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Eine von den Bayerischen Staatsforsten entwickelte App beschleunigt die Suche nach von Borkenkäfern befallenen Bäumen.

Folgen des Klimawandels sorgen erstmals für Verlust bei den BaySF

Die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) ziehen trotz Trockenheit, Hitze, Stürmen und Schadinsekten eine positive Waldbilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr: Die wichtigsten strategischen Ziele, den Wald gesund zu erhalten und die Holzvorräte zu sichern bzw. auszubauen, konnten unter großen Anstrengungen erreicht werden. Auf die Geschäftszahlen haben sich die Folgen des Klimawandels sowie der daraus resultierende starke Holzpreisverfall allerdings deutlich negativer ausgewirkt: Erstmalig müssen die BaySF für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust ausweisen.

Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2020

Die BaySF haben auf ihrer Bilanzpressekonferenz in München für das Geschäftsjahr 2020 ein zweigeteiltes Resümee gezogen: Aufgrund der hohen Anstrengungen bei der Bekämpfung von Borkenkäferschäden konnte der Betrieb die Holzvorräte im bayerischen Staatswald gesund erhalten. Aber die hohen Waldschutz-Anstrengungen kombiniert mit dem schadholzbedingten starken Holzpreisverfall haben dazu geführt, dass die Bayerischen Staatsforsten erstmals in ihrer Unternehmensgeschichte einen operativen Verlust von 36 Mio. € ausweisen müssen.

„Wir befinden uns aktuell in der schwierigsten Phase seit Unternehmensgründung. In Absprache mit dem Freistaat Bayern und dem Aufsichtsrat haben wir die notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen ergriffen, u. a. ein Aufwandsmanagement und eine begrenzte Kreditaufnahme im laufenden Geschäftsjahr. Die wirtschaftliche Lage ist zwar aktuell angespannt, wir sparen aber nicht am Wald und unseren Generationenverpflichtungen“, betonte Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der BaySF.

Einschlag im Zielkorridor

Mit 5,12 Mio. Fm eingeschlagenem Holz (Geschäftsjahr 2019: 4,34 Mio. Fm) liegen die BaySF – bedingt durch die hohe Schadholzmenge – im Rahmen des nachhaltigen Hiebsatzes und deutlich unter dem Zuwachs. „Im Vergleich zu anderen Forstbetrieben in Deutschland und Mitteleuropa konnten wir den Einschlag im Zielkorridor halten und mussten aufgrund hoher Schäden nicht deutlich mehr Holz ernten, als es das Gebot der Nachhaltigkeit zulässt. Das ist ein großer Erfolg“, sagte Neumeyer.

In den Verkauf gingen 4,2 Mio. Fm. Das ist weniger als im Durchschnitt der letzten Jahre. Neumeyer: „Es ergibt aus unserer Sicht keinen Sinn in der aktuellen Krise der deutschen Forstwirtschaft mit hohen Schadholzmengen, die auf den Markt drängen, und den niedrigsten Holzpreisen seit über 20 Jahren zu viel Holz auf den Markt zu geben. Unsere Devise im abgelaufenen Geschäftsjahr lautete: Nicht mehr Holz als unbedingt notwendig auf einen schlechten Markt geben.“

Finanzielle Situation

Die Folgen des Klimawandels und die damit verbundene und bereits seit mehreren Jahren andauernde Holzmarktkrise führen zur bislang kritischsten finanziellen Situation der Staatsforsten. „Ohne mittelfristige und nachhaltige Sicherungs- und Stützungsmaßnahmen kann sich die Krise zu einer sehr ernsten wirtschaftlichen Gefahr für das Unternehmen entwickeln“, so der neue Finanzvorstand Manfred Kröninger. „Um die Handlungsfähigkeit und Liquidität unseres Unternehmens zu sichern, werden wir langfristige Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen. Dadurch stehen im Bedarfsfall ausreichend zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung“, ergänzte Kröninger.

Auf der Ausgabenseite werden weitere Maßnahmen der Kostenkontrolle umgesetzt sowie die Fokussierung der Ausgaben auf die Kerntätigkeiten – also den Schutz und Erhalt des Waldes – vorangetrieben. Kröninger: „Neben der Verbesserung der Umsatzsituation müssen wir in den nächsten Jahren deutlich zurückhaltender bei Sachinvestitionen und Ausgaben sein.“ Auch eine Kapitalstärkung durch Neustrukturierung des Eigenkapitals und der Versorgungsleistungen wird angestrebt.

Waldumbau in vollem Gange

Das Erreichen des wichtigsten strategischen Ziels, den Wald gesund zu erhalten, ist die Basis für leistungsstarke Klimawälder von morgen. Diese binden das Kohlenstoffdioxid und speichern es als langlebige Holzprodukte oder substituieren es gegenüber anderen Baustoffen. „Der Wald und dessen Bewirtschaftung ist zentral, um die Folgen des Klimawandels, die wir alle spüren, zu mildern“, sagte BaySF-Waldbau-Vorstand Reinhardt Neft.

Dafür werden die Wälder schon seit über 30 Jahren zu stabilen und klimatoleranten Mischwäldern umgebaut. „Der große bayerische Waldumbau ist in vollem Gange. Wir pflanzen bis 2024 30 Mio. neue Bäume, darunter 5 Mio. sogenannte Klimawald-Kulturen, die uns die Staatsregierung zusätzlich ermöglicht. Entscheidend für den erfolgreichen Waldumbau und die Zukunftsfähigkeit des Waldes für kommende Generationen wird es sein, die richtigen Baumarten einzusetzen, d. h. Baumarten zu nutzen, die dem Klimawandel standhalten“, so Neft weiter.

