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Faserseil-Anschlag in der Diskussion

Faserseil-Anschlag in der Diskussion

Seit einem Unfall beim Beiseilen eines Pappelstammes im Frühjahr 2008 in Schleswig-Holstein (F&T 9/2008, S. 8) hat es Untersuchungen und Expertenrunden gegeben, um solchen Unfällen künftig vorzubeugen. Am 9. März lud der Spitzenverband der landwirtschaftlichen Sozialversicherung in Kassel zu einer erneuten Runde, der Prof. Dr. Heribert Jacke vom IFA an der Universität Göttingen die Ergebnisse seiner Zugkraftversuche vorstellte (F&T 3/2010, S. 12). Diskutiert wurden danach mögliche und nötige Maßnahmen, um künftig zu vermeiden, dass Anschlagmittel oder ihre Teile – von zurückschnellenden Faserseilen beschleunigt – zu potenziell tödlichen Geschossen mutieren. Das Problem: Es gibt keine leichten und damit ergonomischen Anschlagmittel, mit denen sich bei einer Windenzugkraft von z. B. 8 t die geforderte doppelte Sicherheit von 16 t erreichen ließe. Reinhard Mietschke (Niedersächsisches Forstliches Bildungszentrum) lobte das von Firma Grube entwickelte Dynaforce Lock System, das bei Erreichen einer definierten Zugkraft das Seil durchtrennt, sodass die Anschlagmittel auf der Lastseite zu Boden fallen. Die Vertreter der Fachgruppe Forsten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung lehnten diese Lösung jedoch ab, da die Rückelast nach dem Trennen des Seiles nicht mehr kontrollierbar sei, insbesondere beim Rücken am Hang oder dem seilunterstützten Fällen von Gegenhängern. Einigkeit herrschte, dass Windenführer sich – wie bisher schon – nicht zwischen Last und Winde aufhalten, sondern immer der Last folgen sollen. Das ist nur mit ferngesteuerten Winden möglich, wie Prof. Jacke im Interview mit Forst & Technik bereits klarstellte. Zudem zeigt der Unfall deutlich: Der bisher als sicher angesehene Aufenthalt im Führerhaus ist es nicht. Anschlagmittel sollen künftig mit ihrer Tragfähigkeit (Working Load Limit, WLL) gekennzeichnet werden: „Das ist bei uns in Vorbereitung“, sagte der teilnehmende Stefan Meier, der als Prokurist der Forstgerätestelle Grube auch im KWF-Firmenbeirat aktiv ist. Die Suche nach leichteren, tragfähigen Anschlagmitteln und -verfahren geht weiter. Vertreter der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen wollen die Informationsschriften zur Seilarbeit neu fassen, um „juristisch belastbare“ und logische Regeln zu formulieren.
Axel Jönsson

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