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Helmut Hohnheiser legt viel Wert darauf, die Weißtanne in seinem Revier zu etablieren.

Förster aus Leidenschaft

Helmut Hohnheiser leitet das Forstrevier Virngrund im Ostalbkreis in Baden-Württemberg seit 28 Jahren mit großer Leidenschaft. Als Förster durch und durch steht er für naturgemäße Waldwirtschaft, Waldbau durch engagierte Jagdausübung und Naturschutz im Wald. Sein Credo: „Nicht reden, machen“.

Wenn man Rosenberg, den Heimatort von Helmut Hohnheiser, erreicht, bietet sich einem ein grandioser Blick über den Ostalbkreis; eine weite Ebene, durchzogen von Wäldern, Äckern und Wiesen. Windräder thronen über den Waldbeständen. Das sah vor 28 Jahren, als der Förster seinen Dienst hier antrat, ganz anders aus. Windräder gab es keine und der Waldbestand lag zum Großteil darnieder. „Als mir das Revier am 1. September 1991 übertragen wurde, waren ca. 90 % des insgesamt etwa 65.000 Fm umfassenden Sturmholzes aus ‚Wiebke‘ und ‚Vivian‘ bereits aufgearbeitet. Fast 100 ha flächige Würfe und gut 200 ha mehr oder weniger durchbrochene Bestände standen zur Umwandlung in stabile Mischwälder an“, erinnert sich der großgewachsene Forstmann.

Genau in diesem Aufgabengebiet entfaltete sich fortan das ganze forstliche Tun des jungen und engagierten Revierförsters: „Wir haben die Sturmflächen in Stieleichen-, Buntlaubholz- und vor allem Weißtannen Mischbestände überführt und in den Folgejahren auch dahingehend gepflegt.“ Aber wie? Durch Pflanzung, ja, aber – natürlich – auch mittels Naturverjüngung. In allen durchbrochenen Beständen lief eine großflächige Naturverjüngungswelle an. In der Höhenlage von 430 m bis 530 m im Wuchsbezirk Schwäbisch-Fränkischer Wald würde von Natur aus ein Tannen-Buchenwald mit Kiefer und einzelnen Fichten an Moorrändern stocken. „Ganz wichtig“, betont Hohnheiser „vor allem durch straffe Bejagung konnten wir diese zuvor ungeahnten Naturverjüngungsvorräte auch wirklich sichern.“ Jeweils nachlaufende Borkenkäferwellen ergaben zusätzlich Umbaunotwendigkeiten oder, wie es der Förster ausdrückt, Umbaumöglichkeiten. „Das haben wir konsequent genutzt und umgesetzt.“ Dabei zeigt sich der aus der Region stammende Mittfünfziger findig und kreativ: „Parallel zum klassischen Vorbau haben wir im Revier ein auf die örtlichen Verhältnisse zugeschnittenes Saatverfahren entwickelt.“ Hohnheiser ist jetzt in seinem Element: „Selbstgewonnenes Saatgut aus im Spätsommer/Früherbst durchgeführten Durchforstungen gewinnen wir vom liegendem Stamm; wir lagern es 3 bis 4 Wochen im Schuppen und lüften bzw. wenden (klengen) die Zapfen, sieben anschließend die ausfallenden Samen und bringen diese im Oktober/November als Plätzesaat im Bestand aus.“ Ebenso einfach wie effektiv. Das Verfahren wurde sogar im Rahmen einer Bachelorarbeit an der FH Rottenburg vergleichend dargestellt. Hohnheiser: „Dank dieses Saatverfahrens ist es uns gelungen, aktuell fast alle umbaunotwendigen Bestände im Revier mit der Weißtanne vorzubauen.“ Nicht nur das: Die Bestände auf „Wiebke“-Sturmflächen sind mittlerweile Z-Baum orientiert erstdurchforstet und die Z-Bäume auf 5 m geastet. „Sie lassen so auch in der Zukunft eine hohe Wertleistung erwarten“, ist sich der Förster sicher. Durchdacht, stringent durchgeführt und erfolgreich zu Ende gebracht: Nicht Reden, machen, so die Devise des Försters. Würde er kein kurzärmeliges Hemd tragen, wären die Ärmel hochgekrempelt.

