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Auf weichen Sohlen

Das Forstrevier Dischingen liegt unweit vom Nördlinger Ries. Die Tonlehme aus dem Auswurfmaterial des Meteoriteneinschlags sind extrem problematische Böden. In den Rückegassen kämpft der Forstbetrieb auch mit den Sünden der Vergangenheit. Hier ist Bodenschonung mehr als eine Floskel.

Der Waldbesitzer ist die Blauwald GmbH mit Sitz in Aalen. Der vorherige Eigentümer hatte eigene Maschinenkapazitäten und da lief es wie so oft: Wenn die Witterungsverhältnisse so schlecht waren, dass man bei Kunden nicht mehr fahren durfte, ging man in die eigenen Flächen. Das hat deutliche Spuren hinterlassen. Die neue Betriebsleitung setzt einiges daran, diese Zustände zu verbessern.

Werner Neufischer aus Neresheim ist der Stammunternehmer im Blauwald. In enger Zusammenarbeit mit dem Revierleiter Matthias Kieninger hat er seine Maschinenkombination zusammengestellt. Seine Grundüberlegung: Lieber mit kleineren Maschinen fahren und damit von Haus aus weniger Gewicht auf den Boden bringen. Als Harvester nutzt er einen MHD Neuson 9002, beim Forwarder setzt er seit zwölf Jahren auf Gremo. Der aktuelle 1050 F liegt trotz Achtrad-Fahrwerk und 9,2 m langem Cranab-Kran noch unter 13 t: „Mit dem bin ich voll beladen so schwer wie manche 14-t-Maschine leer.“ Die ersten Versuche in Sachen boden- und zugleich wegeschonender Bänder startete er vor Jahren mit einem Satz Street-Rubbers. Aber diese umgebauten Panzer-Laufbänder sind eben enorm schwer und das optische Ergebnis im Wald war noch nicht optimal. Auf der KWF-Tagung in Bopfingen 2012 hatte er zum ersten Mal die Felastec-Kunststoffbänder von Felastopur aus Beverstedt gesehen. Die Rückmeldungen von Kollegen dazu waren auch positiv. So wagte er zusammen mit dem Forstbetrieb 2014 einen Versuch: Um das Bestmögliche herauszuholen, stattete man den Hinterwagen sogar mit überbreiten Bändern aus. Hier sind die Stege über den 710er-Reifen einen ganzen Meter breit, vorne sind es 87 cm. Mittlerweile sind die Bänder die dritte Saison im Einsatz und alle sind sehr zufrieden mit der Investition: „Wir haben es tatsächlich sogar geschafft, viele von den alten Gleisen wieder zuzufahren,“ freut sich Kieninger.

Gewicht

Bodendruck Kunststoffbänder
Wenn die Struktur der Grasnarbe erhalten bleibt, erholt sich der Oberboden innerhalb weniger Wochen Foto: H. Höllerl

Die Felastopur-Bänder sind wesentlich leichter als Tragbänder aus Stahl. Mit rund 500 kg pro Band wiegen sie nur ungefähr die Hälfte, dafür sind sie jedoch fast doppelt so teuer. Da muss die Leistung und die Dauerhaltbarkeit schon stimmen. Als zusätzlichen Anreiz hat seinerzeit die Investition der Forstbetrieb Blauwald übernommen. Trotzdem bekommt Neufischer einen kleinen Bänderzuschlag für den Aufwand bei der Montage und den Transport.

Das Aufziehen der Bänder geht zwar deutlich einfacher als bei Stahl, aber mit bloßen Händen ist es doch nicht getan. Einen schönen Zeitvorteil erzielt man dadurch, dass zwei stabile Ratschengurte ausreichen, um die Felastecs zu spannen. Diese werden generell auch mit geringerer Vorspannung gefahren als konventionelle Bogiebänder. Ein geübter Fahrer legt so eines in gut 15 Minuten auf.

Nochmal richtig effektiv ist es allerdings, wenn man sich das Auf- und Abziehen einfach sparen kann: Die Kunststoff-Sohlen beschädigen kein Tiefladerbett und können somit auf der Maschine verbleiben bei der Umsetzfahrt. Kurze Strecken kann man damit sogar auf der eigenen Achse absolvieren. Es wird berichtet, dass Kollegen auch schon mal damit durchs Dorf gefahren sind, um an den nächsten Waldort zu gelangen. Das macht man mal mit Stahlstollen …

Bei einem Ortstermin im winterlichen Wald wollen wir uns aber vor allem überzeugen, was die Dinger für den Wald bringen. Der Rauhreif täuscht – hier ist der Boden überall weich und schmierig. Der Forwarder kommt hoch bepackt aus der Gasse und schwenkt mit den Bändern auf die Forststraße ein. Ein Szenario, das üblicherweise üble Wühlspuren hinterlässt. Hier sieht man jedoch fast gar nichts. Wie kommt das?

