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Struktur und Artenreichtum der Vegetation in Naturwaldreservaten von Rheinland-Pfalz – Einfluss von Schalenwild und früherer Bewirtschaftung

Quelle: Forstarchiv 87; 6, 182-193 (2016)
Autor(en): SCHMIDT W, HEINRICHS S

Kurzfassung: Floristische und vegetationskundliche Daten aus 19 Naturwaldreservaten (NWR) in Rheinland-Pfalz wurden hinsichtlich Vegetationsstruktur und Artenreichtum ausgewertet und überregional verglichen, um generelle Trends in der natürlichen Waldentwicklung – unabhängig von lokal wirkenden Faktoren – aufzuzeigen. Durch einen Vergleich gezäunter und ungezäunter Flächen im NWR konnte der Schalenwildeinfluss, durch den Vergleich mit weiterhin bewirtschafteten Beständen der Einfluss der forstlichen Nutzung auf die Vegetation analysiert werden. Neben überwiegend zonalen Buchenwäldern bodensaurer Standorte umfasste der Datensatz auch 3 Auenwaldstandorte und 2 Moorbirken-Bruchwälder. Eine Ordination zeigte, dass vor allem die Lage der NWR in unterschiedlichen forstlichen Wuchsgebieten und die Basen- und Nährstoffversorgung die Zusammensetzung der Vegetation beeinflussen. Innerhalb der Buchenwälder konnte ein Effekt der Baumartenzusammensetzung auf Struktur und Artenreichtum der Bodenvegetation nachgewiesen werden. Unter dem Einfluss der früheren Bewirtschaftung waren in der Gruppe der Buchenwälder auch Bestände mit hohen Eichen-, Hainbuchenoder Nadelholz-Anteilen vertreten. Geringere Buchenanteile wirkten sich positiv auf den Artenreichtum der Strauch- und Krautschicht aus. Ebenso förderte eine hohe Baumartenzahl mit einer Vielfalt an Samenbäumen und einer größeren Heterogenität im Lichtangebot die Artenvielfalt in der Strauchschicht. Artenvielfalt und Abundanz der Strauchschicht waren jedoch deutlich durch das Schalenwild limitiert, da diese Werte über alle NWR hinweg in den gezäunten Flächen höher lagen. Auf die Krautschicht wirkte sich der Verbiss dagegen uneinheitlich aus. Zwar profitieren innerhalb des Zaunes verbissbeliebte Pflanzenarten häufig vom Wildausschluss, außerhalb der Zäune können jedoch regenerationsfreudige Arten gefördert werden und Bodenverwundungen durch Tritt oder Diasporentransport durch das Wild die Artenvielfalt erhöhen. Vor allem hinsichtlich des Deckungsgrades der Krautschicht zeigte sich jedoch ein deutlicher Einfluss der Zäunungsdauer, indem langfristig die Ausbreitung verbissbeliebter Arten im Zaun gefördert wurde. Forstliche Eingriffe in bewirtschafteten Vergleichsbeständen führten nicht einheitlich zu einer Erhöhung der Artenzahl gegenüber dem unbewirtschafteten NWR. Altersbedingte Entwicklungen oder natürliche Störungen können auch in NWR den Artenreichtum fördern. Wiederholungsaufnahmen auf Dauerflächen in NWR und in bewirtschafteten Vergleichsbeständen im Abstand von 10 Jahren, die bisher in Rheinland-Pfalz fehlen, sind daher notwendig, um die langfristige natürliche Waldentwicklung und ihren Einfluss auf die Diversität zu quantifizieren und sicher zu bewerten.


Vegetation structure and diversity across strict forest nature reserves in Rhineland-Palatinate – Impact of deer browsing and former forest management

Abstract: Floristic data and data from vegetation surveys were compared across 19 strict forest nature reserves (SFNR) in Rhineland- Palatinate (south-west Germany) concerning vegetation structure and species richness in order to detect general trends in forest dynamics in Central Europe. A comparison of fenced and unfenced plots allowed an assessment of browsing effects, a comparison of SFNR with still managed forests an assessment of forest management impacts. Beside the predominant zonal oligotrophic beech forests the data set included 3 eutrophic floodplain forests and 2 oligotrophic bog woodlands. An ordination showed an impact of SFNR location in different forest growth regions and of the nutrient supply on vascular plant species composition. Within the beech forests we could demonstrate an effect of tree species composition on structure and species richness of the understorey. Former management largely changed tree species composition as proportions of oak, hornbeam or conifers are often high till today. This has positive effects on shrub and herb layer species diversity as beech proportions in the tree layer negatively influenced species numbers of the understorey of zonal beech forests. In addition, species diversity in the tree layer promoted shrub layer diversity due to the availability of seed trees and a heterogeneous light supply. The shrub layer was, however, largely limited by browsing (mainly roe and red deer) as fencing increased species numbers and abundance of the shrub layer. The browsing effect on the herb layer was inconsistent as preferred species benefit from fencing whereas soil disturbances or seed dispersal by deer may enhance species numbers outside the fence. With increasing time of fencing, though, preferred herb layer species increased in abundance. Management did not generally increase species richness compared to SFNR. Maturation of unmanaged stands and natural disturbances can increase species richness in SFNR as well. Regular monitoring on permanent plots in SFNR and in adjacent managed stands every 10 years, that are missing until now in Rhineland-Palatinate, are necessary to evaluate and quantify long-term natural forest development and its impact on diversity.

© DLV München

 

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