Dabei setzen die BaySF auf bewährte Baumarten wie Tanne, Eiche, Douglasie, Buche – aber auch auf ältere, oft in Vergessenheit geratene Baumarten wie Elsbeere, Flatterulme, Esskastanie, Kirsche, Eibe, Feldahorn, Sommer-/Winterlinde. Dadurch kommt es mit mindestens vier Baumarten auf einer Fläche zu einer größeren Vielfalt im Wald.

Ausblick

Mittel- bis langfristig ist die Perspektive für den Staatsforstbetrieb positiv. „Wir verspüren seit einigen Wochen im Süden und in der Mitte Bayerns wieder eine steigende Nachfrage nach frischem Nadelholz. Wir rechnen im Verlauf des Jahres 2021 für die Waldbesitzenden, dass sich die steigende Nachfrage auch in steigenden Preisen wiederspiegeln“, so Neumeyer. Auch die Borkenkäferschäden stimmen optimistisch: Besonders im Süden blieben die Schadmengen weit hinter den Prognosen des Frühjahrs zurück. „Wir rechnen aufgrund geringerer Schäden und einer langsameren Entwicklung damit, dass wir im nächsten Jahr mit einer deutlich geringeren Ausgangspopulation starten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die frisch befallenen Käferbäume auch im Herbst und Winter konsequent aufgearbeitet werden“, ergänzte Neft.

Und auch der Blick auf den Rohstoff Holz gebe Zuversicht: „Der Rohstoff Holz wird stark an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnen – auch weil er unter den Rahmenbedingungen der Herausforderungen des Klimawandels die richtigen Antworten gibt. Der verstärkte Einsatz von Holz – z. B. im Bau und der Bioökonomie – trägt zu einer besseren CO2-Bilanz unserer Gesellschaft bei“, schoss Neumeyer.

Weitere Informationen: www.baysf.de/bilanz2020

BDF Bayern: „Bewirtschaftung des Staatswaldes nicht nach Kassenlage!“

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) Bayern warnt mit Blick auf das vorgelegte Finanzergebnis der BaySF vor reflexartigen Rufen nach weiteren Kosteneinsparungen und Stellenabbau.

„Die BaySF haben im abgelaufenen Geschäftsjahr genauso gut gewirtschaftet, wie in den Jahren mit hohen Gewinnen von 80 oder 90 Mio. €. Bei einem Jahreseinschlag von 5 Mio. Fm und einem Holzpreisrückgang um rund 30 €/Fm fehlen einfach 150 Mio. € an Einnahmen“, erläuterte Bernd Lauterbach, der Landesvorsitzende des BDF Bayern. „Wenn jetzt Rufe nach zusätzlichen Kosteneinsparungen oder Stellenabbau laut würden, wäre das genau der falsche Weg.“ 

Die  Staatsforsten hätten im bundesweiten Vergleich schon jetzt die größten Forstreviere im Staatswald. Und die Herausforderungen an die Waldbewirtschaftung würden vor allem durch den Klimawandel in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen. „Wir brauchen also eindeutig mehr und nicht weniger Personal im Wald“, betonte Lauterbach Die Aussage von Staatsministerin Michaela Kaniber, dass die Frage nach Personalabbau viel zu früh komme und in dieser Krisensituation unangebracht sei, werde daher sehr begrüßt. Der BDF weist darauf hin, dass die mehr als 750.000 ha Staatswald einer der größten „Schätze“ Bayerns sind und dessen vielfältige Funktionen für die Bürgerinnen und Bürger des Freistaats langfristig erhalten werden müssen. Der BDF Bayern setzt sich daher für die folgenden drei zentralen Punkte ein:

  • Die 41 Forstbetriebe und die 370 Forstreviere sind zu erhalten und zu stärken. Durch den Klimawandel nehmen die Aufgaben beim Umbau des Waldes hin zu stabilen Mischbeständen deutlich zu. Daher ist an jedem Forstbetrieb mindestens ein zusätzliches Forstrevier einzurichten.
  • Die BaySF sind die einzige Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) in Bayern, die ihre Pensionsrückstellungen selbst tragen muss. Dadurch wird die Bilanz der BaySF jährlich mit bis zu 40 Mio. € belastet. Diese Aufwendungen sind, wie bei den anderen AöRs auch, vom Freistaat Bayern zu übernehmen.
  • Das Betriebsergebnis der Bayerischen Staatsforsten ist sehr stark vom aktuellen Holzpreis abhängig. Daher ist die Qualität der Arbeit der BaySF nicht allein am Betriebsergebnis ablesbar. Vielmehr geht es darum, dass die BaySF die zentrale Forderung des Bayerischen Waldgesetzes an die Bewirtschaftung des Staatswaldes erfüllen, nämlich den Gesamtnutzen aller Waldfunktionen – Schutz, Erholung und Nutzung – zu optimieren (Art. 18 BayWaldG). Daher sind negative Betriebsergebnisse dauerhaft vom Eigentümer Freistaat Bayern auszugleichen.

Quelle: BaySF/BDF/Red.

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