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Fischotter ist wieder eine hessische Art!

Fischotter ist wieder eine hessische Art!

Die hessische Naturschutzverwaltung gab im Jahr 2013 in mehreren Landesteilen eine gezielte Suche nach dem Fischotter in Auftrag, nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Hinweise auf herumstreifende Einzeltiere gegeben hatte. Die Ergebnisse waren genau so überraschend wie positiv. Orientierende Untersuchungen des Regierungspräsidiums Darmstadt und von Hessen-Forst (Servicezentrum für Forsteinrichtung und Naturschutz – FENA) erbrachten Nachweise des Wassermarders an der Eder, im Vogelsbergkreis sowie im Spessart an der hessischen Landesgrenze im Main-Kinzig-Kreis.
Dabei kam der Zufall zu Hilfe. Im Vogelsbergkreis steht eigentlich derzeit der Luchs im Fokus. Seit dem Herbst 2013 führt der Sachbereich Naturschutz der FENA dort an 45 Standorten mittels Foto-Kameras ein Luchs-Monitoring durch. Umso größer war die Überraschung, als auf einer der Aufnahmen ein „fischotterähnliches“ Tier zu sehen war. Die FENA wollte es genauer wissen und beauftragte einen bayerischen Fischotterexperten, intensiver nach Hinweisen auf den Fischotter zu forschen – und tatsächlich konnte das Tier auf diese Art an mehreren Bachläufen des Vogelsberges zweifelsfrei nachgewiesen werden.
Gleichzeitig wurde auch das Regierungspräsidium in Darmstadt fündig. Im Auftrag der oberen Naturschutzbehörde untersuchte ein Fischotterexperte aus Österreich Gewässer im Spessart und der Eder im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Und auch hier gelangen eindeutige Nachweise: Der Fischotter (Lutra lutra) ist also auch wieder eine hessische Art!
Landesweite Untersuchung und Statusermittlung
Auf Grundlage der regionalen Nachweise ist für das Jahr 2015 ist nun eine landesweite Untersuchung zur Verbreitung des Fischotters in Hessen geplant. Es gilt, den Status der Art zu erfassen. Handelt es sich noch um Einzeltiere auf Reviersuche oder gibt es bereits Bestände, die erfolgreich reproduzieren?
Gleichzeitig wurden die zuständigen Behörden vom Umweltministerium aufgefordert, den Fischotter bereits jetzt bei der FFH-Maßnahmenplanung zu berücksichtigen. Für den hochgradig gefährdeten Wassermarder, der in den Anhängen II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geführt wird und besonders an verkehrsreichen Straßen leicht unter die Räder kommt, können damit bereits vorauslaufend Schutzmaßnahmen ergriffen und beispielsweise Brückenbauwerke „entschärft“ werden.
Mithilfe der Bevölkerung
Um dies zu erreichen, wurde seitens der Naturschutzbehörden eine landesweite Arbeitsgruppe gegründet, die künftig notwendige Maßnahmen koordinieren soll. Um den wenigen, heimlich lebenden Tieren auf die Spur zu kommen, bittet das Servicezentrum für Forsteinrichtung und Naturschutz (FENA) um Mithilfe der Bevölkerung.
FENA bittet, alle Otter-Beobachtungen und Hinweise möglichst mit genauer Ortsangabe und Fotonachweis zu melden. Nur wenn die Standorte der Art bekannt sind, können gezielte Schutzmaßnahmen ergriffen werden.
Doch auch indirekte Hinweise auf Fischotter können dabei hilfreich sein:
• Markierung unter Brückenbauwerken mit Kot und Drüsensekret, was er bevorzugt an markanten Punkten an Land absetzt: Der mit Fischschuppen und Grätenresten durchsetzte Fischotterkot hat einen unverwechselbaren Geruch, den Experten als „fischig-fruchtig mit einem Hauch von Moschus“ beschreiben.
• Pfoten-Abdrücke: Interessanterweise unterqueren Fischotter Brückenbauwerke gerne trockenen Fußes auf den sog. Banketten (befestigte Bereiche rechts und links des Gewässerlaufes). Hier hinterlässt er in feuchten, weichen Bodenbereichen auch seine typischen Fußabdrücke.
• Verkehrsopfer: Fehlt ein solcher „Randstreifen“ wird dies dem Fischotter oft zum Verhängnis. Er überquert dann – im Bestreben trockenen Fußes das Bauwerk zu passieren – häufig die Straße – was ihn leicht zum Verkehrsopfer werden lässt – leider auch eine Form des Nachweises.
 
Die Säugetier-Expertin Susanne Jokisch bei Hessen-Forst FENA freut sich über alle Hinweise auf mögliche weitere Fischottervorkommen in Hessen: susanne.jokisch@forst.hessen.de
 

Zu den Infos zum Thema Fischotter bei Hessen-Forst

 
HMUKLV/Hessen-Forst
Fischotterexperte Markus Schwaiger bei einem Geländetermin im Vogelsberg. Susanne Jokisch Eine charakteristische Spur: Der mit Fischschuppen und Grätenresten durchsetzte Fischotterkot hat einen unverwechselbaren Geruch Ein mögliches Fischotter-Biotop im Vogelsberg. Susanne Jokisch

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