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Nachhaltige Forstwirtschaft bedeutet für den DFWR, dass Pflege und Bewirtschaftung der Wälder im Interesse ihres gesunden, stabilen und leistungsfähigen Zustandes, ihrer Multifunktionalität durch Nutzung, Schutz und Erholung und im Interesse der Landeskultur und des Umweltschutzes erfolgen – in der Gegenwart und in der Zukunft.

Waldschäden: Hilfen für Waldbesitzende bleiben aus

Im Verlauf der letzten 12 Monate folgte ein Wetterextremereignis auf das nächste. Die Auswirkungen auf den Wald und für Forstbetriebe sind katastrophal: „Es ist eine gigantische nationale und europäische Umweltkatastrophe, für die sich der Bund und die EU jetzt endlich engagieren müssen.“ Doch wirksame klimawandelbedingte Hilfen für Waldbesitzende bleiben bisher aus.

Dazu Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates e.V. (DFWR) in Berlin (7.12.2018): „In Summe können die Auswirkungen auf den Wald und die Forstbetriebe als katastrophal beschrieben werden. Die Forstwirtschaft hat aktuell alle Hände voll zu tun, um die eingetretenen Schäden zu beseitigen. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat fordert von der Politik Hilfsmaßnahmen, um die Forstbetriebe in dieser schwierigen Lage nach Kräften zu unterstützen und die zwingend notwendigen Anpassungsmaßnahmen im Wald mit Nachdruck voranzubringen.“

Fehlanzeige bei der Unterstützung für Waldbesitzende

„So wie ich es im Moment wahrnehme, sind die Bemühungen auf Bundesebne zur aktuellen Schadensbegrenzung für die Waldbesitzenden, zur Unterstützung bei der Wiederaufforstung geschädigter Waldflächen und zur Fortsetzung des Umbaus hin zu klimastabilen und widerstandsfähigen Wäldern eingeschlafen“, bedauerte der DFWR-Präsident.

Schirmbeck warnt: „Wir müssen befürchten, dass im nächsten Frühjahr und Frühsommer eine der größten Kalamitätskatastrophen der letzten Jahrzehnte auf den deutschen Wald zu kommt. Die Bundesministerien haben offenbar die angekündigte Schadensermittlung aus 2018 nicht in Auftrag gegeben. Viele verantwortliche Amtsträger nehmen offensichtlich gar nicht zur Kenntnis, dass der Nadelholzmarkt in Mitteleuropa zusammengebrochen ist“, sagte Schirmbeck enttäuscht. Die Situation werde 2019 kaum besser.

„Angesichts der katastrophalen Lage können die bereitgestellten Mittel im Bundeshaushalt, von jährlich fünf Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren, für die geschädigten Wälder in ganz Deutschland, noch kein adäquaten Beitrag der Bundesregierung sein. Man könnte meinen, die Bundesregierung beabsichtigt den deutschen Wald zu flächendeckenden Wildnisgebieten verkommen zu lassen“, sagte der DFWR-Präsident.

Initiative von Rheinland-Pfalz im Bundesrat

„In dieser Situation begrüßt der Deutsche Forstwirtschaftsrat ausdrücklich die Initiative von Rheinland-Pfalz, das im November dem Bundesrat einen Entschließungsantrag für die wirksame Unterstützung der Forstbetriebe in Folge klimawandelbedingter Extremwetterereignisse vorlegte“, erklärte Georg Schirmbeck. „Wir danken Frau Ministerpräsidentin Dreyer, dass Sie sich persönlich engagiert und Bewegung in die Beratungen bringt“, betonte Schirmbeck.

Schirmbeck fordert: „Es ist eine gigantische nationale und europäische Umweltkatastrophe, für die sich der Bund und die EU jetzt endlich engagieren müssen.“

Auszug aus dem Entschließungsantrag, der Bundesrat möge folgende Entschließung fassen:

  1. Der Bundesrat stellt fest, dass der Wald und damit zugleich die Forstwirtschaft im laufenden Jahr durch klimawandelbedingte Extremwetterereignisse dramatische Schäden erlitten haben und einer wirksamen Unterstützung zu deren Behebung bedürfen.
  2. Der Bundesrat begrüßt die durch die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft am 13. November 2018 angekündigte Erweiterung der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes” (GAK) um einen neuen Fördergrundsatz von “Maßnahmen zur Bewältigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald”. Er hält die avisierten Mittel in Höhe von 25 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren allerdings für in keiner Weise hinreichend, um dem extremen Schadensausmaß gerecht zu werden. Diese Höhe würde auf Jahr und Hektar bezogen weniger als einen Euro ausmachen.
  3. Angesichts der im Raum stehenden Schadenshöhe von bundesweit über fünf Milliarden Euro bittet der Bundesrat zwecks wirksamer Unterstützung notwendiger Maßnahmen um die hinreichende Ausstattung einer entsprechenden Förderung. Im Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche Bedeutung und Dimension der Aufgabe bittet der Bundesrat um Prüfung, inwieweit dies in Form eines Bundesprogramms ausgestaltet werden kann.
  4. Der Bundesrat betont, dass es sich hierbei um eine Förderung handelt, die nicht zur Kompensation von Einkommensverlusten, sondern gezielt für Maßnahmen aufgewendet wird, die einen Nutzen für den Wald selbst und damit auch für die Erfüllung der waldgesetzlichen Aufgaben und der Allgemeinheit entfalten.
  5. Der Bundesrat bittet die Bundesregierung zudem, zeitnah zu prüfen, inwieweit angesichts der Dimension der Schadenshöhe eine finanzielle Hilfe aus Mitteln des Solidaritätsfonds der Europäischen Union beantragt werden kann.
  6. Darüber hinaus bittet der Bundesrat die Bundesregierung zu prüfen, inwieweit weitere Unterstützungsaktivitäten, wie beispielsweise angesichts aktueller Ausbreitungs- und Einschleppungsgefahren von Schaderregern durch Importe, amtlich verfügte Phytosanitärmaßnahmen in Form eines Entrindungsgebots für potenziell mit hier nicht heimischen Schaderregern infiziertem Importholz ergriffen werden sollten.
Red./DFWR

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