Forstpolitik

Fehlende Bewirtschaftung: 70 % der katalanischen Wälder waldbrandgefährdet

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Waldbrände prägen in den vergangenen Wochen die deutschen und internationalen Nachrichten. Auslöser der Brände ist in fast allen Fällen menschliches Handeln durch Fahrlässigkeit oder Vorsatz. Gerade in nadelholzreichen Wäldern erhöht ein hoher Totholzanteil die Brandlast.

Hier kommt dieser Tage ein interessanter Beitrag aus Katalonien, der sich mit der Frage beschäftigt, wie die Bewirtschaftung von Wäldern und die Brandgefahr derselben zusammenhängen. So mancher Tagträumer und Realitätsverweigerer träumt ja hierzulande davon, die Wälder im Sinne der CO2-Speicherung stillzulegen.

Wälder jahrzehntelang nicht bewirtschaftet

Das ist für sich genommen schon Unfug, wie die Forstwissenschaft seit dem 19. Jahrhundert vielfach belegt hat. Im Zusammenhang mit der Brandgefahr wirkt sich eine Stilllegung darüber hinaus offenbar sogar doppelt schädlich aus.

In der spanischen Region Katalonien hat man nämlich genau das gemacht, was manche Naturschützer hierzulande vehement fordert: Man hat den Wald einfach nicht mehr bewirtschaftet. Und zwar nicht nur hier und da, auf kleinen Flächen, sondern 70 % der insgesamt 1,3 Mio. ha Wald in Katalonien wurden laut einem Artikel der katalanischen Tageszeitung Arena seit mehr als 40 Jahren nicht mehr bewirtschaftet.

Aufgabe von Wäldern hat Brandgefahr erhöht

Ursache dafür sind niedrige Holzpreise und die Aufgabe von Dörfern während der letzten Jahrzehnte. Vorher haben die Bewohner das Holz aus den Wäldern zum Heizen, Kochen oder zum Bau ihrer Häuser verwendet. Heute kann es sich laut Aussagen von Waldbesitzern niemand mehr leisten Holz einzuschlagen. Die öffentlichen Mittel für die Waldpflege reichen zudem nicht aus.

Aufgrund dieser Entwicklung habe sich in den Wäldern viel Totholz angesammelt, das in Kombination mit der aktuell herrschenden Dürre zu einer extremen Brandgefahr führt, wird Anna Sanitjas, Generaldirektorin für Waldökosysteme bei der katalanischen Regierung, zitiert. Als die Menschen ihre Wälder noch genutzt haben, haben sie diese dadurch feuerfest gemacht, sagt sie.

Öffentliche Mittel, um Wälder aufzuräumen

Katalanische Waldbesitzerverbände fordern deshalb vom Staat öffentliche Mittel, um das Aufräumen der Wälder zu finanzieren und so die Waldbrandgefahr einzudämmen. Angesichts solcher Meldungen lohnt es sich, noch einmal darüber nachzudenken, ob es wirklich eine gute Idee ist, Wälder in Deutschland ohne Not stillzulegen. Denn auch hierzulande wird die klimabedingte Brandlast zunehmen.

Marc Kubatta-Große, mit Material von www.arena-info.com