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FOR i.R. Joachim Conrad †

FOR i.R. Joachim Conrad †

Am 1. November 2009 verstarb im hohen Alter von 89 Jahren der ehemalige Leiter des Stadtforstamtes Göttingen, Forstoberrat i.R. Joachim Conrad. Conrad gehörte zu der Generation, die besonders stark den Krieg und seine Folgen tragen musste: Nach Abitur, Arbeits-, Wehr- und Kriegsdienst arbeitete er bis zum Forststudium in Hann. Münden als Waldarbeiter im bayerischen Forstdienst. Nach dem Studium arbeitete er im Lehrforstamt Hemeln, absolvierte seine Referendarzeit bei der Landesforstverwaltung Niedersachsen und legte 1952 die Staatsprüfung ab. Drei Jahre arbeitete er anschließend im Stadtwald Lübeck und lernte dort bei Augustin naturnahe Waldwirtschaft kennen. 1956 übernahm er die Leitung des Stadtforstamtes Göttingen und betreute den Stadtwald bis zu seiner Pensionierung 1985 fast 30 Jahre lang.

Der Stadtwald Göttingen entwickelte sich von 1860 bis 1925 im Zuge der Überführung von Mittelwald zu Hochwald zu einem baumartenreichen Laubmischwald mit plenterartigen Strukturen. Ab 1925 wurde er im Sinne von Möller als Dauerwald gepflegt und wurde so zu einem der ältesten Beispiele eines naturnah gepflegten Waldes in Deutschland. Joachim Conrad übernahm diese Zielsetzung und wurde zu einem Fachmann für naturgemäße Waldwirtschaft. Dabei wirkte er weit über das Göttinger Forstamt hinaus. Er arbeitete aktiv bei der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft mit. Generationen von Forstreferendaren führte er durch den Stadtwald. An der Forstfachhochschule in Göttingen lehrte er von 1977 bis 1987 praktischen Waldbau.

Darüber hinaus war es für Conrad selbstverständlich, sich beim Naturschutz und bei den Verbänden zu engagieren und die Sache des Waldes zu vertreten. Bei Reisen nach Nordamerika brachte er neue Ideen für den hiesigen Erholungswald mit, wie z.B. Festplätze im Wald mit Feuerstellen, Wasser und mächtigen Bäumen, Lehrpfade mit nordamerikanischen Baumarten.

Conrads großes Interesse galt dem Buntlaubholz. Zusammen mit dem benachbarten staatlichen Forstamt richtete er die ersten Buntlaubholzversteigerungen in Südniedersachsen aus. Studien der Holzeigenschaften und -spielarten machten ihn zum Experten für Ahorn-, Eschen- und andere seltene Laubhölzer. Seine Aufzeichnungen und Veröffentlichungen in diesem Bereich sind für alle, die waldbaulich und in der Holzverwertung mit Buntlaubholz arbeiten dürfen, ein Standardwerk.

Von seinem großen Erfahrungsschatz werden wir im Stadtforstamt Göttingen noch lange profitieren und wir sind dankbar für den wunderbaren Wald, den er uns übergeben hat.

Martin Levin

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