Ohne Jagd läuft nichts

Der Waldumbau in Weißtannen-Mischbestände ist dabei ohne engagierte Jagd undenkbar, weiss Hohnheiser. Die Naturverjüngung und Voranbauten, vor allem aber die Tannensaatflächen in den fast reinen Fichtenbeständen, erfordern anhaltende und zielorientierte Bejagung. „Parallel dazu haben wir alle Möglichkeiten der Äsungsverbesserung genutzt“, ergänzt er. Ehemalige Planzschulflächen, Leitungstrassen und passend gelegene Erschließungslinien sind wildtiergerecht gestaltet, sodass auf ca 1,5 % der Waldfläche einerseits ein ausreichendes Nahrungsangebot vorhanden ist – nicht nur für die jagdbaren Wildtierarten – und andererseits der Abschuss erst in der notwendigen Größenordnung ermöglicht wird. 930 ha Jagdfläche unterstehen dem Förster. Mit Hingabe und aus forstlicher Überzeugung erledigt er das Jagdhandwerk; der Abschuss liegt bei 10 Stück Rehwild auf 100 ha.

Revierdienst im Wald

Natürlich ist der Revierförster der Ansprechpartner für alle Belange im Wald, egal wo und egal bei wem gerade was anliegt. „Die Leute wissen: man kann den Förster immer anrufen; wegen allem, was irgendwie und manchmal auch nur entfernt mit meinem forstlichen Dienstkatalog übereinstimmt.“ Da ist der Marder, der im Dorf sein Unwesen treibt, da ist es der Waldbesitzer, der nochmal eine Frage hat, dann will die Dorfjugend am Waldrand „abfeiern“ und obendrein beschwert sich ein besorgter Bürger über abgelegten Müll am Waldrand. „Es ist die Breite des Jobs, die mich so fasziniert,“ siniert Hohnheiser, selbst zweifacher Vater von erwachsenen Kindern. Da wundert es nicht, das der Förster in seinen Job auch seine zweite Passion, das Reiten, gut integrieren kann. „Borkenkäferkontrolle von meinem Rappen Santa Lucia aus ist sehr effektiv, ich kann nach oben schauen, unten habe ich Allrad“, lacht er.

Naturschutz aus Überzeugung

„Wichtig ist es mir, nicht nur die Wertschöpfung als Holzproduktion im Auge zu haben, sondern den Wald mit all seinen Facetten und dennoch wertorientiert wieder herzustellen und zu erhalten,“ betont Hohnheiser. Und auch hier kommt der Macher zum Vorschein: Ein Feuchtbiotop wird kurzerhand geschaffen, Kunsthorste für Schwarzstöche angelegt und um einige Waldflächen wiederzuvernässen wird auch schon mal zu unkonventionellen Mitteln gegriffen: „Zum Ende der Bundeswehrzeit hier am Ort haben wir einige Gräben mithilfe von Sprengstoff wieder verschüttet“, verrät der Förster. Gerade die Kunsthorste für Schwarzstörche stoßen auf reges Interesse, auch in der Öffentlichkeit. Hohnheiser scheut hier keine Mühen. Neben Aktivitäten für Schulklassen und Kindergärten bietet er regelmäßig Führungen und Exkursionen für Erwachsene, teilweise auch für spezielle Zielgruppen wie Waldbesitzer oder ehrenamtliche Naturschützer. „Diese haben sich im Laufe der Zeit zu etablierten Vortragsrunden im Wald entwickelt.“ Genauso engagiert sich der Förster berufsständisch: „Seit meiner Zeit an der FH Rottenburg bin ich im Bund deutscher Forstleute durchgehend in Funktionsverantwortung.“ Derzeit übt er das Amt eines stellvertretenden Gruppenvorsitzenden aus. „Mir bereitet der Trend zu immer größeren Einheiten große Sorge gerade auf der für die Fläche zuständigen Revierebene. Zukunftsfähige, naturnah gemischte und gestufte Mischwälder aus einseitig nadelbaumbetonten Forsten zu entwickeln wird aber nur bei entsprechenden Reviergrößen im wünschenswerten und notwendigen Umfang gelingen können“, ist sich der Förster aus Leidenschaft sicher.

Wer will, dass Helmut Hohnheiser Förster des Jahres wird, kann online abstimmen.

Martin Steinfath

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