Forstpolitik

FAO betont Bedeutung nachhaltiger Forstwirtschaft

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

In der Diskussion, ob im Kampf gegen Klimawandel und Artenschwund Wälder besser stillgelegt oder besser genutzt werden sollten, hat sich die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) klar für eine nachhaltige Forstwirtschaft positioniert.

Angesichts der Krisen der Welt, darunter COVID-19, Konflikte, Klimakrise und Verlust der biologischen Vielfalt, können Wälder dabei helfen, den Auswirkungen der Krisen entgegenzuwirken, so die FAO. Das gelinge aber nur, wenn man Maßnahmen ergreife, um das Potenzial der Wälder freizusetzen.

Drei Pfade: Entwaldung stoppen, Aufforsten, Nachhaltig nutzen

In einem Schlüsselbericht, der am 2. Mai veröffentlicht und auf dem XV. World Forestry Congress in Seoul vorgestellt wurde, dem State of the World’s Forests Report 2022, zeigt die FAO drei Pfade auf, um dies zu erreichen: Stoppen der Entwaldung, Wiederherstellung degradierter Flächen und Ausbau der Agroforstwirtschaft sowie eine nachhaltige Nutzung von Wäldern und Aufbau grüner Wertschöpfungsketten.

Die ausgewogene, gleichzeitige Verfolgung dieser Pfade könne dazu beitragen, die Krisen anzugehen, mit denen Menschen und der Planet konfrontiert sind, und gleichzeitig nachhaltige wirtschaftliche Vorteile zu erzielen, insbesondere in ländlichen Räumen.

Hauptargumente des Berichts

  1. Durch das Stoppen der Entwaldung und den Erhalt der Wälder könnte der Ausstoß von etwa 3,6 Gigatonnen Kohlendioxidäquivalent (GtCO2e) pro Jahr zwischen 2020 und 2050 vermieden werden, einschließlich etwa 14 % dessen, was bis 2030 benötigt wird, um die Erwärmung des Planeten unter 1,5 °C zu halten und gleichzeitig mehr als die Hälfte der terrestrischen Biodiversität der Erde zu schützen.
  2. Wiederherstellung degradierter Flächen und die Ausweitung der Agroforstwirtschaft: 1,5 Mrd. ha degradierter Flächen würden von der Wiederherstellung profitieren, und eine zunehmende Baumbedeckung könnte die landwirtschaftliche Produktivität auf einer weiteren Milliarde Hektar steigern. Die Wiederherstellung degradierter Flächen durch Neu- und Wiederaufforstung könnte zwischen 2020 und 2050 kosteneffektiv bis zu 1,5 Gt CO2e pro Jahr aus der Atmosphäre entfernen, ähnlich wie jedes Jahr bis zu 325 Mio. benzinbetriebene Personenkraftwagen von der Straße zu nehmen.
  3. Die nachhaltige Nutzung von Wäldern und der Aufbau grüner Wertschöpfungsketten würden dazu beitragen, die zukünftige Nachfrage nach Materialien zu decken (der weltweite Verbrauch aller natürlichen Ressourcen wird sich voraussichtlich von 92 Mrd. t im Jahr 2017 auf 190 Mrd. t im Jahr 2060 mehr als verdoppeln) und nachhaltige Volkswirtschaften mit größeren Beschäftigungsmöglichkeiten zu unterstützen und sicherere Lebensgrundlagen.

Gesellschaften könnten Wälder und Bäume besser nutzen, um gleichzeitig die biologische Vielfalt zu erhalten, besser für das menschliche Wohlergehen zu sorgen und Einkommen zu generieren, insbesondere für die Landbevölkerung, heißt es in dem Bericht und argumentiert, dass „es ohne einen gesunden Planeten keine gesunde Wirtschaft geben wird“.

Finanzierung muss vervierfacht werden

Die FAO mahnt allerdings, dass die derzeitigen Investitionen in Wälder weit hinter dem zurückbleiben, was erforderlich sei. Einer Schätzung zufolge muss die Gesamtfinanzierung für die Waldpfade bis 2030 verdreifacht und bis 2050 vervierfacht werden, damit die Welt die Klima-, Biodiversitäts- und Landdegradationsneutralitätsziele erreichen kann, wobei sich die geschätzten erforderlichen Finanzmittel allein für die Errichtung und Bewirtschaftung von Wäldern bis 2050 auf jährlich203 Mrd. US-Dollar belaufen.

Schützen und Nutzen muss gleichzeitig gehen

Zwei der notwendigen Aktivitäten, die die FAO zur Erreichung des Ziels, das Potenzial der Wälder freizusetzen, nennt, scheinen auch in Deutschland und Mitteleuropa von größter Bedeutung zu sein, folgt man den Diskussionen der jüngsten Zeit.

  1. Bewusstseinsbildung und Politikdialog über nachhaltige Waldnutzung als Mittel zur gleichzeitigen Erreichung wirtschaftlicher und ökologischer Ziele
  2. Maximierung der Synergien zwischen den drei Waldpfaden und zwischen Land-, Forstwirtschafts-, Umwelt- und anderen Politiken und Minimierung von Zielkonflikten

Der Ansatz der FAO macht klar, worauf es ankommt: Wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele auszugleichen, um es der heutigen Generation zu ermöglichen, von den Waldressourcen der Erde zu profitieren, und gleichzeitig diese Ressourcen zu erhalten, um die Bedürfnisse zukünftiger Generationen zu erfüllen.

Quelle: FAO