Fiberdrive-9.5
Der Prototyp des Fiberdrive 9.5 mit seinem Pendelarmfahrwerk
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Fiberdrive 9.5

27. Mai 2020

Erinnern Sie sich noch an das „Biest“? Im Jahr 2000 entwickelte Christer Lennartsson den ersten fahrerlosen, ferngesteuerten Harvester. Kurz danach kam die „Schöne“ – ein Harwarder mit einem ausgefeilten Schnellwechselsystem für das Ernteaggregat und den Greifer. Schon in den 1990ern hatte er mit dem „Fiberpac“ das erste Bündelgerät für Rest- und Energieholz gebaut. Mittlerweile ist der Schwede 68 Jahre alt, tüftelt aber unermüdlich weiter an Forstmaschinen. Sein jüngster Coup nennt sich Fiberdrive 9.5 und fasst viele seiner bisherigen Erfindungen zusammen.

Harwarder

Es handelt sich dabei letztlich wieder um ein Harwarderkonzept. Allerdings mit einem Fokus auf der Funktion als Erntemaschine. Der Rungenkorb mit rund 5,5 t Kapazität ist relativ klein und eher für Randsortimente gedacht, oder für die Bergung von Kleinmengen. Zum Einsatz kommt ein konventioneller Erntekopf Logmax 4000, der am Polterplatz via Schnellkupplung innerhalb weniger Sekunden gegen einen Greifer ausgetauscht wird.

Trotz sehr kompakter Abmessungen der Maschine – 8 m Länge und nur 2,5 m Breite mit 600er Bereifung – besitzt der selbstkonstruierte Kran eine Reichweite von 11 m. Damit die ganze Fuhre bei seitlicher Auslage nicht kippt, sitzt die schwere Krankonsole auf dem Drehkranz bewusst hinter dem Führerhaus und bildet so ein Gegengewicht beim Ausschwingen.

Pendelarme

Wie schon bei früheren Konstruktionen, setzt Lennartsson auf ein Fahrwerk mit Pendelarmen für jedes einzelne Rad, um Bodenunebenheiten auszugleichen. Der Verstellbereich beträgt 80 cm. Damit spart er sich ein Verdrehgelenk in der Mitte des Fahrzeugs und erreicht einen enormen Knickwinkel der Lenkung von je 50° nach rechts und links. Zudem integriert er eine automatische Spannfunktion für Bogiebänder in das Fahrwerk. Durch eine hohe Vorspannung sollen die Bänder das Gewicht der Maschine (geschätzte 12 bis 14 t) besonders bodenschonend verteilen.

Hybrid

Das modernste Feature des Fiberdrive 9.5 betrifft den Antrieb. Unter der Plattform des Hinterwagens findet sich nämlich nur ein sehr kleiner Dieselmotor mit gerade einmal 60 kW. Der arbeitet wie ein Stationärmotor und versorgt permanent einen Hydraulikspeicher mit Druck. Mit dessen gespeicherter Energie werden sämtliche Lastspitzen bei der Arbeit abgepuffert, ähnlich wie das HSM ja auch schon seit einigen Jahren im Kleinformat für den Kran anbietet. Auch der Vortrieb des Fiberdrive erfolgt rein hydraulisch über vier einzelne Radmotoren. Das Konzept bietet auch die Möglichkeit, Motorleistungen bis 100 kW zu verbauen, allerdings gelten da wesentlich schärfere Abgasgrenzwerte, was mit einer aufwändigen Reinigung verbunden ist.

Die ganze Maschine ist bewusst einfach gebaut mit vielen geraden Blechen und wenigen Bearbeitungsschritten. Das sollte eine günstige Serienfertigung ermöglichen. Die Kabine des Prototypen stammt von Rottne.

Bisher blieben die meisten von Christer Lennartssons Erfindungen trotz ihrer Genialität Einzelstücke. Mal schauen, ob sich diesmal ein Hersteller findet.

Heinrich Höllerl