Pfleglichkeit

Die Kunststoffstege sind tatsächlich sehr weich, sodass man sie sogar mit bloßen Händen durchbiegen kann. Somit bauen sie auch bei Kurvenfahrt wesentlich weniger Scherkräfte auf. Die relativ glatte Oberfläche tut ein Übriges, dass nicht so viel Material dran kleben bleibt. Legt man es mit Gewalt darauf an, kann man die elastischen Bänder auch in einer engen Kurve mal verlieren. Aber das ist nicht das Metier von Werner Neufischer, das kann man sehr schnell sehen, wenn man ihm bei der Arbeit zuschaut:

Bis zu zehn verschiedene Sortimente fallen hier in den Mischbeständen an. Wenn man jedes einzeln holt, kommt man auf sehr viele Überfahrten. Deswegen macht er häufig Mischladungen oder konzentriert zwischendurch etwas vor. Für den Außenstehenden wirkt es manchmal etwas beliebig, wenn er ein paar Hölzer nur kurz von hier nach da packt, aber: „Das Puzzle geht am Ende immer auf und er bildet im Endeffekt trotzdem sehr anständige Polter für die Holzabfuhr.“ bestätigt der Förster.

Dank der nachgiebigen Stege gibt es auch beim Einscheren auf die Forststraße kaum Spuren. Foto: H. Höllerl

Im Bestand sehen die Fahrspuren ebenfalls sehr überzeugend aus. Eigentlich fast ein bißchen verwunderlich, dass diese weichen Dinger das Gewicht der Maschine so gut verteilen. Aber vielleicht müssen da die Lehrbücher sowieso neu geschrieben werden. nachdem man jetzt weiß, dass auch Stahlbänder zwischen den Rädern kaum Druck übertragen. Gerade die überbreiten Platten am Hinterwagen verhindern offensichtlich sehr wirkungsvoll, dass sich seitliche Wülste bilden, bzw. ebnen die bestehenden sogar sukzessive ein.

Bodenschutz pur

Kunststoffbänder
Hier wird´s eng: Wenig Platz zwischen den Bändern und den Rungen Foto: H. Höllerl

Bei der Anpassung der Bänder an die Maschine sorgte die Breite allerdings erst ein mal für Verdruß: Logischerweise kann man das Kunststoffmaterial nur symmetrisch an beiden Seiten der Räder überstehen lassen. Da wurde innen der Abstand zu den gekröpften Rungenstöcken schon verdammt knapp. Beim „Einfedern“ sprich Verdrehen des Bogies bestand die Gefahr, dass ein Steg an der Kante einfädelt und das ganze Band abreißt. Da hätten sich Neufischer und Kieninger ein bißchen mehr Engagement von Gremo und/oder Felastopur gewünscht, um hier eine professionelle Lösung zu finden. So musste man selber mit Unterlegplatten und einem Anschlag am Bogie tüfteln.

Traktion

Werner Neufischer ist sich sicher: Mit einem reinen Moorband könnte er an den ganz weichen Stellen noch weniger Spuren hinterlassen. Da machen sich die relativ großen Plattenabstände bei seinen Bändern schon bemerkbar. Andererseits käme er damit am Hang so gut wie gar nicht mehr vorwärts. Und da wurde er von den Felastopur auch angenehm überrascht. Zum einen sind die Stege ja in sich profiliert und zum anderen sind sie im Vergleich zu Stahl mit gut 5 cm ziemlich dick. Das ergibt dann im Zusammenspiel mit den Abständen doch wieder eine ganz ordentliche Angriffsfläche und sorgt für Vorschub. Ein Traktionsband wird deswegen noch nicht daraus, aber man kommt doch deutlich besser voran als ohne.

„Mit dem bin ich voll beladen

so schwer wie manche

14-t-Maschine leer.“

Werner Neufischer zeigt, wie weich der Boden tatsächlich ist Foto: H. Höllerl

Haltbarkeit

Es gibt eine Situation, die mögen die Felastopur gar nicht – da sind sich die Verwender einig: Auf felsigem Untergrund oder bei Blocküberlagerung steigt der Verschleiß doch deutlich an. Ansonsten kann Neufischer nicht klagen. Er fährt jetzt in der dritten Saison und musste bisher nur drei Stege austauschen. Auch die Verbindungsglieder, die im Vergleich zu manch anderer Konstruktion ja regelrecht filigran erscheinen, haben noch keinerlei Probleme gemacht. Ganz ähnlich äußert sich Manfred Haag, Forstunternehmer aus Bad Wildbad im Schwarzwald. Seine Felastecs haben zwischenzeitlich gut 4 000 Stunden auf dem Buckel – ohne Probleme. Auch er ist von der Pfleglichkeit und der täglichen Handhabung überzeugt. Aber gleichzeitig sieht auch er: „Da kann man’s nit einfach so reiße’ lasse’ wie bei Stahl!“ Will heißen, dass man hier ein wenig mit Köpfchen arbeiten muss und nicht mit roher Gewalt. Aber wenn ein Unternehmer den Bodenschutz so lebt wie Werner Neufischer, dann muss man sich als Waldbesitzer darum keine Sorgen machen.

Auf weichen Sohlen: Der Gremo 1050 F mit den Felastopur-Bändern Foto: H. Höllerl

Hier gibt es einen weiterführenden Artikel aus der AFZ: „Praxisprojekt  zur  bodenschonenden  Holzernte  mit  Bogie-Bändern“ – AFZ-2014-17_Praxisprojekt_Bogiebaender

Heinrich Höllerl

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