Forstpolitik

Fit for 55: Klimaschutz ohne Sinn und Verstand?

Bearbeitet von Heinrich Höllerl

Die Europäische Kommission stellte am 14.7.2021 ihr „Fit for55“-Paket vor. 12 Gesetzesvorschläge sollen zur Verringerung von Treibhausgasen beitragen. Dadurch sollen die Emissionen bis 2030 um 55% sinken und bis 2050 Klimaneutralität erreicht sein. Zusätzlich veröffentlicht die EU-Kommission einen Entwurf für eine neue EU-Waldstrategie. Die Pläne lösten europaweit heftige Reaktionen aus. Auch in Deutschland äußerten viele Verbände aus dem Forst- und Holzsektor zum Teil harsche Kritik:

Viele Akteure greifen vor allem den Entwurf zur Verordnung über Landnutzung und Forstwirtschaft (LULUCF) auf, der eine deutliche Erhöhung der CO2Bindung innerhalb des Sektors von 225 auf 310 Mio. t bis 2030 vorsieht. Werde die Vorgabe der Bindungsleistung derart erhöht, bliebe kaum eine Alternative, als den Aufbau von Kohlenstoff im Wald zu steigern, indem auf Waldnutzung verzichtet und der Vorrat erhöht werde, kommentiert Lukas Freise, Geschäftsführer der AG Rohholz. Der Entwurf zeige zwar den Widerspruch zwischen der Erhöhung der Waldsenke durch höhere Holzvorräte und dem steigenden Bedarf nach nachhaltigen Holzprodukten, könne ihn aber am Ende nicht auflösen.

Der DFWR-Präsident Georg Schirmbeck nannte das in seiner Stellungnahme „Klimaschutz ohne Sinn und Verstand“. Das teils widersprüchliche Paket bremse den Klimaschutz aus, gefährde den Zusammenhalt in der EU und untergrabe das Vertrauen in verantwortungsvolle Politik. Neben der langfristigen Holzverwendung werde man die ambitionierten Ziele des Klimaschutzgesetzes auch nicht ohne die energetische Holznutzung erreichen. Der DFWR fordert eine ganzheitliche Betrachtung unter Berücksichtigung alle Ökosystemleistungen und eine faire Beteiligung der Akteure.

Der neue Entwurf der EU-Forststrategie in Kombination mit der Biodiversitätsstrategie greift zusätzlich stark in Bewirtschaftungspläne der Mitgliedsstaaten ein, kritisiert die AGR weiter. Demnach sollen bis zu 30% der Landesfläche unter strengen Schutz gestellt, 10% gänzlich aus der Nutzung genommen werden.

Nach Ansicht von Max von Elverfeldt, dem Vorsitzenden der Familienbetriebe Land und Forst würde der Wald damit als CO2-Speicher für andere Sektoren mißbraucht. Die im Entwurf anklingende Idee, neue Waldfläche zu schaffen, habe an vielen Orten in der EU sicher Potenzial, findet Freise von der AGR auch versöhnliche Worte.

Auch die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner plädiert für mehr Mitspracherecht der Praktiker. Die Strategie ‚Fit for 55‘ sei ein zentraler Baustein des Green Deals, zu dem sich alle EU-Staaten verpflichtet haben. Trotzdem könne man in Brüssel biologische Vorgänge und zeitliche Abläufe nicht ignorieren.

AGR, BMEL, DFWR, Familienbetriebe Land und Forst e.V.