebensraumvielfalt bei. Daher soll die agroforstliche Bewirtschaftung als wichtige Lösungsoption zur Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen in der Landwirtschaft künftig auch in Deutschland unterstützt und im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gefördert werden. Dies wurde unlängst sowohl im Bundestag (Drucksache 19/24389) als auch im Bundesrat (Drucksache 420/21) beschlossen.

Vor diesem Hintergrund sei es nur folgerichtig, dass zumindest die „Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Ackerland oder Dauergrünland“ als Maßnahme der Öko-Regelungen in den Entwurf der GAPDZV gelistet wurde. Denn gerade die Öko-Regelungen sollen in der künftigen Ausgestaltung der GAP zu einer Entschärfung der ökologischen Probleme im Landwirtschaftssektor beitragen.

Rechtliche Rahmenbedingungen gefordert

Wenn das seitens der Politik mehrfach bekundete Bestreben nach mehr Agroforstwirtschaft in Deutschland tatsächlich ernst gemeint sei, bedürfe es rechtlicher Rahmenbedingungen, die in der landwirtschaftlichen Praxis eine hohe Akzeptanz für Agroforstsysteme schaffen würden. Hierzu gehöre einerseits, dass den Landwirtschaftsbetrieben bei der Gestaltung von Agroforstflächen eine hohe Flexibilität ermöglicht werde und andererseits, dass komplexere und auf Langfristigkeit angelegte Anbaumethoden wie die Agroforstwirtschaft förderrechtlich nicht schlechter gestellt würden als kurzfristig wirkende und deutlich einfacher umzusetzende Maßnahmen. Beiden Aspekten werde durch die Entwurfsfassung der GAPDZV nicht bzw. nur unzureichend Rechnung getragen. Der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V. sieht daher mit Blick auf diese Verordnung erheblichen Nachbesserungsbedarf.

Dies gelte insbesondere mit Blick auf den Einheitsbetrag von 60 €/ha Gehölzfläche, was bei einem üblichen Gehölzflächenanteil von 10 % gerade einmal 6 €/ha Agroforstsystemfläche entspricht. Ein solcher Betrag fördert weder eine hohe Akzeptanz unter den Landwirtinnen und Landwirten für multifunktionale Landnutzungsformen noch deckt er annähernd die Kosten für die Bewirtschaftung von Agroforstsystemen einschließlich des Gewinnverlustes in den ersten fünf Jahren, was in besonderem Maße für Systeme mit verschiedenen Baumarten und hoher Strukturdiversität zutrifft. Der DeFAF e.V. fordert in seiner Stellungnahme zum BMEL-Entwurf der GAP-Direktzahlungen-Verordnung deshalb eine deutliche Anhebung des Einheitsbetrages auf durchschnittlich mindestens 850 € pro Hektar Gehölzfläche bei gleichzeitiger Reduzierung der Zielflächengröße von 200.000 ha Agroforstgehölzfläche auf eine realistische Größe von 15.000 ha. Hierdurch könnten Kosten und Gewinnverlust bei der Bewirtschaftung von Agroforstgehölzflächen ausgeglichen und die Akzeptanz für diese Maßnahme deutlich erhöht werden, ohne dass die für diese Öko-Regelung bereitgestellten Gesamtfördermittel erhöht werden müssten.

Neben einer deutlichen Erhöhung der Förderbeträge gebe es weiteren, dringenden Anpassungsbedarf, auf die der DeFAF e.V. in seiner Stellungnahme detailliert eingeht. Beispielsweise sollten die Formulierungen in der GAP-Direktzahlungen-Verordnung so gewählt werden, dass eine rechtssichere Anlage und Bewirtschaftung von Agroforstsystemen auch ohne Inanspruchnahme einer Förderung als Öko-Regelung möglich sei. Ferner sei eindeutig klarzustellen, dass die Nutzung der Agroforstgehölze nicht auf Energie- und Wertholz beschränkt ist. Gerade die mögliche Vielfalt an Agroforstprodukten sei für die betriebsspezifische Zielsetzung bei der Bewirtschaftung eines Agroforstsystems ein wichtiger Erfolgsfaktor und trage nicht zuletzt auch zu einer großen Vielfalt an unterschiedlichen Agroforstflächen bei. Auch eine Rückumwandlungs- und Veränderungsoption für Agroforstgehölzflächen solle in der Verordnung klar benannt und damit rechtlich sichergestellt werden.

Quelle: DeFAF