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FD Gerhard Gref †

FD Gerhard Gref †

Noch im Juli hat Gerhard Gref mit mir und seiner charmanten polnischen Pflegehilfe („sie begleitet mich von Sitzbank zu Sitzbank“) einen Ausflug in seinen geliebten Wald unternommen, in den folgenden Wochen wurde er aber immer schwächer und am 5. November ist er schließlich in seinem Haus in Schwann friedlich entschlafen, im Alter von 99 1/2 Jahren.

Gref, gebohren am 5. Mai 1910 in Stuttgart, begann 1929 sein Forststudium in Marburg, Stuttgart, Freiburg und München. 1934 wurde er Referendar in der württembergischen Forstverwaltung, 1937 legte er die Staatsprüfung ab, anschließend war er als Forsteinrichter und für Dienstvertretungen eingesetzt. Ab 1941 musste Gref als Soldat einrücken, zunächst in Frankreich, dann in Russland, im Januar 1942 kam er ins Lazarett. Drei Staatliche Forstämter, in denen Gref als Forstamtsleiter tätig war, markierten seinen beruflichen Weg, 1944 bis 1948 Leutkirch, 1948 bis 1954 Wildberg und 1954 bis zu seiner Pensionierung 1975 Neuenbürg. Seinen Ruhestand verbrachte er in Schwann.

Berufliche Hauptaufgabe war es zunächst, die Wunden zu schließen, die Vier-Jahresplan, Brennholznothiebe, die Franzosen- und Exporthiebe und die nachfolgenden Borkenkäferanfälle in den Wald geschlagen hatten. Anschließend galt sein Hauptaugenmerk der Walderschließung und dem Aufbau von Verjüngungsvorräten durch Tannennaturverjüngung und Buchen-Vorbauten.

Gref liebte die Natur über alles, er war ein sehr guter Beobachter und Analyst und hatte bis zuletzt ein geradezu phänomänales Gedächtnis. Persönlich war Gerhard Gref sehr bescheiden, in seinem Lebensstil und in seinem Auftreten. Gleichzeitig pflegte er zusammen mit seiner Frau großzügige Gastfreundschaft, ein Freundeskreis aus Kollegen, Jägern, Hundeleuten, Jagdhornbläsern, Naturschützern und Nachbarn. Als geselliger und interessierter Mensch besuchte er auch regelmäßig Veranstaltungen: Kollegentreffen, Trohhäenschauen, Fachexkursionen, Versammlungen, Vorträge.

Seine Enkelin Anna sagte in ihrem Nachruf bei der Trauerfeier für Gerhard Gref überaus treffend: „Mein Opa stand nie gerne im Mittelpunkt, und wenn er heute bei uns wäre, würde er wollen, dass wir uns nicht auf ihn, sondern auf uns konzentrieren. Er würde auch nicht wollen, dass wir uns auf die Trauer über seinen Tod konzentrieren, sondern dass wir auf das Glück schauen, das wir in unserem Leben finden. Er würde wollen, dass wir uns anschauen, und zu schätzen wissen, was wir aneinander haben und was wir hoffen, besser zu machen. So kennen wir ihn – und so werden wir und auch alle Menschen die ihn kannten – in Erinnerung behalten!“

 
Richard Koch

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