Installation der hinteren und vorderen Querstücke, zusammen mit Konstruktionen (Pastellen genannt), an denen die großen Ruder befestigt sind, Österreich
Installation der hinteren und vorderen Querstücke, zusammen mit Konstruktionen (Pastellen genannt), an denen die großen Ruder befestigt sind, Österreich
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Flößerei wird Immaterielles Kulturerbe

11. Dezember 2022
Die UNESCO hat die Flößerei zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt. Damit würdigt die UN-Kulturorganisation eine Tradition, die seit dem Mittelalter in Europa lebendig ist. Deutschland, Lettland, Österreich, Polen, Spanien und Tschechien hatten die Anerkennung gemeinsam beantragt.

Die Würdigung der Flößerei durch die UNESCO sei auch eine Auszeichnung der europäischen Zusammenarbeit, erklärt Katja Keul, Staatsministerin im Auswärtigen Amt. „Dass Flößerinnen und Flößer aus sechs Staaten gemeinsam am Erhalt unseres kulturellen Erbes arbeiten, zeigt, wie wichtig das Engagement der Zivilgesellschaft für den internationalen Dialog ist.“

Jahrhundertealte Handwerkskunst

Die Flößerei ist der Transport von Holz auf dem Wasserweg. Seine Blütezeit erlebte das Handwerk in Europa zwischen dem Mittelalter und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Flößerei spiegelt sich die Wirtschaftsgeschichte des Kontinents. Ohne die Versorgung mit Floßholz wäre die Entwicklung vieler Städte undenkbar gewesen. In Deutschland wurde zuletzt in den 1980er Jahren gewerblich geflößt, doch die Tradition lebt bis heute fort.

„Die Erklärung der Flößerei zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit ist Ausdruck der Wertschätzung für dieses bedeutende Handwerk“, unterstreicht Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Vorsitzende der Kulturministerkonferenz. „Die Flößereivereinigungen leisten einen wertvollen Beitrag sowohl für die Traditionspflege vor Ort als auch für das soziale Leben im ländlichen Raum. Sie geben einer Tradition Heimat und Zukunft und sind deshalb so wichtig für die Identität und das Gefühl der Zusammengehörigkeit für viele Menschen in ganz Deutschland.“

Flößen ist Gemeinschaftsarbeit

Durch die oft weiten Wege, die zwischen waldreichen Regionen und dem Bestimmungsort des Holzes zurückgelegt werden mussten, lebten und arbeiteten die Flößer in der Vergangenheit nicht selten für Wochen miteinander auf ihrem Gefährt. Dadurch entstand eine Gemeinschaft, in der die Fertigkeiten und Techniken des Floßbaues und der Navigation entwickelt und weitergegeben wurden.

Geflößt werden kann auf nahezu allen Gewässern, auf kleinen Bächen ebenso wie auf großen Flüssen. Teamwork spielt dabei eine wichtige Rolle. Nur gemeinsam gelingt es den Flößerinnen und Flößern, aus Holzstämmen selbst Gefährte von enormen Ausmaßen zu binden und zu steuern. So entstanden auch Flöße, die bis zu 600 Meter lang, 50 Meter breit und 2 Meter hoch waren.

Bedeutung des Holztransports erleben

Die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit sei eine Würdigung der jahrzehntelangen Arbeit von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern in 27 Vereinen, die das alte Handwerk der Flößerei durch Floßbau und Floßfahrten lebendig erhalten, sagt Martin Spreng, erster Vorsitzender der Deutschen Flößerei-Vereinigung. „Das ist vor allem für junge Menschen interessant, die dadurch einen erlebbaren Zugang zur Geschichte und Bedeutung des Holztransportes und des Holzhandels erhalten, der Jahrhunderte lang das Leben der Menschen mitgeprägt hat.“

„Die Flößerei ist eine Handwerkskunst, die seit Jahrhunderten über Generationen und Grenzen hinweg gepflegt wird“, betont Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission und Vorsitzender des Expertenkomitees Immaterielles Kulturerbe in Deutschland. „Damals wie heute beruht sie auf technischem Know-how und der Beziehung zwischen den Menschen und der Natur.

Quelle: UNESCO