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Finanzielle Unterstützung der Waldbesitzer für Klimaschutzleistungen gefordert

Der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus, hat sich am 8. Juli auf der Landtagssitzung in Schwerin dafür ausgesprochen, die Leistungen der Waldbesitzer zum Schutz des Klimas mit Mitteln aus dem CO2-Zertifikatehandel finanziell zu unterstützen.
„Komplexe Klimamodelle prognostizieren auch für Mecklenburg-Vorpommern eine spürbare Klimaveränderung. So werden in den nächsten Jahrzehnten tendenziell ansteigende Temperaturen und abnehmende Sommerniederschläge erwartet. Außerdem muss mit einer Zunahme extremer Witterungsereignisse (Orkane, Dürre, Überschwemmungen) gerechnet werden. Das Klima wird sich vielfältig auf unsere Wälder auswirken, denn neben dem Boden ist das Klima der wichtigste natürliche Standortfaktor. Im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftsbereichen verfügt die Forstwirtschaft über einen wesentlich geringeren Handlungsspielraum, um auf negative Wirkungen des Klimawandels zu reagieren“, sagte Minister Backhaus.
In seiner Rede vor den Abgeordneten machte er deutlich, dass es forstpolitisches Ziel sei, die Funktionsfähigkeit der Wälder in ganzer Breite nachhaltig zu sichern. Dazu müssten die Waldbestände nicht nur an die aktuellen Standortgegebenheiten gut angepasst sein, sondern müssen wegen des sich ändernden Klimas auch über eine möglichst große Anpassungsfähigkeit verfügen. In diesem Sinne habe das Landwirtschafts- und Umweltministerium ein „Maßnahmenkonzept zur Anpassung der Wälder Mecklenburg-Vorpommerns an den Klimawandel“ erarbeitet. Das Konzept enthalte erstmals die aus Sicht des Landes wichtig-sten Aktivitäten zur Waldanpassung an den Klimawandel.
„Das Ziel lautet: Entwicklung klimaplastischer Wälder, die auch künftig ökonomische, ökologische und soziale Funktionen nachhaltig gewährleisten. Dazu gehören Maßnahmen wie:
  • Erarbeitung klimarelevanter Standortinformationen und darauf aufbauend Identifizierung von Wald-Risikogebieten.
  • Durchführung von Untersuchungen zur Stresstoleranz und Anpassungsfähigkeit heimischer Baumarten sowie Prüfung der Anbaueignung fremdländischer Baumarten.
  • Forcierte Weiterführung des Umbaus nicht standortgerechter Nadelbaumbestände.
  • Anpassung und Optimierung der Überwachungs-, Prognose- und Bekämpfungsmaßnahmen für Schaderreger im Wald.
  • Qualifizierung der Waldbesitzer für die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass von Waldbesitzern und Forstverwaltungen wegen des Klimawandels in nächster Zukunft große Anstrengungen bzw. finanzielle Mittel zur Risikovorsorge aufzubringen sind. Aus eigener Kraft können sie diese jedoch nicht leisten. Deshalb bin ich der Auffassung, dass ergänzend zu der bestehenden forstlichen Förderung eine finanzielle Unterstützung mit Mitteln aus dem CO2-Zertifikatehandel erfolgen muss.“
An Beispielen verdeutlichte Backhaus die Leistungen der Wälder zum Klimaschutz. So werden in deutschen Wäldern bereits heute über 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, davon rund 50 Millionen Tonnen in Mecklenburg-Vorpommern. Die jährliche Kohlenstoffanreicherung der Wälder Deutschlands beträgt dank nachhaltiger Waldnutzung 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. „Das sind Leistungen zum Schutz des Klimas, die dem Waldbesitzer bisher nicht vergütet werden“, machte der Minister deutlich.
„Wird die Kohlenstoff bindende Funktion der Wälder gezielt weiterentwickelt“, so der Minister, „könnten zusätzlich jährlich 3,8 Mio. Tonnen Kohlendioxid in Deutschland gebunden werden. Darin enthalten sind Neuaufforstungen, Erhöhung der Holzvorräte und stoffliche sowie energetische Substitutionsleistungen. Allein dieses zusätzliche Minderungspotential beträgt bei einem unterstellten Zertifikatpreis von 12 Euro pro Tonne Kohlendioxid jährlich  45 Millionen Euro. Bezogen auf die Waldfläche errechnet sich für Mecklenburg-Vorpommern ein Betrag von über 2 Millionen Euro im Jahr. Mit diesem Geld könnten viele der dargelegten Maßnahmen finanziert werden.“
Auch die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner habe betont, dass sie sich für einen entsprechenden Waldklimafonds einsetzt. Bisher sei sie jedoch an der Umsetzung gescheitert.
„Umso wichtiger ist es, dass der Landtag in dieser Angelegenheit ein klares Signal sendet. Bei der Verteilung der Mittel, die aus den Versteigerungserlösen des Handels mit Treibhausgasemissionszertifikaten stammen, ist die Forstwirtschaft angemessen zu beteiligen, da sie unverschuldet und in besonderem Maße unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden hat. Insofern handelt es sich nicht um Almosen, sondern um Geld, das aufgrund der Leistungen des Waldes zum Schutz des Klimas den Waldbesitzern zusteht und das die Forstwirtschaft für die Schaffung klimaangepasster Wälder benötigt.
Diese Forderung steht im Einklang mit Artikel 10 der Emissionshandels-Richtlinie der EU. Bei der Verwendung der Einnahmen aus der Versteigerung der Zertifikate aus dem Emissionshandel wird ausdrücklich die „Kohlenstoffspeicherung durch die Forstwirtschaft“ benannt. Die Bundesrepublik Deutschland hat damit die rechtliche Grundlage, die es nun umzusetzen gilt. Das Land hat in den vergangenen Jahren viele konkrete Vorarbeiten geleistet. So hat beispielsweise die Waldaktie internationale Resonanz und Nachahmung gefunden. Es wird Zeit, dass auch die europäische Gemeinschaft und die Bundesrepublik Deutschland dem Wald und der Forstwirtschaft in dieser schwierigen Lage helfen“, sagte Minister Backhaus abschließend.
 
LU M-V

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